Die junge Lehrerin Dora wird von ihrer Grundschule in Hamburg-St.Pauli in das südlich vor den Toren der Hansestadt gelegene Alte Land, ein bäuerlich geprägtes Obstanbaugebiet, versetzt. In Westerminnerkoop, einem kleinen Dorf, erwarten Dora provinzieller Mief, Klatsch und Tratsch und mißtrauische, zurückhaltende Menschen. Zu dem attraktiven Sven, einem mit dem Elternhaus verkrachten Obstbauernsohn, fühlt Nora sich hingezogen. Doch ausgerechnet er scheint nicht nur peripher in das dunkle Geheimnis verstrickt zu sein, welches die Dorfgemeinschaft unter einem Mantel des Schweigens verdrängt.
Warum reagieren alle Einwohner, besonders Sven, paralysiert oder aggressiv, wenn das Lied "A whiter shade of pale" von "Procul Harum" gespielt wird.......?
Den Spannungsbogen zur Auflösung der schrecklichen Ereignisse der Vergangenheit wird nur langsam aufgebaut. Und das ist gut so! Dem Leser bleibt dadurch genug Zeit und Aufmerksamkeit für die wunderbare Schilderung von Land und Leuten. Die herrlich frische und unverbrauchte Sprache der Autorin erzeugt außerordentlich stimmige Charakterbilder. Beispiel gefällig? Die aus Furcht und Ignoranz latent ausländerfeidliche Wirtin des Dorfgasthofs nennt sie eine ""Angstbeißerin"...
Fazit: Viele Menschen verbinden besondere Erinnerungen und Gefühle mit der Musik, die sie zur fraglichen Zeit gehört haben. Der Musikerin und Autorin Alexandra Kui gelingt es hervorragend, dieses Phänomen in "Tod an der Schleuse" zu thematisieren. Herausgekommen ist dabei ein ganz feines Buch, dessen Lektüre ich nicht nur Krimi-Fans wärmstens empfehlen möchte.