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Es fällt mir reichlich schwer "Tochter der Schwäne" ( OT: Swan Maiden ) als einen historischen Roman anzusehen, wie er vom Verlag dargestellt wird. Denn dazu ist die Handlung irgendwie zu mystisch, vereinzelte Elemente zu übersinnlich.
Der Hauptcharakter Deirdre selbst, ist eine mysteriöse Figur, die nicht von dieser Welt scheint. Eine Druidin in Ausbildung, mit der Macht der animalischen Seelenbindung ( wie man es von indianischen, schamanischen Praktiken mit Totemtieren kennt ) und anderen übersinnlichen Fähigkeiten.
Wenn wundert's? Stammt die Erzählung doch aus dem berühmten Ulster-Zyklus des vorchristlichen Irland, welcher in der späten Eisenzeit ( genauer gesagt um das Geburtsjahr Christi herum ) angesiedelt ist. Mit in die Geschichte verwoben hat man auch die Motive der anderen Geschichten aus dem Zyklus.
Auch einen Touch "Die Schwanenprinzessin" kann ich erspüren. Sowohl der englische, als auch der deutsche Titel passen in doppeltem Sinne ( in direktem Bezug zum Tier, da die Heldin öfters eine Vogelmaske trägt und metaphorisch gesprochen in Verbindung mit dem Sprichwort "schöner Schwan" ).
Da ich nicht die Original-Legende kenne, kann ich auch nichts zur Adaption an sich sagen.
Nichtsdestotrotz finde ich die Story sehr interessant, weil sie u.a. auch einen kleinen ( oberflächlichen ) Einblick ins ( mögliche ) Leben der Kelten gibt.
Wobei die Story hier hauptsächlich von den Charakteren getragen wird und ihren Gedanken, sowie Emotionen ... und weniger von kriegerischen Handlungen. Eher ein Frauenroman also.
Reiht sich hervorragend in die Gruppe der historischen ( Fantasy- ) Romane weiblicher Autoren ein, wie z.B. der "Sevenwaters"-Saga oder gar dem berühmten "Avalon"-Zyklus ( obwohl dieser eigentlich unerreichbar auf seinem Gebiet ist ).
Aber am meisten hat die Story woh was von "Tristan & Isolde". Die Entwicklung der Liebesgeschichte ist allerdings glaubwürdiger geraten, den es ist eine wachsende und dadurch auch fundamental gefestigte Liebe ( welche ich besser finde, als die sonstigen hormongesteuerten wilden Liebeleien ... zu denen für mich auch "Romeo & Julia" zählen ).
Der geneigte Leser sei jedoch gewarnt, daß die Geschichte kein Happy End hat ( genauso wie die Sage keins hat ). Jedenfalls kein klassisches Märchen- Happy End à la "... und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende!" Das bittersüße Ende ist allerdings genügend versöhnlich, zumindest wenn man das übersinnliche Element berücksichtigt.
Man sollte auch die Tatsache akzeptieren, daß hier das Volk der Sídhe ( irische Feenwesen ) existiert. Diese kommen jedoch nicht vordergründig vor, sondern nur in Bezug zur Heldin und das auch nur in Form von flüchtigen Naturgeistern.
Das Buch ist mit seinen über 750 Seiten sehr dick, was allerdings nicht ungewöhnlich für Sagen-Adaptionen ist.
Vorne im Buch ist eine altmodische Karte von Nordirland ( Erin ) und Schottland ( Alba ) abgebildet.
Ebenso ein Register mit Personen, Orten und der Aussprache der Namen, sowie ein paar Begriffserklärungen ( z.B. zu den Festen im keltischen Jahreskreis ).
Die Coverillustration ist passend zum Untergenre, allerdings ist die abgebildete Frau nicht ganz korrekt in Bezug zum Aussehen der Heldin.
FAZIT:
Ein lesenswerter historischer Fantasyroman für Frauen.
PS:
Wer sich dafür interessiert, dem könnte ich auch folgende Bücher empfehlen ->
Flamme und Harfe ( Einzelband ) von Ruth Nestvold
Die Tochter der Wälder ( Sevenwaters-Saga ) von J. Marillier
Königskinder ( Unter dem Nordstern ) von J. Marillier
Tam Lin von Janet McNaughton
Die Nebel von Avalon ( Avalon-Zyklus ) von MZ Bradley
Beltaine ( Einzelband ) von Chrismegan