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4.0 von 5 Sternen
In our family portrait we look pretty happy..., 19. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Tintenfisch und der Wal (DVD)
Die Familie Berkman besteht aus dem Vater Bernard, der Mutter Joan und den beiden Söhnen Walt und Frank. Beide Eltern sind Akademiker und Schriftsteller. Dabei war der Vater bis jetzt der erfolgreichere von beiden, doch die Mutter ist seit neuestem auf dem aufsteigenden Ast, während der Vater schon länger nichts mehr veröffentlicht hat. Und das ist nicht das Einzige, was in dieser vermeintlichen Familienidylle nicht stimmt. Die Ehe ist zerrüttet und so lassen sich Bernard und Joan nach einem weiteren Streit, der das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht hat, scheiden. Doch jetzt stellt sich natürlich die Frage, was mit den Kindern (und der Katze!) passieren soll. Die Lösung: geteiltes Sorgerecht. Die beiden Jungs müssen nun die Hälfte der Woche bei der Mutter und die andere Hälfte beim Vater verbringen. Dabei wird die Beziehung der Kinder zu ihren Eltern sehr strapaziert und auch die Beziehung unter den Brüdern. Es findet eine Frontenbildung statt. Frank, der jüngere Sohn, hält zu seiner Mutter, während Walt auf der Seite seines Vaters steht. Gleichzeitig befinden sich die beiden Söhne in der Pubertät, womit sie auch zu kämpfen haben. Walt hat seine erste Freundin und Frank beginnt damit seinen Körper besser kennenzulernen (um es jetzt mal nett auszudrücken).
Dieser Konflikt wird direkt in der ersten Szene mehr als überdeutlich. Da steht sich die Familie nämlich auf dem Tennisplatz gegenüber. Frank und Joan spielen gegen Walt und Bernard. Der Platz ist karg, kalt und öde, so wie das Familienleben vermutlich auch. Gleichzeitig bedient Tennis natürlich das Klischee eines beliebten Akademikersports. Damit wird der Zuschauer unmittelbar in die Familie, deren soziales Umfeld und die Konflikte eingeführt.
Der Film konzentriert sich allerdings mehr auf die Charaktere und deren Umgang mit der Situation, sodass die Handlung recht überschaubar bleibt. Vielleicht ist der Film deshalb auch recht kurz. Durch die Kürze (77 min) kann dann keine Langweile aufkommen, dadurch ist er für meinen Geschmack allerdings auch nicht so intensiv, wie ich ihn mir gewünscht hätte.
Schauspielerisch sind alle Hauptdarsteller überzeugend, vor allem die beiden Jungen. Insgesamt bleiben mir die Charaktere jedoch zu eindimensional. Außer Walt durchläuft keiner eine Entwicklung und die Charaktere sind auch sonst recht simpel gezeichnet. Bernard zum Beispiel ist ein arroganter, aufgeblasener, selbstverliebter Narziss, der nicht einsehen will, dass seine Zeit als Schriftsteller abgelaufen ist. Sein Sohn Walt kommt sehr nach ihm, hält seinen Vater für den Tollsten und redet ihm nach dem Mund. Er ist dabei genauso selbstüberschätzt wie sein Vater, hat allein jedoch noch nie was auf die Reihe bekommen (er klaut zum Beispiel einen Song von Pink Floyd und gibt ihn als seinen eigenen aus und redet großspurig über Bücher, die er gar nicht gelesen hat). Joan, die Mutter, ist dagegen liebevoll und hat ein Bedürfnis nach Liebe, weswegen sie auch schon einige Affären hatte. Frank ist ein eher ruhiger Junge, der nicht wie sein Vater werden will, sondern viel lieber wie sein Tennislehrer und somit von seinem Vater nicht recht akzeptiert wird und soagr anfängt regelmäßig Alkohol zu trinken.
Die Probleme des jüngeren Sohnes fand ich bei diesem Film tatsächlich am erschreckendsten, denn dieser wird immer wieder beim Konsum von Alkohol gezeigt und auch dabei, wie er masturbiert und dann seinen Samen auf irgendwelche Schränke, Bücher etc. schmiert. Überdeutlich zeigt der Film hier, wie schwer eine Trennung Kinder treffen kann, vor allem wenn die Eltern nicht verantwortungsvoll mit dieser verwirrenden Situation umgehen. Und genau das ist bei Joan und Bernard oftmals der Fall.
Was ich auch gut fand, war, dass der Film durchaus versucht deutlich zu machen, dass es manchmal einfach keinen konkreten Grund gibt, aus dem man sich trennt, und er zeigt auch, dass beide Eltern Fehler machen. So redet Bernard nach der Trennung schlecht von seiner Frau um die Kinder gegen sie aufzubringen, was ziemlich unfair und hinterhältig ist. Aber dass Joan direkt den nächsten Mann am Start hat, ist auch nicht unbedingt vorbildlich. Allerdings ist das dann auch irgendwie die einzige Schwäche, die Joan zu haben scheint. Ansonsten wird ein wenig sehr mit Schwarz und Weiß gearbeitet. Bernard ist nämlich sehr negativ gezeichnet, der bis zum Schluss keinen einzigen seiner Fehler einsehen will und die Schuld für alles auf andere schiebt (vielleicht wird er deshalb am Ende auch in gewisser Weise bestraft). Bernard und weitgehend der ihm ähnliche Walt werden in ein negatives Licht gestellt und als absolute A*löcher dargestellt, sodass man sich nicht mit ihnen identifizieren kann und auch kein Mitleid empfindet. So schlägt man sich denn lieber auf die Seite Joans, neigt dazu ihre Affären zu tolerieren und hat Mitleid mit Frank.
