Deutscher Titel: Der Untergang der Titanic. Originaltitel: Titanic
Produktionsland: USA. Premiere: 1953
Mit:
Fiktive Personen:
Familie Sturges: Clifton Webb (Richard Sturges - Vater), Barbara Stanwyck (Julia Sturges - Mutter), Audrey Dalton (Annette Sturges - Tochter), Harper Carter (Norman Sturges - Sohn)
Robert Wagner (Student Gifford Rogers), Thelma Ritter (Maude Young), Richard Basehart (suspendierter katholischer Priester und Alkoholiker George Healey), Allyn Joslyn (Earl Meeker, der sich feige verkleidet ins Boot mit den Frauen rettete) u. A.
Historische Personen: Brian Aherne (Schiffskapitän Edward John Smith, der beim Unglück verstarb), Edmund Purdom (in seinem Kinofilm-Debüt als zweiter Offizier Charles Lightoller, der überlebte, sich jedoch im Einsatz vorbildlich verhielt), Barry Bernard (erster Offizier William M. Murdoch, der beim Unglück verstarb), Charles B. Fitzsimons (Leitender Offizier Henry T. Wilde, der beim Unglück verstarb), Ashley Cowan (Funker Jack Phillips, der beim Unglück verstarb, weil er sich zu lange im eiskalten Wasser befand), Dennis Frazer (Funker Harold Bride, der überlebte) u. A.
(Das endgültige Schicksal der hier angeführten, historischen Personen wird im Film visuell nicht dargestellt)
Regie: Jean Negulesco
Drehbuch: Charles Bracket, Richard Breen und Walter Reisch (Oscar)
Szenenbild: Maurice Ransford und Lyle R. Wheeler (Oscar-Nominierung)
Genre: Katastrophenfilm > Historienfilm
Auszeichnungen: Oscar für bestes Original-Drehbuch
Nominierungen: Oscar-Nominierung für das beste Szenenbild
Es war ein Sonntag.
Das Passagierschiff Titanic sank auf seiner Jungfernfahrt in der Nacht vom 14. auf den 15. April, 1912 im Nordatlantik. Insgesamt waren an Bord etwa 2200 Menschen (1300 Passagiere und 900 Besatzungsmitglieder). Die Opferzahl der Getöteten beträgt um 1500 Menschen. Etwa 700 konnten sich in Booten retten. Es waren insgesamt zu wenige Rettungsboote vorhanden. Das Wasser war zu kalt, als dass man sich in ihm hätte schwimmend retten können.
Für die Tragödie gibt es mehrere Ursachen, hauptsächlich die folgenden drei:
a.) die viel zu hohe Geschwindigkeit des Schiffes in enem gefährlichen Gewässer mit Eisbergen.
b.) Den Funk-Dienst übten zwei junge Funker aus, die sich schichtweise abwechselten. Sie hießen Jack Phillips und Harold Bride. Sie waren keine Angestellten der Reederei, sondern der drahtlosen Telegraphen-Firma Marconi. Das Funksystem am Schiff war neu und die Funkwarnungen anderer Schiffe in der Region über die Häufigkeit von schwimmenden Eisbergen wurden nicht streng genug aufgenommen und gewertet, so dass man lediglich von der potenziellen Gefahr eines Eisberges ausging. Am 14. April ergingen an die Funkzentrale mindestens acht Eiswarnungen von anderen Schiffen und Funkstationen. Sie wurden seitens der beiden mit See-Problemen unerfahrenen Funker eigenmächtig verharmlost und ignoriert. Die Funker haben dem Funkverkehr privater Nachrichten der Passagiere ans Festland Priorität gewährt, anstatt demjenigen der Eiswarnungen. Aus diesem Grund wurde der Kapitän nicht korrekt über die Häufigkeit der Eisberge informiert und besaß keine korrekte Einsicht über die tatsächliche Lage. In Wirklichkeit wimmelte in jener Phase das Meer von Eisbergen.
c.) Die zwei Ausgucker am Beobachtungspunkt besaßen keine Ferngläser und mussten sich in der Nacht auf ihre Augen verlassen, was sich negativ auswirkte auf die rechtzeitige Sichtung des Eisbergs.
