Leiser Jubel. Doch. Nach längerem Warten wieder ein Rei Shimura-Krimi, der an die frühen, gut recherchierten und kulturell sehr lerreichen Werke der Reihe von Sujata Massey heranreicht. Nach Marken-Exzessen und einer fast schon James-Bond-angehauchten Story im Band "Der japanische Liebhaber" (welcher mich sehr entäuscht hatte) nun wieder 'Back to the roots' - und zwar in mehrerlei Hinsicht.
Einmal, und hier sei nicht zuviel verraten, spielt ein guter Teil der Handlung wieder in Japan, auch wenn sich zuspitzende Ereignisse einmal mehr eine Ausweisung Rei Shimuras nach sich ziehen.
Andererseits kommt Sujata Massey wieder zu dem zurück, was mich in den frühen Bänden der Reihe begeistert hat: das Ausleuchten kultureller, teils auch unbequemer Themen und ihre elegante Einbettung in Handlung und japanischen Alltag. Besonderes Lob im Falle von "Die Tochter des Samurai" für den Mut, ein Thema wie Japans 'Trostfrauen' aus der Besatzungszeit und die verschiedenen Einstellungen zum Thema Nationalismus und dem Umgang mit der eigenen Geschichte auszuloten. Dies geschickt und quasi-lehrreich in einen Popkorn-Krimi zu verpacken - mein Respekt, und die Hoffnung auf mehr davon.
Allerdings muss ich mich meinem Vor-Rezensenten anschließen: was Piper geritten hat, die Handlung der Gesamtreihe durch das Auslassen oder Überspringen des siebten Bandes ziemlich holprig zu gestalten, ist mir ebenfalls ein Rätsel? Denn die Handlung im vorliegenden Band setzt wie mit einem totalen Bruch zu "Der japanische Liebhaber" an, wirkt sehr holperig. Gut, man liest sich schnell ein, aber es fällt auf und verwirrt zunächst. Die gut recherchierte Story entschädigt zwar, dennoch wird die Gesamthandlung der Reihe dadurch unnötig gebrochen, was m. E. schade ist. Ebenfalls befremdlich: das Bild auf dem Titel der deutschen Ausgabe? Klischee? Na ja.
Alles in allem gebe ich "Die Tochter des Samurai" aber enthusiastische 4 Sterne. Ein Meilenstein der (Krimi-)Literatur ist der Band sicherlich nicht, es ist leichte Kost, die die sich gut herunterlesen lässt. Aber Sujata Massey zeigt endlich wieder, was sie kann und was m. E. diese Reihe ausmacht. 3 Sterne wären mir da, auch gemessen an den ziemlich seichten Vorbänden, zu wenig. Oishi!