Ob Chefredakteur Sonnebom bei "Wetten dass" unerkannt Filzstifte an ihrem Geschmack erkennt oder mit einem Anruf bei Österreichs Außenministerin Ferrero-Waldner das Land offiziell von der Hannover Expo auszuladen versucht, ob einige Mitglieder des FIFA-Exekutiv-Komitees am Abend vor der Abstimmung zur Vergabe der Fußball WM 2006 ein Fax erhalten, in dem ihnen einige deutsche Spezialitäten angeboten werden ("sausages, ham and a wonderful KuKuClock") oder ob mit dem Konterfei Wolfgang Thierses, versehen mit Turban und einem verlängerten Bart, an den Hauptverdächtigen für die Terroranschläge in den USA, Osama bin Laden, erinnert werden soll, stets steckt das dienstälteste deutsche Satiremagazin dahinter. Und das mit Erfolg: Der aktuellen Konjunkturflaute trotzend soll es angabegemäß sogar gelungen sein, 50% mehr Anzeigen zu verkaufen, was allerdings lediglich bedeutet, dass es inzwischen eine dritte ganzseitige Anzeige gibt. Stets kann der Leser sicher sein, dass die Satirezeitschrift wirklich an nichts und niemandem ein gutes Haar lässt. Dem Leser kann es egal sein, der typische Titanic-Abonnent wird wohl auch über den übelsten Scherz lachen können. Allenfalls mag überraschen, wie häufig ein krasser Mangel an Toleranz an den Tag gelegt wird. Selbst ein B. von Stuckrad-Barre hat sich inzwischen in den Kreis derer eingereiht, die gegen die Titanic gerichtlich mobil machen, und das nur, weil diese in eine Werbung für seine Lesereise ein Foto des Oklahoma-Bombers Timothy McVeigh montiert hatte - ein für Titanic-Verhältnisse eher harmloser Scherz. Satire darf alles, sagt Altmeister Tucholsky. Wenn schon bittere Wahrheiten, dann am besten in dieser Form.