Leider betreibt das Autorinnengespann von "Tod und Spiele" Ettiketenschwindel. Gut, es gibt zwar einen Mordfall zu lösen, aber der ist im Grunde nur Aufhänger für die seichten Liebeserlebnisse der beiden wahren Hauptfiguren, Illicia und Laelia. Silvanus, der den Mord untersucht, verliebt sich nämlich noch im ersten Kapitel in die Wirtstochter Laelia, und Marcus Antonius ist natürlich sofort hingerissen von ihrer Freundin Illicia. Alle verhalten sich wie liebeskranke Teenager. Die beiden immerhin bereits 24-jährigen Freundinnen (für damalige Verhältnisse schon fast im vorgerückten Alter) albern herum, schwärmen sich gegenseitig von ihrem Liebsten vor oder heulen sich die Augen aus, weil sie keine Zukunft für ihre Beziehung sehen. Marcus Antonius, DER Marcus Antonius, eiskalter Machtpolitiker und erfolgreicher Feldherr, Triumvir und Herrscher über den gesamten Osten des römischen Reiches, macht vor Illicia Hundeaugen und seufzt schmerzerfüllt "Ich weiß, es darf nicht sein, und doch, ich kann nichts dagegen tun." (S. 191), während Silvanus von Amors Pfeil getroffen Laelia ins Ohr säuselt "Ich bin unsterblich verliebt seit dem Augenblick, als ich dich zum ersten Mal sah. Ich habe so etwas noch nie erlebt. Aber dein Gang, deine Bewegungen, dein Körper ... Du bist so anders als andere Frauen, so anders als ... meine Frau." (S. 120). Oh Apollon, Gott der Dichtkunst, räche dieses Vergehen wider dem wehrlosen Leser!
Garniert wird das Ganze mit Bildern wie "Laelia atmete tief durch, was ihr duftiges Gewand in leichte den Körper hinabfließende Wellen verwandelte." (S. 115) oder "Ihre Augen, die ihn voller Sehnsucht ansahen, straften ihre Worte Lügen." (S. 192). Abgesehen von solchen schmalzigen Metaphern und den klischeehaften Charakteren ist der Schreibstil insgesamt einfach laienhaft. Statt so zu beschreiben, dass der Leser die Szene vor sich sieht, wird ihm zwischen den vielen Dialogen nur kurz mitgeteilt, was passiert - wirklich "gezeigt" wird es ihm nicht. Die genretypische Todsünde, dass Charaktere, die vor vielen Jahrhunderten gelebt haben, modern denken und handeln, darf natürlich auch nicht fehlen. Die Suche nach dem Mörder findet eher nebenher statt und ist genauso langweilig und vorhersehbar wie die Auflösung des Falles.
Ich freute mich auf einen historischen Krimi und bekam stattdessen eine fade Liebesschmonzette vorgesetzt - difficile est satiram non scribere!