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Neues, Altes und Altbekanntes auf den bunten Büchertischen
Von Andreas Nentwich
«Man war im Grunde nie mit mir
zufrieden und wollte mich immer anders,
als es Gott gefallen hatte, mich zu machen.»
Zu Eckermann, 4. 1. 1824
Im Goethe-Jahr 1932 gab Walter Benjamin einer kurzen Rezension von zwei eher chronikalisch angelegten Werken den schönen Titel: «Goethebücher, aber willkommene». Auch damals also schon hielt es, wer über einen verfügte, im Kopf nicht mehr aus. Die Phraseologie war auf andere Weise unerträglich als heute, marmoriert und kulturteutonisch, nicht flapsig oder kritizistisch, aber ebenso Firnis. Dahinter regierte, sich ihrer bedienend, schon seinerzeit beinhart der Markt, ein Markt, zu dem der Marxist Benjamin ein diagnostisch-kühles, entschieden weniger verworrenes Verhältnis hatte als die meisten sogenannten Wertkonservativen. Gewachsen freilich ist die Abgebrühtheit. Im Goethejahr 1999 ist es dieser Markt selbst, der einstimmt in Benjamins Ausruf, dass jedes «über Goethe eingesparte Wort [. . .] ein Segen» sei, denn längst sind die scheinhafte Selbsthinterfragung und der durchsichtige Bluff als produktfördernd erkannt. Alles stöhnt unter dem Goethe-Ausstoss, die Verursacher eingeschlossen, und doch sind sie bisher mehr als glimpflich davongekommen, hat die Kritik ihr bescheidenes Privileg, Schneisen zu schlagen für ratlose und eingeschüchterte Leser, nur bescheiden genutzt.
Dabei ist eigentlich alles ganz einfach, soweit es nur um das bunte Allerlei von Biographischem, Anthologischem, Novellistischem in den Jubiläumsschaufenstern geht. Das Nette, hübsch Verpackte, nicht Eingesparte dominiert bei weitem. Man kann es beschweigen. Was bleibt, sind ein halbes Dutzend Ärgernisse, vor denen gewarnt werden muss, sind sieben oder acht wirklich bemerkenswerte Novitäten, darunter so vielbeachtete wie Sigrid Damms Recherche über «Goethe und Christiane», Roberto Zapperis römische Nachforschungen und der zweite Band von Nicholas Boyles enzyklopädischem work in progress zu Goethes Leben und Werk. Diese drei brauchen keine Empfehlung mehr, die übrigen wohl.
GLÜCKSFÄLLE, ÄRGERNISSE
Eine Handvoll Ärgernisse also, eine Handvoll Glücksfälle, für die eine Schneise zu schlagen sich lohnt. Begonnen sei mit einem glänzend geschriebenen Buch, das nunmehr in der 12. Auflage erscheint und, nachdem es in 36 Jahren kaum Patina angesetzt hat, den Rang eines Klassikers beanspruchen kann. Gemeint ist Richard Friedenthals berühmte, derzeit ein wenig unter Wert gehandelte Monographie «Goethe. Sein Leben und seine Zeit», die das unaufgeregte Verhältnis der Nachkriegsdeutschen zu dem grossen Dichter geprägt hat und wohl in vieler Hinsicht ein Segen war, womöglich sogar ein (winziger) Baustein zu dem, was man heute Zivilgesellschaft nennt.
Mit dem epochalen Werk des Emigranten, der ein Genie der Ambivalenz und somit der ideale Interpret eines letztlich nur in seinen Polaritäten fassbaren Dichterlebens gewesen ist, zog die moderne Biographik in Westdeutschland ein: eine Biographik, die weltklug und skeptisch war, undoktrinär und demokratisch, unpathetisch und dabei immer noch ehrfurchtsfähig. Die gleichsam intuitive Modernität dieses auf jeder Seite lehrreichen, auf keiner Seite langweiligen Buches ist bis heute unübertroffen, und ganz ohne Grund leben seine Bewunderer in der Furcht, hoffnungslos rückständig zu sein. Friedenthal hat den «Ganzheitsmenschen» Goethe in den Bereich der Wunschbilder verwiesen, hat sein weitgehendes Versagen im Persönlichen so wenig beschönigt wie seine politischen Irrtümer und ihn zugleich aus nationalistischer Verzerrung befreit und Europa und der Welt zurückgewonnen.
