Wieder ein guter Krimi, der alte Erinnerungen weckt. Ganz neue Einsichten in eine nach meiner Erinnerung eher beschauliche Stadt, die auf einmal zum Schauplatz internationaler Verwicklungen, Korruptionsaffairen und Waffenschieberei wird. Das faszinierende an diesem Plot ist, dass es (bis auf einige dichterische Übertreibungen) tatsächlich so laufen könnte.
Ein wie sich später herausstellt, argentinischer Marineoffizier, der den Bau der vier an Argentinien zu liefernden U-Boote überwacht, kommt - ausgerechnet - in der Nähe eine Nobelbordells gewaltsam zu Tode, auf eine Weise, die zunächst nach einem persönlich motivierten. Bevor die Kripo unter Leitung eines motivierten Staatsanwalts noch recht ermitteln kann, wird ihr der Fall wieder entzogen und auf die Bundesbehörden übertragen. Der einzige, der sich insgeheim weiter mit dem Fall befassen soll, ist Kriminalrat Lüder Lüders vom polizeilichen Staatsschutz, der einer anderen Dienststelle als die Kripo angehört. Dann eskalieren die Ereignisse. Eine Prostitierte, die mit dem Opfer in Kontakt stand wird brutal zusammengeschlagen. Der Staatsanwalt, der nicht so einfach klein bei geben will, wird vor den Augen von Frau und Kindern brutal hingerichtet. Die neue Mordkommission, die diesen Mord untersuchen soll, wird vom neuen Staatsanwalt eher ausgebremst, statt unterstützt. Auch Lüders, seine schwangere Frau und seine Kinder geraten ins Fadenkreuz der/ des Mörders.
Der Autor verwöhnt den Leser mit einer ganzen Reihe von Spuren und potentiellen Tatverdächtigen, die Lüders insgeheim "abarbeiten" muss. Das tut er mit Mut, Ruhe und Beharrlichkeit und der einzigen polizeilichen Unterstützung, die er bekommen kann: dem sog. "Obergefreitendienstweg" oder auch "Flurfunk", den keine noch so strikte Weisung einfach ausschalten kann.
Das Buch gibt einen guten Einblick in die Wirklichkeit der polizeilichen Ermittlungsarbeit, die eben aus dem Eliminieren bzw. dem Zusammentragen von Puzzlesteinen besteht. Der Leser dieses Krimis ist zu keinem Zeitpunkt klüger als der Protagonist was die Spannung bis zum überraschenden Ende hält. Der Autor hat einen sachlichen Stil, der mir persönlich sehr gut gefällt. Romantik, Sentimentalität, Erotik, Humor (außer einigen wohlgesetzten Sarkasmen) sucht man daher vergebens. Der Protogonist als typischer Dithmarscher passt sehr gut zu diesem Stil.
Nicht nur für Buten-, Binnen- und ehemalige Kieler ein sehr lesenswerter Krimi.