...oder: Auftitt Jim Chee... In "Tod der Maulwürfe" bekommt der Navajo-Polizist Jim Chee seinen ersten Großauftritt.
Die Handlung entwickelt sich allmählich, zunächst geht es um ein verschwundenes Kästchen mit mysteriösem Inhalt, nach dem Chee wohl nie weiter gefahndet hätte, wenn nicht der Eigentümer plötzlich sehr viel Geld springen ließe, um ihn von weiteren Nachforschungen abzuhalten. Und bald gibt es einen Mord, der mit dem verschwundenen Kästchen zusammenhängen muss; nun schwebt Chee selber in Lebensgefahr und ermittelt in einem Fall, dessen Anfänge über 40 Jahre zurückliegen. Es geht um Verstrickungen der Peyote-Sektenmitglieder und um den Clan der "Maulwürfe", um Uranbergbau im Navajo-Reservat, um einen Berufskiller und um einen "Hexer" -- und je tiefer Chee wühlt, um das Rätsel zu lösen, das mit dem Maulwurf-Clan zusammenhängt, desto Widersprüchlicheres fördert er zutage. Doch am Ende schickt er dem Hexer dessen Fluch zurück...
Hillerman erzählt diese Geschichte fesselnd und geschickt; man ahnt zwar etwas beim Lesen, aber um zu erfahren, wie die Dinge genau zusammenhängen, muss man sich schon an Jim Chee halten, einen jungen Navajo-Polizisten im Reservat, der bereits bei seinem ersten Auftritt eine sehr markante Persönlichkeit darstellt: Er ist tief in seiner Stammestradition verwurzelt, kennt aber auch die Welt der Weißen, die ihn dennoch immer wieder vor Rätsel stellt. Ein intelligenter Wanderer zwischen den Welten also, mit allerlei Schwächen, die ihn sympathisch machen.
So ganz nebenbei erteilt Hillerman also auch noch Landeskunde, und im Gegensatz zu manch anderen Krimi-Autoren kennt er das Milieu, in dem er seinen Krimi ansiedelt. Vor allem widersteht er der Versuchung, eine für uns fremde Welt nur als exotisches Versatzstück einzubauen -- ganz im Gegenteil: Hillerman macht die Welt der Navajos und Pueblo-Indianer zum unverzichtbaren Bestandteil der Handlung.
In den USA sind Tony Hillermans Ethno-Krimis, die zum größten Teil im weitläufigen Navajo-Reservat im Südwesten der USA spielen, Stammgast auf den Bestsellerlisten. Und schon nach dieser ersten Begegnung mit Jim Chee wünsche ich den deutschen Bestenlisten, dass auch sie möglichst oft von diesem illustren Gast beehrt werden. Hier gibt's nämlich nicht nur Spannung pur, sondern auch noch was zu entdecken.