Nach solcher Lektüre erscheint eine so sympathische und solide Arbeit wie die im letzten Jahr erschienene Biographie von Klaus Seehafer vergleichsweise schlicht, ja trotz den eingestreuten Wanderungen auf Goethes Spuren fast ein bisschen langweilig. Ganz anders die bei aller Nüchternheit und Quellenlust durchaus spekulationsfreudige biographische Studie des 1957 geborenen Literaturwissenschafters Karlheinz Schulz, der zu wünschen ist, dass sie nicht in der Publikationsflut dieses Jahres untergeht. Wenn Schulz im Vorwort die Absicht formuliert, in dem «unregelmässigen Halbdunkel aus gesicherten Fakten einerseits, Verschleierungen und Legenden andererseits» die vielfach überlagerten Lebensspuren des authentischen Goethe zu sichern und ihn vor dem Hintergrund der «Verwerfungen seiner Epoche» darzustellen, mag man noch amüsiert sein über so viel treuherzigen Mut. Nur: Schulz tut das dann wirklich, eloquent, kühl, kenntnisreich, in jener Verbindung von «Gründlichkeit [. . .] mit Grundsatzlosigkeit», die Benjamin im Hinblick auf den Dichter für die fruchtbarste hielt. Wie bei jedem substanzhaltigen Buch fällt das Streitbare kaum ins Gewicht: Ob Goethe nun, wie Schulz entgegen den Auffassungen der Eissler-Schule behauptet, ein mehr als platonisches Verhältnis zu Charlotte von Stein gehabt hat, wird womöglich noch im Goethejahr 2032 umstritten sein (oder auch nicht, weil es den Lesern der Techno-Generation oder ihren Nachfolgern einfach gleichgültig ist).
In jedem Fall wichtiger sind die faktengestützten Berichtigungen im kleinen, und seien sie so marginal wie die Feststellung, dass der junge Goethe und die Bankierstochter Lili Schönemann zu keinem Zeitpunkt verlobt gewesen sind: weil sie einen Leser verraten, der in dem Autor von «Dichtung und Wahrheit» auch dann noch den Dichter erkennt, wenn kein offensichtlicher Zwang zur Verhüllung besteht, dem ein «Goethe von innen» grundsätzlich in den Bereich der Fiktion gehört. Wichtiger sind die Ehrenrettungen des Wetzlarer Legationssekretärs Kestner, des unglücklichen Weimarer Kammerpräsidenten von Kalb, des vermeintlichen Beamtenschimmels von Fritsch, der ein redlicher und aufgeklärter Mann gewesen ist, sind kühle Belehrungen von der Art, dass die Ehe des Ehepaares von Stein nach aristokratischen Massstäben durchaus keine unglückliche war.
Wichtig und wirklich aufregend, kurzum, ist das herbe Tagwerk der Ernüchterung, mit dem die grossen Linien unterfüttert sind und ihre Glaubwürdigkeit erst gewinnen: die Darstellung der langsamen, konfliktreichen Wandlung Goethes vom Aufklärer zum Reaktionär ebenso wie die Entmystifizierung des sogenannten Freundschaftsbundes mit Schiller oder wie die durchgängige Kontrastierung des nach wie vor verbreiteten Bildes vom «gesellschaftlich gut angepasste[n]» Genie (Gordon A. Craig) mit Selbst- und Fremdzeugnissen, die ihn weit eher als entscheidungsschwache, verhemmte, von unvorhersehbaren Situationen zunehmend überforderte Zwangsnatur erscheinen lassen.
