"Titan" ist - abgesehen vom Titel, der nicht wirklich passend ist und besser beim Original "Lustrum" beibelassen worden wäre - ein würdiger Nachfolger von "Imperium", dem ersten Teil der Harris'schen Cicero-Trilogie. Ich möchte in dieser Rezension nicht die Probleme historischer Romane im Spannungsfeld von Realität und Fiktion erörtern, das habe ich in der Rezension zu "Imperium" ausschweifend getan. Hier soll es vor allem um das Buch als solches gehen.
Natürlich ist es für Harris rein inhaltlich dankbar, einen Roman über fünf Jahre der politischen Karriere Ciceros zu schreiben, in denen Erfolg und Untergang so nah beieinander liegen. Diesen Vorteil hatte er in "Imperium" nicht, weswegen die Figur Ciceros dort teilweise zu perfekt und glatt wirkt. "Titan" lässt den größten Rhetoriker Roms wesentlich fehlbarer und damit menschlicher erscheinen, sodass das Bild, das man als Leser von Cicero gewinnt, nun deutlich differenzierter ist als nach der Lektüre des ersten Teils der Trilogie.
Ebenfalls durch den historischen Stoff zu begründen ist der gelungene Spannungsbogen des Buches: die Verschwörung des Catilina wie auch der Bona-Dea-Skandal eignen sich ausgezeichnet dafür, in geschichtlichen Romanen umgesetzt zu werden. Und eben diese Umsetzung durch Harris ist es, die den wahren Reiz an "Titan" ausmachen; trotz aller "Vorarbeit", die Cicero und die späteren Geschichtsschreiber für Harris geleistet haben, ist es gewiss keine leichte Aufgabe, die beiden komplexen Episoden der römischen Geschichte in für uns verständlicher Weise aufzuarbeiten, sodass ein spannendes, ergreifendes und dennoch gut greifbares Buch entsteht - Harris gelingt dies bestens.
"Titan" ist damit nicht nur eine tolle Fortsetzung des Trilogie um Cicero, sondern sogar noch einen Ticken besser als "Imperium" und macht daher auch noch große Lust auf den dritten Teil der Serie - eine Leistung, die man nicht jeder Fortsetzung unterstellen kann.