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Mehr strukturelle und emotionale Tristesse? Okay. "Look Of Joy'. Schön ironischer Titel. Besonders fröhlich klingt die neue Veranda Music beim besten Willen nicht. Eher nach reifer, abgeklärter Melancholie, keine naive Sentimentalität, aber auch keine geschmacklichen Entgleisungen würdelosen Alterns. Nicht, dass noch mal jemand behauptet, trauriger deutscher Indie sei zwangsläufig entweder halbstarker Tristpop unreifer Jungspunde oder altbackener Soundtrack für piefige Quartalssäufer-Jazz-Kneipen. Größtenteils akustisch aufgenommen, pendeln die zehn Songs - zum Teil Coverversionen wie "Shake The Disease' (die das Original beinahe übertrifft) von Depeche Mode und "Hey' von den Pixies - stilistisch zwischen Singer/Songwriterstuff, Country/Western und Folk. Die sparsamen Gitarrenakkorde, untermalt vom leisen Piano im Hintergrund, bilden den einfachen, aber nie einfältigen harmonischen Untergrund, auf dem Sänger Nicolai von Schweder-Schreiner seinen Schmerz ausbreiten kann. Immer etwas brüchig, mutlos, klagend, doch nie aufgesetzt verzweifelt oder selbstmitleidig. Große Gefühle, große Hooks, große Songdramaturgie - große Platte. Und doch immer angenehm zurückhaltend und auf höflichen Abstand zum Hörer bedacht. VÖ: 04.02.02
Till Stoppenhagen / Intro - Musik & so
mehr unter www.intro.de -- INTRO
Nachdem auch diese Chance von der deutschen Musikpresse vertan wurde, gehen Erhard & Missouri zunächst wieder getrennte Wege und das Trio Missouri kommt dabei mit "To The Darkened Corners Here We Go" als erste wieder aus den Starlöchern. "In My Eyes The Singer Must Suffer" heißt der erste Song der CD und die Band demonstriert über etwa 35 Minuten, was sie darunter versteht, dass wahre Kunst nur aus dem Leid entstehen kann.
Die Stimmung der Songs wechselt zwischen melancholischer Rückerinnerung ("I'm Still A Good Rider", "Oh Pa"), Hoffnungslosigkeit ("Small And Crowded World Blues (It's Alright)"), deprimierenden Einsichten ("Bars United") und Schuldzuweisungen an die Welt ("Stand Up, Comedian"). Musikalisch dominieren bei dieser Platte die Tasteninstrumente (Rhodes, Orgel, Harmonium und Klavier), die aber auch nur sparsam eingesetzt werden, und ein Tempo leicht oberhalb von Bohren And The Club of Gore; im Gegensatz zum 2000er-Debüt "It's A Glow-In-The-Dark Good Time" sind diesmal auch dezente Schlagzeug-Beats zu hören.
Spätestens damit sollte klar sein, dass die Platte nichts für schlichte Konsumenten ist. Einen Höhepunkt hat die Scheibe aber doch; das 8-minütige, im Aufbau an "We Will Fall" von der ersten Stooges LP erinnernde, düster anklagende "Stand Up, Comedian". "Enlighten my soul / with songs about love" singt Red (und hier könnte man natürlich eine Nähe zum Gospel vermuten) und das wäre der Band wirklich zu wünschen (Man erinnert sich: "Sad Songs Are All I Know"), so aber wird der Hörer mit der psychedelischen Soundcollage "An Ending After All That Time" und dem zumindest musikalisch etwas entspannenderen "Snakes And Goats" in die Dunkelheit entlassen. Und getreu der Zeile "The music I suffer from / it cannot be healed" (aus "Oh Pa") können wir eigentlich sicher sein, dass Missouri uns auch mit der nächsten Scheibe eher kathartischen "Genuss" denn schlichte Unterhaltungsmusik bereiten werden.
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