«Die Nachkommen machen Goethe [. . .] zum Gegenteil dessen, was er tatsächlich gewesen war: Man formte aus dem Sonderling ein Muster des Menschseins und ging dabei auch über dessen eigene Äusserungen vollkommen hinweg.» Diese Einschätzung kommt einer glatten Umkehrung der noch in der neueren Literatur vertretenen Auffassung gleich, wonach mit Goethe «das schlechthin Normale erwiesen [habe], dass es die Dimensionen des ganz Grossen ausfüllen kann» (Ekkehard Krippendorff). Am Ende liegt die Wahrheit wohl in der Mitte, womit man wieder bei Friedenthal wäre. Dennoch: Wer sich lieber kühlen Kopfes der modernen Sozial- und Mentalitätsgeschichte anvertraut als dem suggestiven Epochengemälde und den unvermeidlichen Stilisierungen eines grossen Gestaltungswillens, wer einer um bestimmte Themenkreise zentrierten intellektuellen Biographie, die überdies mit bündigen Werkanalysen aufwartet, den Vorzug gibt vor einer breitangelegten Lebensreise, ist bei Schulz an der richtigen Adresse.
Freunde von Zusammenstellungen aus Werken, Briefen und Zeugnissen sind mit dem bereits 1998 erschienenen Band «Lesebuch zu Goethes Leben» gut beraten, nicht zuletzt wegen der klugen und nüchternen biographischen Zwischentexte des Herausgebers Peter Schünemann. Zu den angenehmeren Novitäten gehört auch die Aufsatzsammlung des Politologen Ekkehard Krippendorff über Goethes «Politik gegen den Zeitgeist», und sei es nur, weil sein Versuch, eine humanitäre Motivation in allen politischen Äusserungen und Handlungen Goethes nachzuweisen, quer zum Zeitgeist von heute steht. Von dem Verdacht, dass Goethes mit dem Alter zunehmende Neigung, historische Prozesse in Analogie zu Naturereignissen zu sehen, einer Entpolitisierung des Politischen gleichkommt und in einen spezifisch deutschen Kulturkonservatismus mündet, vermag dieses Werk der Verehrung allerdings nicht zu befreien. Aber Krippendorff hat hundertmal recht zu betonen, wie unvermittelbar mit jeder Art von Staatsterrorismus Goethes Bekenntnis zur «Polis» in Gestalt des Kleinstaates Weimar und seine Immunität gegen alles Militärische gewesen sind, und er hat ebenso recht, eine Bresche zu schlagen für dessen Ordnungsdenken, das gewiss eine hausväterlich-autoritäre und eine verzwungene Seite hat, aber nie und nimmer nach Buchenwald führt.
KAMPFSCHRIFTEN
Eben dies suggeriert eine vielbenannte Kampfschrift, deren grösster Vorzug in ihrer Unlesbarkeit besteht. W. Daniel Wilsons «Goethe-Tabu», das das wacklig aufgeklärte Regiment des biederen Carl August zum Terrorregime aufplustert und den pragmatischen Reformer Goethe zu seinem Fouché, ist ein Stück wortverdreherischer Investigativ-Philologie, dem sich allenfalls zugute halten lässt, dass es, verglichen mit anderen Zeugnissen einer «kleinlichen Herabsetzungssucht» (Karlheinz Schulz), auf nachgerade fanatische Quellenstudien zurückgeht. Der künstliche Furor etwa von Tilman Jens über «Goethe und seine Opfer» ist unter sorgfältiger Aussparung aller für den Delinquenten sprechenden Gründe aus anderen, durchwegs vernünftigeren Werken zusammenkompiliert. Wobei die Chuzpe beeindruckt, mit der dieser Generalvollstrecker der Fernsehaufklärung selbst so dezidierte und ihrerseits problematische Naturen wie Charlotte von Stein, Fichte, Schiller, Herder, ja selbst Carl August zuerst in arglos weidende Lämmer verwandelt und dann dem bösen Wolf von Weimar in den Rachen wirft.
Fataler noch, wenngleich mit höherem Einsatz geschrieben, ist der schier nicht endende Roman des pensionierten Philologen Hugo Schultz über «Goethes Seelenmord an J. M. R. Lenz», in dem sich der Leser einer sehr privat wirkenden Beziehungsgeschichte ausgesetzt sieht, die wiederum als komplementäre Spiegelung zu dem Liebesdreieck Goethe - Friederike - Lenz zu denken ist. Dass ersterer als «Fürstenknecht» nach Weimar gegangen und nicht Büchner geworden ist, verzeiht der fiktive Lenz ihm ebensowenig wie der späte Debütant. Hier hat ein Autor eindeutig zu lange gewartet mit «seinem» Buch, hat zuviel hineinpacken müssen von sich, seinen Lieben und seinem in langen Beamtenjahren angestauten Jakobinertum, und am Ende verlieren sich all die mit Mühe zusammengezwungenen Geschichten an das blanke Wüten gegen einen fast wahnhaft zum Urbild des deutschen Untertanen verzerrten Goethe.
