Eberhard Mock, Kriminalrat und später Kriminaldirektor der Breslauer Kriminalpolizei, ist ein karrierebewußter Mann, der nach Hitlers Machtergreifung gezwungen ist seine Fahne nach dem neuen politischen Wind zu richten. So ist er auch mal bereit einen unschuldigen jüdischen Geschäftsmann wegen Mordes zu beschuldigen, weil dies die Gestapo in ihren propagandistischen Plänen unterstützt. Zudem setzt Mock alles daran seine angestrebten Ziele zu erreichen und schreckt dabei selbst vor Hilfsmitteln nicht zurück, die eigentlich für einen Polizeibeamten absolut tabu sein müßten.
Auch Mocks neuer Mitarbeiter, gerade aus Berlin nach Breslau versetzt, Kriminalassistent Herbert Anwaldt steht seinem Chef, wenn es um die Anwendung gesetzeswidriger Methoden zur Aufklärung eines Verbrechens geht in nichts nach. Der alkoholkranke Anwaldt hat zudem erhebliche private Probleme, die ihn in einem so großen Umfang psychisch zu belasten scheinen, daß es an ein Wunder grenzen mag, daß er seinen Beruf überhaupt noch ausüben kann.
Dennoch gehen beide Hauptdarsteller, Mock und Anwaldt, eine merkwürdige Symbiose ein die zueinander paßt und so zwielichtich beide auch erscheinen mögen kann der Leser sich einer gewissen Zuneigung gegenüber den beiden Männern nicht entziehen.
Dem polnischen Autor Krajewski gelingt es das Breslau der 30er Jahre auferstehen zu lassen und den Leser auf eine Zeitreise in die schlesische Metropole zu entführen. Ein toller Erzählstiel, mit vielen unterschiedlichen Handlungscharkteren durchsetzt, läßt das Lesevergnügen kurzweilig erscheinen.
Die Geschichte hingegen ist teilweise brutal und die eine oder andere Szene führt einem mit Schrecken vor Augen, zu welchen Handlungen Menschen fähig sein können. Zudem lassen die Methoden aller im Roman agierenden Behörden rechtsstaatliche Prinzipien nicht einmal ansatzweise erkennen. So gehört u.a. die Zusammenarbeit mit Verbrechern und Mördern hier zum Alltag.
Der Gesamtplot der Geschichte erscheint "weit hergeholt" und unrealistisch, doch ist durchaus dazu angetan die Fantasie spielen zu lassen.
Mein Fazit: Interessanter Tripp in eine brutale Vergangenheit.