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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die anderen Erzählungen,
Von
Rezension bezieht sich auf: Fischer Taschenbücher, Bd.54, Der Tod in Venedig und andere Erzählungen (Taschenbuch)
Über die Haupterzählung dieses Bandes, "Der Tod in Venedig", ist von meinen Vorrezensenten schon viel geschrieben worden; ausreichend, um sich ein gutes Bild dieses Meisterwerks der Jahrhundertwende zu machen.Allerdings beinhaltet dieses Buch auch andere Erzählungen, auf die ich kurz eingehen möchte, da sie in den vorigen Rezensionen zu kurz gekommen sind. "Tristan" ist ein Frühwerk von Thomas Mann. Seine Leser werden den Schauplatz wiedererkennen, ein Sanatorium in den Schweizer Alpen. Der Protagonist: Ein Möchtegern-Schriftsteller, ein Einzelgänger und schwieriger Mensch. Die Frau eines Großkaufmanns taucht auf und die Szene für ein sehr problematisches, platonisches Liebesverhältnis ist gesetzt. Sehr gut zu lesen und mit der für Mann typische klare Psychologie ausgestattet. Danach kommt meine Lieblingsgeschichte, "Die vertauschten Köpfe". Diese Erzählung ist in der indischen Märchenwelt angesiedelt, voller Wunder und farbenprächtig erzählt. Man könnte meinen, dass ein Inder diese Geschichte erzählt hätte. Eine ergreifende Handlung, wunderschön geschrieben und sehr weise. Eines der Spätwerke von Mann. Dann geht es weiter mit einer sehr kurzen Erzählung, "Gladius Dei", in der es um die Unantastbarkeit der Heiligen Jungfrau Maria geht und um die Entfremdung von Religion und Heiligtum in der modernen Welt. Das Thema ist auch heute noch (mehr denn je) aktuell, allerdings habe ich mich mit dieser kleinen Geschichte nicht so richtig anfreunden können, da Mann hier zu sehr moralisierend den Finger hebt. Anders sieht es wieder mit der kurzen Erzählung "Schwere Stunde" aus, eigentlich nichts mehr als eine Momentaufnahme im Schaffensprozess von Schiller. Eine kleine, aber feine Studie über Schiller, seine Ängste und Zweifel in einer schweren Stunde des Schaffens (oder eher Nicht-Schaffens). "Das Gesetz" ist dann der Abschluss dieser Sammlung und wieder spielt Mann, wie zuvor schon in der indischen Erzählung "Die vertauschten Köpfe" mit der Sprache, lässt sie altertümlich und bibelhaft erscheinen. Allein durch dieses Sprachexperiment ist die Geschichte es wert, gelesen zu werden. Auch wird Moses entzaubert, seine Weltlichkeit und Menschlichkeit mit all seinen Fehlern in den Vordergrund gerückt - ein sehr interessanter Zugang zu dem Thema. Allerdings zieht sich die Lektüre ein wenig, sie hätte durchaus kürzer gefasst werden können. Mein Fazit: Ein weiterer Beweis, welch ein großer Erzähler Thomas Mann war, allerdings schuf auch er nicht uneingeschränkt große Meisterwerke (wenngleich diese bei ihm in der Überzahl sind). Manchmal (wie in "Gladius Dei") brachte er auch nur Mittelmäßiges bis halbwegs Gutes zu Stande, deshalb die 4 Sterne. Dennoch eine echte Empfehlung - nicht nur wegen der berühmten Erzählung "Der Tod in Venedig" - denn dieses Buch hat noch viel mehr als diese zu bieten. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Man muss eine Apfelsine schälen können...,
Rezension bezieht sich auf: Der Tod in Venedig. Novelle. (Taschenbuch)
Der alternde Schriftsteller Gustav von Aschenbach begibt sich auf eine Venedigreise, auf der er sich mehr und mehr für einen 14-jährigen Jungen interessiert. Aufgrund dieses Jungen bricht er die Reise auch trotz bestehender Seuchengefahr nicht ab. Er liebt Tadzio zu sehr, als dass er ihn verlassen könnte. Diese Thematik ist für eine Novelle durchaus ungewöhnlich, macht sie aber interessant.Der äußerst komplexe Satzbau wirkt auf den ersten Seiten eher abschreckend, doch man gewöhnt sich mit der Zeit an diese Perfektion. Um einen tieferen Einblick in das anspruchsvolle Werk Thomas Manns zu erhalten, muss man sich die Mühe machen und die Zeit nehmen, die Hintergründe zu erforschen, denn Kenntnisse vom Privatleben des Autors, Nietzsches Ansichten, der Freud'schen Psychoanalyse und der griechischen Mythologie sind sicher nicht vorauszusetzen. Alle genannten Aspekte hat der Autor aber in seine Novelle integriert, weshalb sich einem nach Bearbeitung der Kontextuierung das schriftstellerische Können Manns eröffnet, egal, ob einem die Novelle nun gefällt oder nicht. Alles in allem ist "Der Tod in Venedig" für die schulische Behandlung also durchaus empfehlenswert, da die Novelle eine Vielzahl an Möglichkeiten zur werkübergreifenden Arbeit bietet. Als private Lektüre sehe ich die Novelle eher als bedingt geeignet an, da die oben genannten Kenntnisse vorhanden sein müssen, um nicht schon nach den ersten Kapiteln wie der Ochs vorm Berg zu stehen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Meisterhafte Novelle,
Von Rolf Dobelli "getAbstract.de" (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (HALL OF FAME REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Der Tod in Venedig. Novelle. (Taschenbuch)
Mit Mitte 30 verfasste Thomas Mann diese Novelle, die vor autobiografischen Elementen geradezu strotzt. Er schildert das Verhängnis einer Künstlernatur, wie der Dichter selbst eine war. Dieser Künstler ist der Schriftsteller Gustav Aschenbach, den ein seltsames Fernweh zur Ferienreise nach Venedig lockt. Vor der Kulisse dieser Stadt des Verfalls entspinnt sich für Aschenbach eine ungeheuerliche Romanze - zu einem halbwüchsigen Knaben. Ganz der vergeistigte Romancier, vergöttert er den blondgelockten Jüngling als Ideal der Schönheit und als lebendig gewordenes Kunstwerk. Es dauert eine Weile, bis er sich eingesteht, dass er das Unvorstellbare für den Jungen empfindet: Liebe. Spätestens jetzt beginnt sein Abstieg, wird sein zuvor maßvolles und diszipliniertes Leben brüchig und endet schließlich in rauschhafter Verzückung - und dem Tod in Venedig. Thomas Mann stattete seine meisterhafte Novelle mit einem reichen mythologischen und ästhetischen Subtext aus. Die typisch Mannsche Künstlerproblematik, die Themen Tod, Verfall und Auseinanderbrechen bürgerlicher Wertmaßstäbe finden sich, wie so häufig im Werk des großen Dichters, auch hier.
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