GELEITLITERATUR
Gelungener nach Massstäben der Professionalität erscheint Otto A. Böhmers Roman über den «jungen Goethe», der sich in Sichtweite zu «Dichtung und Wahrheit» bewegt und seinen Helden in einer Weise präsentiert, für die das Etikett «liebevoll ironisch» zur Verfügung steht. Stellenweise zeigt das Buch (wie übrigens auch das von Schultz) einen spröden Dialogwitz, der an Gert Hofmanns wunderbare «kleine Stechardin» erinnert und sich für erzählerische Ausflüge ins 18. Jahrhundert eingebürgert zu haben scheint. Im ganzen aber ist Böhmers Bild vom «Wölfchen» gar zu harmlos und klischeebesetzt. Und man fragt sich doch, ob jene jüngeren Leser, die wohl vor allem angesprochen sein sollen, der affirmativen Flapsigkeit eines älteren Herrn («Mensch, sagt Goethe, du bist ja richtig gebildet.») etwas abgewinnen, fragt sich erst recht, ob ihnen das schneidend Fremde unbedingt weichgezeichnet und «kommensurabel» gemacht werden sollte. Man fragt sich, kurzum, welcher Leser je seinen Autor, sein Buch entdeckt hat durch irgendeine Art von Geleitliteratur?
Auch dies: Was ausser Profitgier erklärt Anthologien, die «Goethe für Anfänger» heissen, mit Werbesprüchen à la «Raus aus dem Goethe-Ghetto» für sich werben und dann die wirklichen Anfänger mit Hinführungen im Ton einer kaum noch für möglich gehaltenen Goethe-Frömmigkeit konfrontieren? Ist es notwendig, dass ein Routinier der Semifiktion wie Dieter Kühn sich pünktlich zum Jubiläum ein langatmiges und freudlos verschachteltes Konstrukt abzwingt, in dem Goethes Enkel Wolfgang Maximilian den Verfasser der «Campagne in Frankreich» devotest, aber politisch korrekt als Schönfärber und leidfernen Egoisten überführt wobei nicht einmal dieses bescheidene Resultat so sehr verstimmt wie die weitgehend vertane Chance, den zerrütteten und verquälten Goethe-Erben mehr als eine Scherenschnitt-Physiognomie zu geben?
Genug der Schelte. Von Henning Boetius stammt eine schmale Novelle mit dem Titel «Tod in Weimar». Sie zieht uns in die Eiswelt eines alten Mannes, der gross und herrlich ist und dennoch ein wenig zum Lachen reizt. Oder zum Erbarmen? Wie er die Eckermanns verachtet, wie öde ihm unsresgleichen vorkommen muss! Und doch blicken wir so traurig mit ihm auf seinen alten Bauch und seine dünngewordenen Beine, «Tapetenbeine, mit den Mustern der Krampfadern darauf», wie wir seine kalte Greisengier auf das hübsche Nichts begreifen Knabe oder Mädchen, einem uralten Faun ist das gleich! , das er, schnapp! vernascht, bevor dann das grosse Frieren anbricht und mit ihm die letzte Stunde.
