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4.0 von 5 Sternen
Große Musik für ein großes Schiff, 25. März 2001
Von Ein Kunde
Im allgemeinen Titanic-Rausch ist der Riesendampfer auch am Broadway eingelaufen. Anders als sein Vorbild hat das Musical "Titanic" allerdings nicht auf der Jungfernfahrt Schiffbruch erlitten, sondern schipperte einigermaß= en erfolgreich dahin und wurde 1997 sogar mit 5 Tony Awards ausgezeichnet, unter anderem als Bestes Musical.
Anders als im bekannten Film steht hier nicht die Geschichte von ersonen im Vordergrund, sondern das Schiff selber. Seine Besatzung wird durch einige Repräsentanten vertreten, Besatzung, Besitzer, erste, zweite und dritte Klasse stellen jeweils ein paar Figuren, von denen allerdings keine eine Leading Role übernimmt.
Im Prolog des Stückes trifft man Thomas Andrews, den Erbauer der Titanic, der darüber siniert, das die Titanic das großartigste Menschenwerk seiner Zeit ist, vergleichbar mit den ägyptischen Pyramiden oder der chinesischen Mauer. Entsprechend bedeutungsschwanger ist die Musik. Gewaltiger Orchesterklang, der Andrews Übermut und die Größe seiner Vision ausdrückt. In der nächsten Szene befindet man sich schon auf der Titanic und erlebt, wie sie von den Passagieren sowie der Besatzung bewundert und bezogen wird. Dies drückt sich aus in den Stücken How did they build Titanic?", "There she is" und "I must get on that ship". Die Musik drückt Bewunderung und Unglauben aus, gepaart mit dem Verlangen, bei der Jungfernfahrt dabei zu sein. Erste Bekanntschaften werden gemacht und einige weitere Charaktere eingeführt. Dann wird die musikalische Entwicklung kurz unterbrochen, um die Passagiere der ersten Klasse vorzustellen. Musikalisch geschieht dies in Form einer eingebildeten Dame, die mit spitzen Tönen die neuesten Gerüchte verbreitet. Mit "Goodspeed Titanic" wird die Folge der vorangegangenen Lieder fortgesetzt und erreicht ihren Höhepunkt. Ungemein erhebende und majestätische Musik lässt einen förmlich miterleben, wie das größte und luxuriöseste Schiff seiner Zeit den Hafen verläßt. Hier wird sogar das großartige "Leaving Port" vom Film-Soundtrack übertroffen. Es folgen ein paar Lieder, in denen einigen Personen näher vorgestellt werden. Träume von besserem Leben werden geträumt ("Barrett's Song" und "Lady's Maid"). "In what a remarkable age this is" erklärt sich schon am Namen. Es wird sich in Eitelkeiten gesuhlt wobei sich das Stück musikalisch stark an zeitgenössische Töne anlehnt. In "The Proposal/The night was alive" träumen zwei Menschen von ihrer Liebe. Der eine von der Frau, die er heiraten will, der andere von seinem geliebten Morseapparat. ;-) Ein strckenweise sehr schöner Lovesong. Mit "Hymn/Doing the latest rag" folgt ein zeitgenössisches Lied mit typischer Ragtime-Musik, nicht gerade mein Ding, aber wenn man's mag... "I have danced" gefällt mir da schon besser. Eine 2. Klasse Passagierin schwärmt ihrem Mann von ihren Erlebnissen in der ersten Klasse vor, woraufhin er ihre Träume direkt zunichte macht. Verlangen und Angst halten sich musikalisch die Waage. "No Moon" und schließlich "Autumn/Finale" beenden den ersten Akt. Die Musik schaukelt sich bis zum unweigerlichen Zusammenstoß mit dem Eisberg immer weiter auf, unterbrochen von ruhigeren Tönen. Der zweite Akt eröffnet mit "Dressed in your Pyjamas in the Grand Salon". Ein schönes Lied, aber die Verwirrung der Passagiere kommt durchaus herüber. Ausgefeilter ist da schon "The Blame", in dem sich der Kapitän, der Besitzer und der Erbauer der Titanic zunächst versuchen, sich gegenseitig Mut zu machen uns sich dann die Schuld in die Schuhe schieben wollen. Die Gefühle wie auch die Musik kochen langsam hoch, während der Wechsel zwischen den dreien immer wilder wird. "To the Lifeboats" und "We'll meet tomorrow" erzählt von der Verzweifelung unter den Passagieren, die das Schiff verlassen sollen. Familien werden getrennt, Träume zerplatzen. Musikalisch treten einige bekannte Melodien auf, allerdings ist alles ein wenig aufgepeitschter, um die Dramatik hervorzuheben. "Still" ist ein sehr schönes, ruhiges Duett zwischen dem Ehepaar Strauss. Die Frau will ihren Mann nicht verlassen und bereitet sich darauf vor, mit ihm zu sterben. Da sie auf ein erfülltes Leben zurückblicken, sehen sie dem ganzen gelassen entgegen und erklären sich ein letztes mal die Liebe. Tränendrüse pur! In "Mr. Andrews Vision" erliegt Andrews seinen Visionen, wie er das Schiff hätte sicher machen können, während um ihn herum das Chaos ausbricht. Ein tolles Solo, in dem sich Genie und Wahnsinn eindrucksvoll bekämpfen. Im Epilog kehren wir zurück an den Anfang. Einige bekannte Melodien werden noch einmal angespielt, zunächst traurig, aber dann zum Anfangslied "In every Age" zurückkehrend, wie um dem versunkenen Schiff eine Grabrede zu halten. So endet das Stück wie es begann. Mit grandioser Musik.
Die Musik von Titanic ist bis auf wenige Stücke sehr schön. Großes Orchester und viele Chorstücke sind sehr beeindruckend. Im Stil erinnert es ein wenig an "Sunset Boulevard". Allerdings fehlen die echten Ohrwürmer. Man kann aber schon sagen, daß das Stück einen ganz eigenen Charakter hat und keinesfalls nur auf der Titanic-Welle mitgeschwommen ist. Für Musical-Liebhaber ist die CD bestimmt zu empfehlen. Als Einsteigerstück würde ich sie allerdings eher nicht empfehlen.
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