Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Blixa Bargeld liest Nick Cave - dabei entsteht großes Kino für die Ohren (Hörbuch-Rezension), 19. Oktober 2009
Bunny Munro sieht gut aus, ist unheimlich cool und hat eine nachgerade hypnotisch-elektrisierende Wirkung auf Frauen. Leider hat Bunny Munro den uncoolsten Job der Welt; er ist Haustürvertreter für Kosmetikartikel. Dafür bringt ihm dieser Job jede Menge Gelegenheiten, reihenweise frustrierte Hausfrauen zu verführen. Und das mehrmals am Tag. Woche für Woche. Jahr für Jahr. Und es hätte noch ewig so weitergehen können.
Aber dann kommt der Tag, an dem Bunnys Frau die fortwährende Demütigung nicht mehr erträg und sich das Leben nimmt. Plötzlich sieht Bunny sich allein mit dem neunjährigen Bunny-Junior und weiss keine Antwort auf die Frage, wie es nun weitergehen soll.
Nichts ist mehr so, wie es war. Bunny entgleitet sein bisheriges Leben doch an dessen Stelle tritt kein neuer Entwurf. Verzweifelt versucht er, die Fäden seines alten Lebens aufzunehmen, doch nichts will mehr gelingen wie früher. Doch Bunny muss noch einen weiten Weg gehen, ehe er Vergebung und Erlösung findet.
Das klingt alles ein wenig sehr moralisch. Und vielleicht ist es das auch. Aber Bunnys Weg dorthin ist voll skurriler Episoden, sein Kosmos bevölkert von so verschrobenen, alkohol- und drogenumwölkten Typen, dass dieses Hörbuch immer wieder ein großer Spass ist. Und lange scheint es, als sei der kleine Bunny-Junior der einzig normale weit und breit.
Der HörVerlag hat sich dafür entschieden, Blixa Bargeld, den Sänger der Einstürzenden Neubauten diesen Roman seines früheren Weggefährten Nick Cave lesen zu lassen. Vielleicht eine mutige, auf jeden Fall aber eine goldrichtige Entscheidung. Er findet genau den richtigen Ton zwischen Coolness, Larmoyanz, Irrsinn und distanzierter Ironie, um zu jedem Zeitpunkt Herr des Geschehens zu sein, den Figuren Tiefe und Kontur zu geben und den Grat, der die Handlung von der moralinsauren Epistel trennt, nie zu überschreiten.
Großes Kino für die Ohren, unterhaltsam, tragisch, komisch, zotig, niederträchtig und rührend von der ersten bis zur letzten Minute.
|
|
|
14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Fast track, 6. Oktober 2009
Lange habe ich nicht mehr ein Buch so schnell gelesen, es geradezu verschlungen. Woran liegts. Natürlich kann Cave schreiben, das hat er in den Texten zu seiner Musik bewiesen. Das es auch ohne Drogen zu einem langen, in sich schlüssigen Text reicht, beweisst er mit diesem Buch. Der Inhalt wurde bereits beschrieben. Das alles wird sehr lakonisch erzählt, ein kleines Korrektiv stellt im Grunde nur der Sohn - Bunny Junior - da, der dem Leser immer mal wieder Raum zur Reflektion liefert. Dann nochmal die Geschwindigkeit, vor dem Tod der Frau ist es schon schnell, hier wird eben noch was gecheckt, dort noch eine verführt, danach nimmt es aber rasend Fahrt auf bis hin zum für mich überraschenden und in Teilen enttäuschendem Ende. Sehr schön wird die Figur skizziert, ich hatte immer gut ein Bild vor Augen, wie Bunny wohl gerade aussieht, wie seine Umstände sind. Es wird dankenswerter Weise darauf verzichtet, sülzige Küstenstädtchen zu beschreiben oder mehr von der Umgebung. Somit eine schöne Fokussierung auf den direkten und notwendigen Kontext, ein wenig Beiwerk, aber nicht zu viel. Ein guter Lesespass. Vier Sterne, weil es nicht wirklich herausragende, Leben verändernde Literatur, sondern in meinen Augen "nur" sehr, sehr gut gemachte Unterhaltung ist.
|
|
|
8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Sexbesessenheit und ein verkrachtes Leben, 15. November 2009
Bunny Munro ist eine ziemlich verkrachte Existenz. Er ist unterwegs in England, wo er lebt und als Vertreter für Kosmetikartikel Geld verdient und seine Tage verbringt. Mit Sex, Alkohol und Zigaretten vertreibt er sich die Zeit, während seine Frau zu Hause auf ihn wartet. Schon bald wird bekannt, dass sie depressiv ist, ----eine traurige Mitteilung, wenn man bedenkt, wie viele berühmte und unscheinbare Menschen daran kranken und auch sterben.
Bunny taxiert Frauen vor allem nach ihrer Verwertbarkeit für sein Sexbedürfnis. Dieses zusammen mit seinen anderen animalischen Triebbedürfnissen macht ihn zu einer armseligen Gestalt der Öde und der Leere.
Dann kommt er eines Tages nach Hause und seine Frau Libby hat sich umgebracht. In dem heftigen Durcheinander der Wohnung sitzt sein Sohn Bunny Junior und sieht fern!
Damit ist die Urszene des Buches vorgegeben: es handelt sich um ein psychisch und physisch abgewracktes Paar, das an den armseligen Bedingungen eines äußerst dürftigen Lebens herumlaboriert. Nach dem Tod von Libby steht den beiden Verlassenen, Vater und Sohn, ein trostloses Weiterleben bevor.
Durch das ganze Buch hindurch wird Bunny seine Sexfreuden, alleine oder mit vorübergehenden Partnerinnen, als Trost suchen, während Bunny Junior seine Zeit im Auto oder Hotelzimmern alleine verbringt. Nur teilweise komisch, wie es im Klappentext heißt, mehrheitlich aber traurig folgt man den beiden auf ihrem Weg, der heimatlos und entwurzelt erscheint. Freuden sind bescheiden angelegt: ein Essen zu zweit, Gespräche in Zweisamkeit und auf die Fragen des kleinen Bunny, z.B. warum er nicht wie andere Kinder zur Schule gehen darf, legt sich Munro eine Antwort nach seinen eigenen Bedürfnissen zurecht. Man gewinnt überhaupt den Eindruck, dass hier ein Egoist par excellence am Werke ist. Nur merkt er gar nicht, wie er selber nach und nach zugrunde geht. Die Leere bleibt durch das ganze Buch hindurch spürbar. Unter den verborgenen Strömungen dieser Lebensstrukturen spürt man die Hoffnungslosigkeit und eine Ergebenheit ins Schicksal, die einen schaudern lassen! Bunny wird und kann sich nicht wirklich zu einem beruhigten Leben aufraffen. Verstörend ist die Lektüre, wenn man nicht über die gelegentlich slapstickartig angelegten Ereignisse auch schmunzeln könnte.
Nick Cave ist ein erfolgreicher und berühmter Rockstar. Leben auf der Bühne kommt sicher dem Leben "on the road" nahe, so dass er aus dem eigenen Leben beim Verfassen des Romans geschöpft haben mag.
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|