Es ist ein Rätsel, warum Boetius im Nachwort Wert darauf legt, eine Geschichte auch noch historisch plausibel zu machen, die Verbürgtheit gar nicht nötig hat. Sie lässt ihn uns lieben und fürchten, diesen sternenfernen Gott mit seiner murmelnden Selbstvergnügtheit, mit seinem grossen, klaren, kalten Blick auf sich selbst und die Menschen. Kongenial die Illustrationen von Johannes Grützke. «Tod in Weimar» ist ein heiteres Lemurenspiel, würdig der Grösse des alten Mannes von Weimar und seiner olympischen Einsamkeit. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Goethes Aschenbachsche Natur,
Von
Rezension bezieht sich auf: Tod in Weimar: Mit Illustrationen von Johannes Grützke (Taschenbuch)
Henning Boetius kann schreiben. Das tellt er auch mit "Tod in Weimar" wieder eindrucksvoll unter Beweis - und dennoch hat mich das Buch enttäuscht.In den letzten Tagen seines Lebens empfängt Goethe den Sohn Bettine von Arnims und bedenkt ihn mit unerwartet viel Aufmerksamkeit. Eine Liebesnacht mit Bettine, nach meinem letzten Kenntnisstand nie erwiesen, wird in drastisch-dionysischer Weise skizziert, gefolgt von Hinweisen, Bettine habe ihren Sohn als erotischen Köder ausgeschickt, um ihre an Goethe geschriebenen Jugendbriefe zurückzuerhalten. Möglicherweise ist mein Bettine-Bild zu sehr von Christa Wolfs "Kein Ort.Nirgends" geprägt, aber als eine so perfide Ränkeschmiedin kann ich sie mir schwerlich vorstellen. Der Plan scheint mir zudem nach 20 Jahren der "Funkstille" zwischen den beiden als ein recht dünner Strohhalm, ich denke, die Dame wird andere Methoden und bessere Kontaktpersonen gehabt haben, um ihre Korrespondenz einzufordern. Die Parallele zu Manns "Tod in Venedig", bis hin zum Riskieren des eigenen Todes- statt in einer verseuchten Stadt zu bleiben, fährt Goethe in der Kutsche durchs vereiste Weimar - hinkt in meinen Augen auch ein wenig. Die Projektion seines eigenen Verjüngungswunsches auf den jungen von Arnim ist hingegen gut gelungen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4.0 von 5 Sternen
schauerlich schön,
Rezension bezieht sich auf: Tod in Weimar: Mit Illustrationen von Johannes Grützke (Taschenbuch)
die idee für diese schauerlich- schöne novelle ist wahrscheinlich sehr weit hergeholt. deshalb erschließt sich mir der zweck des ganzen nicht ohne weiteres. ich nehme mal an, es wird keinen geben, außer, dieser unglaublichen idee, dass goethe kurz vor seinem tode noch ein junges, gutgebautes bürschchen vernascht, ein zuhause zu geben. ein sehr persönlicher und wie ich meine sprachlich sehr guter beitrag zur lichtgestalt des großen meisters. fein zu lesen, nicht oberflächlich, sondern durchaus probleme der verschiedensten art beleuchtend- die zunehmende einsamkeit des alten goethe, sein groll gegen eigentlich alles und jeden in seiner umwelt, der versuch, im gespräch wenigstens sein werk in die neuzeit retten zu können, die er selbst und die ihn selbst immer mehr ablehnt. kurze und prägnante charakterisierung der handelnden personen- und wie ich finde tolle bilder zur illustration!alles in allem ein vergnügliches leseerlebnis, wenn auch m.e. stellenweise sinnfrei. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4.0 von 5 Sternen
War Goethe schwul?,
Von
Rezension bezieht sich auf: Tod in Weimar: Mit Illustrationen von Johannes Grützke (Taschenbuch)
"Tod in Weimar" beschreibt die letzten Lebenstage Goethes. Kurz vor seinem Tod besucht Bettine von Arnims Sohn Siegmund den alten Geheimrat und früheren Lover seiner Mutter in Weimar. Goethe empfängt diesen und unternimmt mit ihm einige geheimnisvolle Kutschfahrten bei sehr kalter Witterung. Kurz darauf stirbt Goethe. Dies ist historisch belegt. Aus diesem Stoff gestaltet Boetius eine - laut Untertitel - Novelle mit knapp 120 Seiten, garniert mit 17 überflüssigen Illustrationen von Johannes Grützke.Boetius beschäftigt vor allem dieser Besuch des jungen von Arnim als Agens für Goethes Tod - er unterstellt und beschreibt eine homoerotische Affäre der beiden. Über diese Spekulation lässt sich streiten - aber was Boetius aus der Thematik der letzten Lebenstage Goethes macht, ist eine sprachlich und gedanklich hervorragend strukturierte Erzählung, eine in der Tat "radikale Nah- und Großaufnahme Goethes" (Klaus Modick), "eine kleine Perle deutscher Prosa" (Die ZEIT) - Boetius ist sehr zu empfehlen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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