Die Statements:
1) Ich kenne das Buch nicht.
2) Ich konnte der Handlung problemlos folgen.
3) Große Schauspielernamen halten was sie versprechen
4) Die geniale Grundidee der Geschichte vermochte mich durchweg zu fesseln.
5) Die Effekte sind beeindruckend, die Stimmung düster-märchenhaft
6) Kurzweilige Unterhaltung deutlich über dem Mittelmaß
Die Begründung:
1) Das Buch nicht zu kennen, erweist sich mal wieder als großer Vorteil für meinen Filmgenuss, denn wenn ich mich auf die anderen Rezensionen verlassen möchte, dann hätte ich wohl anders herum wenig Spaß an dem Film gehabt.
2) Die Handlung des Films, so wie ich sie, übrigens als durchaus zusammenhängend, wahrgenommen habe:
Mo(rtimer) ist eine Zauberzunge. Er kann Figuren und Gegenstände aus Büchern herauslesen und auch hineinlesen. Bevor ihm seine Fähigkeiten klar werden, hat er damit schon großen Schaden angerichtet. Denn er hat vor Jahren den Bösewicht Capricorn aus dem Roman Tintenherz heraus gelesen und seine eigene Frau darin verschwinden lassen. Seither hat Mo sein Leben dem Wiederfinden seiner Gattin verschrieben. Natürlich trifft er bei dieser Suche, auf der seine pfiffige Tochter Meggie ihn begleitet, ebenso fiese wie interessante Typen und erlebt fantastysche Abenteuer. Und natürlich müssen die Guten, wie in jedem anständigen Fantasywerk, verhindern, dass das ultimativ Böse über die Welt gebracht wird.
3) Alleine die Darsteller sind so großartig, dass sie über eine holperige Handlung (falls es denn eine zu beklagen gäbe) schlicht hinwegspielen. Brendan Fraser und Hellen Mirren waren Cornelia Funkes Wunschbesetzung für Mo und Tante Elinor, und Hellen Mirren als wahre alte Dame ist ein echter Knaller. Diese Frau rettet jeden Film, und auf jeden Fall rettet sie zusammen mit Paul Bettany, der den sehr vielschichtigen Staubfinger umwerfend spielt, diesen Film deutlich über das Mittelmaß hinaus.
Weitere große Namen, die hier für meine 4-sternige Zufriedenheit verantwortlich sind, lauten: Eliza Bennett, die im Verlaufe des Films immer besser wird, Sienna Guillory einfach nur zum Anschauen, weil wie immer elfenschön, Andi Serkis-Gollum, der zum Fiesling geboren scheint und nicht zu vergessen Rafi Gayron als Ali-Baba-Räuber, der so witzig spielt, dass die meisten Lacher auf sein Konto gehen.
4) Aus dieser genialen Idee hätte man sicher weitaus mehr machen können, und es ist mir schon klar, dass es genau das ist, was die Buchkenner bemängeln, aber für mich als Buchunkundige stellt sich Cornelia Funkes Idee, so wie sie der Film präsentiert, als absolut originell und äußerst fesselnd dar.
Die Bücher wispern verlockend. Es gibt ein paar Wenige, die die Macht haben sich hineinzulesen oder auch jemanden herauszulesen. Staubige Antiquariate, protzige Bibliotheken, schrullige Autoren, exzentrische Sammlerinnen, Fleisch gewordene Helden und Sand gewordene Wüste... die Liebe zum Buch als Medium der Verzauberung quillt diesem Film aus allen Poren.
Ich war gespannt wie nix, ab dem Moment wo Rotkäppchens Umhang vom Himmel hernieder flatterte und diese Spannung hat sich bis zum Schluss gehalten. Ja, ich bin filmisch vom Buch verzaubert worden.
5) Ich bin kein großer Experte in Sachen computergenerierte Effekte, hatte aber den Eindruck, dass Regisseur Ian Softley eher sparsam mit CGI-Animationen hantierte und stärker auf gute alte Kulissen und stimmungsvolle Drehorte setzte. Dennoch gibt es einige sehr gute Szenen (z.B. der Hurricane oder der schwarze Schatten), wo das CGI-Potenial packend ausgespielt wird
6) Vielleicht sollte man bei all der peniblen Aufzählung von Schwächen und Lücken nicht ganz vergessen, dass es sich bei Tintenherz um ein Film gewordenes Kinder- und Jugendbuch handelt, und dass die meisten Kids sehr pfiffig sind und auch komprimierte Inhalte leicht verstehen und vor allem sollte man nicht vergessen, dass Kids meist sehr viel weniger anspruchsvoll sind, was die so oft beschworene Logik in Märchen- und Fantasyfilmen angeht, als der erwachsene Kritiker.
Das heißt:
Ein sehenswerter Film für Jung und vielleicht auch für Kindlich-Alt, dessen Wiederansehensfaktor sich aber - ganz nach dem persönlichen Geschmack - zwischen 0 und 10 bewegen dürfte. ;-)
DVD im Amaray Case:
Laufzeit ca. 102 Minuten,
Bildformat: 16:9 (1.78:1) anamorph, Die Angabe 16:9 (2.35:1) anamorph auf der Hülle ist falsch
Tonformat: Deutsch: Dolby Digital 5.1, Englisch: Dolby Digital 5.1,
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte,
Ausstattung: Szenenauswahl, Bonus-Feature, US-Kinotrailer