Ich habe das Buch vor mehr als zwei Jahren gekauft und es ist liegengeblieben. Bei ca 4000 Büchern ist das schon möglich, obwohl ich als Leseratte ein "System" habe. So las ich das Buch vor kurzem. Die Autorin war zu der Zeit 26 Jahre jung! Das sollte man bedenken.
Es geht um ein Verbrechen, das lange Schatten wirft, um eine Handlung auf mehrere Ebenen (hat mich besonders fasziniert).
Die junge Sascha, eine Künstlerin lebt mit ihren Mann mehr schlech als recht im "neuen Russland". Da wird ihr ein Bild zum Restaurieren gegeben, den dunklen Fleck kann sie aber nicht identifizieren, im Gegenteil, das Bild wird zerstört. Der Maler lebt noch, ist nicht besonders gut, er verkauft keine Bilder. Aber trotzden stehen seine Angehörige irdgendwem im Wege. Die Frau, der Sohn, die alte Tante, alle umgebracht.
Die Nachbarin hat eine schöne und anscheinend reiche Frau gesehen, die sich NUR für ein Bild interessierte.
Man kommt schnell dahin, dass es um Jahr 1976 geht, um eine wietgelegene Datscha, um einige junge Menschen, erste Liebe und eine spurlos verschwundene Frau. Warum will man 22 Jahre danach nach der Frau suchen? Die Antwort gibt das Buch, aber für mich noch mehr: die Gesellschaft ist stumpf, die Leute verkaufen für einige Dollar ein Bild und ein Menschenleben. Die bittere Armut wird nich mit Melancholie beschrieben, sie ist da. Jede Person im Buch wartet auf irgendwas, handelt unter dem Tisch. Die Warheit, auf die muss man sehr lange warten und sie bringt das Leben nicht zurück, fast hat man den Eindruck, es wird noch schlimmer, bevor es einmal besser wird. Postsozialismus ohne Gnade!
Ein super Thriller, ein Buch zum Nachdenken, eine Frage an junge Autorin: wie überlebt man in einem Land, dass seit 1914 eigentlich alles durchgemacht hat. Im Buch - mit viel Wodka, ohne Humor, im tristen Winter. Ein Schimmer am Ende gibt es aber.