Wenn ich drei Kriterien für schlechte Science Fiction nennen wollte, so käme ich vielleicht auf:
1.) Die Akteure sind Klone mit Super-Fähigkeiten.
2.) Die Akteure sind Cyborgs mit irgendwelchen absurden Implantaten.
3.) Es handelt sich um ein "actionreiches" Weltraum-Gemetzel.
Der Roman erfüllt alle drei Kriterien und gehört doch zum Besten, was die deutsche SF-Literatur in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat.
Das von Iwoleit entfachte Action-Spektakel erinnert grob an die Alien-Kinoserie: Eine Raumstation im Orbit des Jupiter wird von einer düsteren Alien-Lebensform befallen und förmlich aufgefressen. Die "Pioneers" eine Art geklonter Cyber-Weltraum-Marines erhalten den Auftrag die Überlebenden aus der zerfallenden Station zu retten. Unterstützt werden sie dabei von einem der alten Raumschiff-Promet-Recken: Dave Landon.
Michel Iwoleit gelingt es nun überraschenderweise, dieses für den gewohnten SF-Leser wenig spektakuläre Setting durch intelligente Dialoge und psychologisch überzeugende Reflektionen der Handlungsträger in ein kleines Meisterwerk zu verwandeln. Die zunächst überzogen wirkende Gemeinschaft der Pioneers wird im Laufe des Romans immer nachvollziehbarer, die menschlichen und gesellschaftlichen Brüche des beginnenden 22. Jahrhunderts werden offenbar. Man versteht plötzlich: So wie die flapsigen, coolen und manchmal obszönen Dialoge der Handelnden nur Ausdruck von Stress oder nackter Angst sind, verbirgt sich hinter der scheinbar faszinierenden Hightech-Maske der Zukunftserde eine Gesellschaft am Abgrund.
Der von der übrigen Serie weitgehend unabhängige Band (der sich aber durchaus harmonisch in das Promet/Titan-Universum einfügt) kann unbedingt auch Lesern empfohlen werden, die die Serie bislang nicht kennen. Eine gute Entscheidung, diesen Band zwischen den aktuellen "Virtuversum"-Zyklus einzuschieben!