Die Erzählung beginnt aus der Sicht eines Möchtegern-Killers, der sich mit Anspielungen auf die griechische Mythologie abkrampft, derartige Versuche im weiteren Verlauf gottseidank aber aufgibt. Man hat den Eindruck, dass die Autorin in diesem ersten Teil bemüht war, irgendwelche literarischen Ansprüche zu erfüllen, was ihr aber nicht recht gelingen will. Dem entspricht auch die multipersonale Stream-of-Consciousness-Erzähltechnik, die zwar en vogue, aber mittlerweile nicht mehr besonders originell ist und vor allem dann ermüdend wirkt, wenn sich die Denk-Stile der Protagonisten nicht nennenswert unterscheiden.
Der Erzählstrang, der sich mit dem Möchtegern-Killer befasst, tritt mehr und mehr in den Hintergrund. Dass er sich selbst in Lebensgefahr wähnt durch irgendein ominöses Drogenkartell, wird schließlich nicht mehr weiter verfolgt. So bleiben seine dilettantischen Mordversuche Füllmaterial. Man hat den Eindruck, dass die Autorin, ebenso wie ihre Hauptfigur Max Trautmann, der triviale Westernromane schreibt, zunächst nicht wusste, wo die Geschichte hinführen soll.
Diese Schwächen nehmen im zweiten Teil der Erzählung überraschend ab. Der Stil wird zwar konservativer, aber die Handlung nimmt an Fahrt auf und beginnt, interessant zu werden. Pathetik-triefende Formulierungen wie der im Paperback zitierte Satz >Er spürte, wie fremder Atem sein Ohr streifte, hörte die Worte, von denen er vor fast dreißig Jahren geglaubt hatte, er habe sie zum letzten Mal gehört< finden sich, im Gegensatz zum ersten Teil, gottseidank kaum noch, und die Lektüre fängt an Spaß zu machen, auch wegen der feinfühlig erzählten Liebesgeschichte, die jetzt in Konkurrenz zur Kriminalhandlung tritt.
Fazit: Wenn man sich durch den ersten Teil durchgeplagt hat, wird die Geschichte noch richtig lesenswert. Die Autorin versteht es offensichtlich, interessant zu erzählen. Sie sollte sich dabei aber - um gleichfalls ein Klischee zu bedienen - mehr auf ihren Bauch als auf ihren Kopf verlassen, denn erst als die Erzählung die literaturwissenschaftliche Retorte verlässt, wird sie lebendig und spannend.