Es spricht nicht gerade von Mut, Kreativität und Vielseitigkeit wenn eine Sängerin im Jahre 2010 das x-te Album mit Standarts veröffentlicht. Noch dazu das 3. "A Tribute to...", vor allem weil sie im Grunde schon selbst so ein Tribut-Album wert wäre, da sie ja schon so lange dabei ist...wäre da nicht dieser abgefrühstückte Gute-Laune-Power-Swing-Sound wie z.B. bei "All of me" von ihr. Ich kann mich auch nicht erinnern, das Billie Holiday irgendwelche Aufnahmen mit Swing-Nummern hat. Sie hat eher Balladen gesungen (oder auch sozialkritische Songs wie z.B. Strange Fruit - berühmt für ihre scharfe Interpretation des eindringlichen Textes! ) und war doch berühmt und geliebt dafür, dass ihre Stimme eine unbegreifliche Verletzlichkeit, eine "Bitterness" und eine "natürliche" Traurigkeit vorwies, die meines Achtens keine Sängerin heutzutage auszudrücken vermag. Ein aufwendiges, elegantes Cover mit der berühmten Blume im Haar, das ja zu Lady Days Erscheinungsbild gehört hat, sieht hier leider genauso künstlich und erzwungen aus wie der Sound von Mrs. Bridgewater auf diesem Album. Für eine routinierte Sängerin ist es nun mal keine große Kunst, Standarts zu singen und dabei das markante Vibrato der Lady Day nachzuahmen. Schade, dass sie ihr Publikum für etwas Blöde hält, denn den Vergleich zu Lady Day hält sie ungefähr genauso stand wie die Butter in der heißen Pfanne. Wer keine Einfälle hat, muss doch nicht unbedingt trotzdem singen oder jemanden kopieren! Und sie sollte ihren eigenen Sound verfolgen. Das lernt man als Sängerin doch gleich zu Anfang. Und von individueller Interpretation zu sprechen wäre einfach nur eine Entschuldigung für das was ihr in diesem Album fehlt: Fantasie. Wenn jemand eine Ballade, die Mrs. Holliday gesungen hat, zu einer Swing-Nummer macht, dann könnte sich dieser Standart, der mit einer großen Wahrscheinlichkeit auch von einigen anderen Sängerinnen interpretiert wurde, genauso gut eine Huldigung einer völlig anderen Sängerin sein. Was mir persönlich fehlt, ist einfach der wahre Bezug zu Mrs. Holiday. Wenn sie versucht hätte, jedem der Songs auf IHRE ART diese Tristesse und diese unausgesprochene Wut und Enttäuschung, die Mrs. Holiday so oft in der Stimme trug, rüberzubringen, dann würde ich ihr dieses Werk im wahrsten Sinne des Wortes abkaufen.