Der Film des Meisterregisseurs Jean Negulesco bestitzt ganz große Routine. In ihm ist die Ausgewogenheit zwischen dem Schicksal einer Einzelfamilie und dem Schiffsunglück perfekt. In der exemplarischen Begleitung der zerrütteten Familie in deren schneidigen Dialogen wird der Zuschauer behutsam geführt zur ultimativen Steigerung im Überlebenskampf.
Barbara Stanwyck um die 45 Jahre alt, schön und würdevoll, spielt ihre Rolle der verantwortungsbewußten Mutter in gediegener und verlässlicher Routine.
Glänzen jedoch tut überraschender Weise Clifton Webb (damals etwa 63 Jahre alt), bei dessen Performance man über seine schauspielerische Stärke staunt. Obwohl er das Gegenteil eines Männlichkeitsidols verkörpert, so spielt er seinen Charakter glaubwürdig und solide bis zum untergehenden Schluß und überbietet sich selbst in der Rolle eines kühlen, logisch agierenden Mannes, dessen Sätzen im Zuge der Rettungsmaßnahmen nicht widersprochen werden kann.
Die zarte Liebesgeschichte zwischen der reizenden Tochter Audrey Dalton und Robert Wagner fügt sich in die Geschichte harmonisch ein.
Das Unglück beginnt im Film ab Minute 65. Daher ist es klar, dass sich die ersten zwei Drittel des Filmes mit den Schicksalen der Menschen beschäftigen. Die Charaktere der Besatzung und Passagiere werden gezeigt, die Beziehungen aufgebaut und verdeutlicht. Die Haupthandlung konzentriert sich auf die Familie Sturges. Hier erweist sich das Drehbuch tatsächlich als oscarwürdig. Die Dialoge zwischen den Familienmitgliedern sind stark, nicht allzulang, aber treffend und für den Zuschauer einprägsam. Die dialogische Dramaturgie erlangt hier eine hohe Güte und cineastische Qualität. Je mehr sich die Dramatik der Beziehung um Barbara Stanwyck und Clifton Webb verdichtet, umso ergreifender wird die Auseinandersetzung während der Rettung. Hier gewinnt der Film in den Schauspielern seinen großen, bewegenden und unvergesslichen Eindruck.
Dabei ist es klar, dass das Budget nicht ausreichte, um das Schiff im Ganzen zu zeigen, wie es wirklich war. Sparsamkeit in den äußeren Ausmaßen kennzeichnet diese Filmproduktion. Umso mehr ist das Resultat zu loben. Es gelang ein Balanceakt zwischen optischer Atmosphäre und starker Darstellung, welcher gemäß der Produktionszeit angemessen ist. Nicht umsonst wurde die technische Umsetzung des Szenenbildes für einen Oscar nominiert.
In nachhaltiger Erinnerung bleibt der Auftritt von Edmund Purdom als zweiter Offizier, der bis dahin in Theatern und etwa vier bis fünf TV-Produktionen auftrat. Obwohl er im Vorspann namentlich nicht erwähnt wird, so spielt er in seinen relativ kurzen Szenen eine ganz wesentliche Rolle für den Film. Er ist der gewissenhafte Faktor, der die potenzielle Gefahr ernstnimmt, im Gegensatz zu den Übrigen. Markant ist die Szene, als er couragiert in den Gottesdienst tritt, um sich beim Kapitän über die ungewöhnliche Fahrtbeschleunigung zu erkundigen. Seine berechtigte Skepsis und Hinterfragung der eingelangten Daten deutet an, dass er recht hatte.
1954 wurde der Schauspieler mit dem Monumentalfilm "Sinuhe der Ägypter" ein großer Star.
Auch in diesem Film spielt die Kapelle von acht Musikern zur Beruhigung Lieder bis zum Ende. Alle Musiker kamen um.
Ein sehr sehenswürdiger Film und für seine beschränkten technischen Möglichkeiten ein Meisterwerk.