Aus der Amazon.de-Redaktion
Für viele Popmusik-Zyniker läßt sich das Wörtchen "Übermaß" in drei Dingen zum Ausdruck bringen: Livealben, Doppel-CDs und Werke von Tori Amos. Zum Teufel, To Venus and Back erfüllt alle diese Bedingungen. Aber vielleicht versucht Amos nur zu beweisen, was wir immer schon geahnt hatten: Ihre Muse besitzt einen schlauen und ironischen Humor. Verzweifelt versucht sie uns zuzuzwinkern, derweil Tori ihren betörenden Sturm- und Drang-Cocktail aus Verzweiflung und Angstphantasien zusammenmixt. Es gibt neckende Momente in diesem Doppelpack von Toris geliebter melodisch-mystischer Dramaturgie, die diese Ahnung bestätigen. Man findet sie sogar auf der Eröffnungs-CD mit ihren neuen, mitreißenden Studioaufnahmen. Einen Song mit "Glory of the 80's" zu betiteln, ist schon komisch genug, aber sich danach zu sehnen, als Kim Carnes geklont zu werden, ist schlichtweg genial. Amos´ Musik ist im Vergleich zu Kate Bushs Dornröschen-Mystik, was Mark McGwire für Roger Maris war; mit ihren Liedern hat sie ihr eigenes Image geprägt. Nachdem Bush karrieremäßig in den späten 80ern ein wenig eingeschlafen war, stieg Amos kühn in den Ring und legte ein Werk vor, daß ernstgenommen werden wollte, auch wenn die Second Hand-Schickeria sich über ihren Ehrgeiz und ihre schamlose Impertinenz schieflachen wollte. Jetzt ist ihnen das Lachen vergangen; in der Tat wird es viele geben, die Venus mit herrlich-schaurigen Schuldgefühlen anhören werden. Amos-Anhänger haben schon seit langem behauptet, daß der Schlüssel ihrer Faszination in ihren Liveauftritten läge. Diese Behauptung wird durch die zweite CD untermauert: Amos gurrt, schreit und trällert sich durch ein Set voller Hits. Ihre exzellente, leider unterbelichtete Band folgt ihr in jeder Nuance und jedem Phrasenwechsel. Zyniker werden dem Mars zugerechnet; Tori aber ist von der Venus -- dies Universum ist ihr zuhause. --Jerry McCulley
SCALA (6/99)
Das erste offizielle Live-Album und der neue Studio-Longplayer der charismatischen US-Sängerin auf einen Schlag. Tori-Fans sollten sofort zugreifen, auch wenn sie zuweilen etwas härter und "industrieller" rockt. Ihr instinktives Gespür für herrliche Melodien kommt in Songs wie "Concertina", ihr Faible für düstere Gewaltszenen in "Juarez" zum Tragen. Mehr Reife bedeutet bei Amos nicht mehr Langeweile. Noch mehr Freude bereitet die Live-Scheibe: So kraft- und hingebungsvoll kam Tori noch nie.
©Scala, Lothar Brandt
SPEX
Kate Bush ist wieder da. Sie heißt jetzt Tori Amos und ist mehrere Stufen schlauer geworden. @Normal:Echt? Noch schlauer als damals, als sie noch Kate Bush hieß? Die ja schon so schlau war, dass es keiner gemerkt hat? So schlau, allein auszubaden, was seit der Hysterie an komplizierten, unsichtbaren Frauen-Geisteskrankheiten erfunden wurde, damit wir uns raushalten können (wg. krankgeschrieben) aus dem vernünftigen Wahnsinn der restlichen Gesellschaft? Das erste Wort auf dieser Schnulzen- und Kiekserplatte ist »Father«. Die Frau, die singt, hat rote Haare, die Stimmung pendelt zwischen »Lust« (ein Songtitel), »Bliss« (ein anderer Songtitel) und, äh...:»Suede« (ein weiterer Songtitel). Die bei Amos obligatorische Inszenierung von Verstrahltheit, female Sonnenfinsternis und Singsang-Süße funktioniert auf »To Venus and Back« so, wie wenn rot- und blondhaarige Hexen unter Führung von Stevie Nicks sich in Stonehenge mit ein paar Produzentengenies treffen, dort einen magischen Zirkel bilden, sich bei den Ärmeln der weiten Kleider fassen und dann anfangen, den Mond anzujaulen. Was bei dieser Beschreibung noch fehlt, ist, dass das alles UNTER WASSER passiert, wie in einer Geschichte von Lucy Taylor, »The Family Underwater«, wo ein Mädchen mit seiner Familie (including »Father«) in einem Haus lebt, das sich plötzlich mit Wasser füllt, woraufhin alle verblüfft feststellen, dass sie trotzdem atmen können. Vage, aufreizend, spinnert. Mein Urteil: Sehr gut, beinahe vollkommen. Da werden die diversen Prinzen wieder Schlange stehen, bei so einem Dornröschen. Madonna ist für sowas schon seit jeher zu vernünftig, PJ Harvey bleibt verschollen, Alanis ist langweilig geworden, die einzig ernstzunehmende Konkurrenz Björk hat Tori eigentlich nur noch die unheimlichen Gesichtszüge voraus. Es wird spannend. ©SPEX
HIFI Test (9/99)
(Studio-CD)"From The Choirgirl Hotel", Tori Amos´ letztes Album, war schwere, von einer Fehlgeburt geprägte Kost. Inzwischen ist die eigenwillige Sängerin und Pianistin glücklich verheiratet, lebt - wenn sie nicht tourt - im idyllischen wie mystischen Cornwall und ist mit ihrer Liveband zu einer packenden Einheit verschmolzen. So ist es zu verstehen, daß aus ein paar neuen Stücken als Bonus zu einer Live-CDein komplettes Studioalbum geworden ist. Die (bösen) Geister der Nacht haben sie noch nicht losgelassen, trotzdem betört das Album mit einer so von Tori noch nie gehörten Leichtigkeit und Transparenz. Programming und Loops sind Teil der Bandperformance, die Tori Amos in andere Sphären trägt. (ab 20.9. in den Läden)Von der Muse geküßt präsentiert die Amos eine kombinierte Live- und Studio-CD
© ; HIFI-Test - Detlev Kinsler
Produktbeschreibungen
Disc 1BlissJurezConcertinaGlory of the 80sLustSuedeJosephineRiot poofDaturaSpring haze1000 oceansDisc 2Precious thingCruelCornflake GirlBells for herGirlCoolingMr. ZebraCloud on my tongileSugarLittle earthquakesSpace dogWaitressPurple People