Also das ist jetzt eine Überraschung. Nie hätte ich gedacht, dass gerade DIESES Buch meine neue Nr. 1 bei den Star Trek-Romanen wird - ausgerechnet mit Sulu in der Hauptrolle! Denn mit dem Captain ist keineswegs Kirk gemeint - nein, es ist Captain Sulu von der U.S.S. Excelsior. Wir erinnern uns an den 7. Kinofilm: Ganz am Anfang des Films wurde uns Demora Sulu vorgestellt, Hikaru Sulus Tochter, die genau wie früher ihr Vater am Steuer der Enterprise (B) sitzt. Der Roman beginnt mit einer Tragödie: 5 Monate nach dem Start der Enterprise verwandelt sich Demora auf einer Außenmission urplötzlich in eine reißende Bestie und wird in Notwehr von ihrem Captain John Harriman erschossen. Der trauernde Sulu kann die rätselhaften Umstände von Demoras Tod nicht akzeptieren und macht sich mit der Excelsior verbotenerweise auf den Weg zu dem Planeten, auf dem seine Tochter ums Leben kam...
Das klingt jetzt alles sehr dramatisch und deprimierend, aber die meiste Zeit über ist der Roman von einer wunderbaren Leichtigkeit geprägt. Wir erfahren in Rückblenden, wie Hikaru überhaupt zu seiner Tochter kam, später erleben wir Demoras Kindheit und Jugend. Das ist alles so abgedreht, abenteuerlich und urkomisch beschrieben, dass ich beim Lesen nicht nur schmunzeln, sondern oft auch laut lachen musste. Der Autor Peter David versteht es hervorragend, die Ereignisse der Serien und der Filme nahtlos in den Roman einzufügen, so dass zumindest mir keine Ungereimtheiten auffielen (na gut, eine: Chekov ist KEIN Rechtshänder). Wir erleben z.B. aus Demoras Sicht, wie es auf der Erde war, als die seltsame Sonde auf der Suche nach Buckelwalen für chaotische Zustände sorgte. Und wie es sich für einen guten Roman gehört, sind die Charaktere ganz wunderbar und sehr lebendig beschrieben, ich konnte mir alles so richtig gut vorstellen. Neben Sulu haben mit Chekov, Uhura und Janice Rand noch drei weitere "Stiefkinder" der Classic-Serie einen größeren Auftritt, während Kirk und Spock, die üblichen Helden, gar nicht dabei sind (okay, Kirk hat einen winzigen Auftritt, der sich in zwei Sätzen erschöpft). Und das Schöne ist, dass man die beiden auch überhaupt nicht vermisst, dafür gibt es in diesem Roman ganz eigene Highlights: Sulus ziemlich schräge Begegnung mit Demoras mysteriöser Mutter, seine für ihn vollkommen überraschende Vaterschaft, ein durchgeknallter Bösewicht, ein faschistisch anmutender Starfleet-Admiral, eine Horde mordlustiger Klone, die irgendwie an Szenen aus alten trashigen Zombiefilmen erinnern, und natürlich das denkwürdige Scharmützel zwischen der Excelsior und der Enterprise! Das Beste sind aber die tollen Dialoge und Charakterisierungen, allen voran natürlich die von Hikaru und Demora. Peter David bringt es aber sogar fertig, den schon im 7. Film nicht gerade souverän wirkenden Captain John "Das bekommen wir erst am Dienstag" Harriman am Ende noch sympathisch rüberzubringen, und dass obwohl dieser Demora erschießt!
Fazit: Ein ungewöhnlicher, toll geschriebener Star Trek-Roman voller überraschender Ideen und einer perfekten Mischung aus Tragik und Komik - große Klasse!