Tochter der Insel
Von Jutta Oltmanns
Dieses Buch konnte ich nicht mehr aus der Hand legen. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite zog es mich sofort in seinen Bann. Lea und Rebecca, Zwillinge, führen ein karges Leben auf Wangerooge und leiden unter ihrer herrischen Großmutter. Die Geschichte beginnt im Juli 1852. Rebecca wandert nach Amerika aus, um der Insel und der vermeintlichen Oma zu entkommen. Lea, die Hauptfigur des Romans beschließt, nach dem Tod der Großmutter, ihrer Schwester nachzureisen und es ihr gleich zu tun. Sie vermisst Rebecca sehr und als auch noch Ihre Jugendliebe Immo mit einer anderen Frau zusammen ist, hält Lea nichts mehr auf der Insel. Sie erlebt eine Menge auf Ihrer Reise und wächst mit den Aufgaben. Tatsächlich schafft sie es, in Amerika anzukommen und macht sich auf den beschwerlichen Weg in die Prärie, wo sie Rebecca zu finden glaubt.
Die Handlungsstränge im Buch geben dem Leser einen Eindruck davon, was die Auswanderung nach Amerika früher bedeutete. Den Schritt in die neue Welt zu wagen, erforderte großen Mut, insbesondere von Frauen.
Unverheiratete Frauen waren oftmals schutzlos den Machenschaften anderer ausgesetzt, das spürt auch Lea am eigenen Leib.
Das Thema "Sklaverei" wird gestreift, kommt im Roman jedoch lediglich in Andeutungen vor, es hätte den Rahmen der Handlung gänzlich gesprengt.
Besonders hervorzuheben ist wieder einmal die großartige Sprache von Jutta Oltmanns, die es wie kaum eine andere vermag, in Bildern zu erzählen. Ich habe beim Lesen das Salz des Meeres geschmeckt, Sonnenuntergänge auf Wangerooge gesehen, in der Prärie auf einem Wagen gesessen, Bohnen aus einem Eisentopf gegessen, stinkende und spuckende Männer gesehen, in einem Saloon Karten gespielt und auf eine Schlange geschossen.
Schade nur, dass das Ende des Buches so gar nicht zum Anfang und zum Höhepunkt der Geschichte passen will. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass eine grandiose Autorin vom Verlag in eine Richtung gelenkt wurde in die sie, die Handlung betreffend, nicht wollte. Was wieder mal zeigt, dass der Autor selbst die Fäden der Handlung in der Hand behalten MUSS.
Dennoch: Frau Oltmanns hat wieder "abgeliefert" und es gibt nichts dran zu rütteln. Es ist, in jeder Hinsicht, ein lesenwertes Buch!!! Empfehlenswert.