"Ein unglaublicher Sumpf von Beziehungen und Abhängigkeiten....
eines Tages werden sie in Köln ein Wort dafür finden."
(Jasper Rodenkirchen, Magister und Physikus)
Der Physikus Rodenkirchen, der im Roman als Lichtgestalt von Vernunft und Aufklärung seiner Zeit weit voraus ist, beschreibt mit wenigen Worten die Zustände des Jahres 1260 in Deutschland im allgemeinen und der Stadt Köln im Besonderen. Dem Tod des letzten Stauferkönigs Konrad IV. folgte ein dreijähriges Interregnum. Unter Zurückdrängung der alten Stammesherzogtümer hatte sich der Kurfürstenstand etabliert, dem nun das Recht der Königswahl zukam. Da vier weltliche und drei geistliche Kurfürsten, die von den Königskandidaten Privilegien und politisches Mitspracherecht forderten, an einem schwachen Königtum interessiert waren, kam es 1257 zur Doppelwahl Alfons von Kastilien und Richards von Cornwall....
....einer jener kurfürstlichen Königsmacher, der Erzbischof von Köln, Konrad von Hohenstaden, unterdrückte zur Durchsetzung seiner Herrschaft das untereinander zerstrittene Kölner Stadtpatriziat, paktierte mit den aufstrebenden Zünften der Handwerker und spielte jeden gegen jeden aus...
Die von Beginn an spannende und realistische Handlung um den rothaarigen Bauernjungen Jakop und die Anfänge des Kölner Dombaues weist zwar manchmal ironische bis sarkastische Züge auf, macht den Leser jedoch auch nachdenklich. So stellt sich u. a. die Frage, ob der von einem korrupten Klerus forcierte Dombau tatsächlich ein "gottgefälliges Werk" ist. Daneben werden die Perversionen der "Kreuzzüge" und anderer "heiliger Kriege", besonders die damit verbundene Verrohung und der moralische Verfall einst durchaus edel gesinnter Zeitgenossen auf drastische Weise dokumentiert.
Da "der Teufel" jedoch im Detail steckt, weist der Roman leider neben einigen Anachronismen in direkter Rede seiner Akteure (z. B. Marionette, Memme, Papperlapapp, Schlamassel, Zwickmühle) auch einige historische Fehler auf. So gab es zu jener Zeit noch keine Hexenverbrennungen und das Skunk war in Europa noch unbekannt. Im römischen "Circus Maximus" wurde niemand den Löwen zum Fraß vorgeworfen (allenfalls im Colosseum), da es sich, wie man heute noch erkennen kann, um eine Rennstrecke handelt.
Ein Glossar und ein Stadtplan des 13. Jahrhunderts ergänzen den durchaus als "historisch" zu bezeichnenden Roman, der stellenweise sogar Thrillerqualitäten vorweisen kann. Trotz (oder gerade wegen) seine Lokalkolorits kann "Tod und Teufel" auch allen Lesern empfohlen werden, die nicht aus der Domstadt stammen. Es macht Lust auf Besichtigung des gotischen Bauwerkes und den "Kölschen Klüngel" vor Ort kennen zu lernen.
4 Amazonsterne.