Filmisch kann der Film durchaus überzeugen. Eingangs hatte ich ja die Tennisplatz-Szene erwähnt und solche symbolischen Bilder gibt es auch andere. Beispielsweise ist das neue Haus von Bernard absolut heruntergekommen, wobei er über den ganzen Film darauf beharrt, dass es Charme hätte und in einer der besten Gegenden Brooklyns stünde. Dies zeigt zum einen seine verzerrte Sicht auf sich selbst und seine Umgebung. Es zeigt zum anderen, dass wir es oft mehr mit Schein als mit Sein zu tun haben, sowohl in Bezug auf das vermeintliche Familienidyll als auch in Bezug auf einzelne Personen wie Walt oder Bernard, die vorgeben mehr zu sein als sie sind, die aber eigentlich innerlich sehr leer sind.
Auch der titelgebende Kampf zwischen Tintenfisch und Krake steht symbolisch für den Kampf innerhalb der Familie (Zur Erläuterung: Dieses Bild der beiden kämpfenden Biester bezieht sich auf ein Ausstellungsstück im New Yorker Museum for National History) . Ich würde allerdings auch sagen, dass er den Kampf in Walt selbst darstellt. Da wären zum einen der Glaube und die Verehrung für seinen Vater, dem er nacheifern möchte, aber da ist dann auch die Liebe zu seiner Mutter, weil er seine schönsten Erinnerungen mit ihr verbindet. Er fühlt sich also zwischen beiden hin und her gerissen und ist gleichzeitig ein Kampf mit seinen Ängsten.
Dafür, dass dieser Film innerhalb von 23 Tagen mit geringem Budget gedreht wurde, ist das Ergebnis sehr beeindruckend. Da kann man auch Schnitzer wird denjenigen entschuldigen, dass es in einer zusammenhängenden Szene zu Anfang taghell ist und nach einem Schnitt stockfinstere Nacht herrscht.
Der Tintenfisch und der Wal" ist ein sehr ruhiger und für den Regisseur sehr persönlicher (da selber Scheidungskind), Film der das Bild der zerrütteten Familie recht gut rüberzubringen vermag. Er konnte bei mir allerdings nicht einen solch starken Eindruck hinterlassen, dass ich die Höchstwertung vergeben wollte. Dafür waren mir die Figuren dann doch ein wenig zu simpel gestrickt.
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4.0 von 5 Sternen
Diem perdidi, 6. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Tintenfisch und der Wal (DVD)
Das gutsituierte Ehepaar Berkman hat zwei Söhne. Bernhard und Joan haben sich allerdings auseinandergelebt. Der ehemals erfolgreiche Buchautor gelingt kein weiteres Werk und er unterrichtet am College. Joan dagegen hat sich weiter entwickelt und ist dabei aus dem Schatten ihres Mannes zu treten. Die Trennung geschieht leisen, vernünftig und bedacht. Bernhard nimmt sich eine neue Wohnung und darf die Kinder regelmäßig sehen.
Doch eine Beziehung ist keine mathematische Formel, die sich fein säuberlich auflösen lässt. Eifersucht, Suche nach neuen Beziehungen, konfrontieren die vier Beteiligten mit dem realen Leben. Einer der Söhne beklagt sich bei Joan, ich dachte Scheidung kommt nur bei den anderen Eltern vor". So dauert es seine Zeit bis alle Beteiligten in einen neuen Lebensabschnitt finden.
Die Geschichte einer Trennung kommt leise daher. Selbst in angespannten Situationen behält man die Contenance und versucht den Sachverhalt zu klären. Die verschiedenen Rettungsversuche scheitern, helfen aber den Beteiligten die Situation zu verstehen. Der Film zeigt einen Prozess in den Köpfen der Beteiligten. Ausgezeichnete Filmunterhaltung mit Anspruch.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Sehr bewegend, aber wenig Story, 3. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Tintenfisch und der Wal (DVD)
Die Ehe des Schriftsteller-Ehepaars Bernard (Jeff Daniels) und Joan Berkman (Laura Linney) ist kaputt, und Bernard zieht aus. Das trifft die beiden Söhne Frank, 13 (Owen Kline) und Walt, 16 (Jesse Eisenberg) hart. Beide versuchen auf ihre Weise, damit fertig zu werden: Obwohl sich die Eltern das Sorgerecht teilen (und unnachgiebig auf ihren jeweiligen "Kindertagen" bestehen) und die Jungen zwischen beiden Elternteilen fortan hin- und herwandern, schlägt sich Walt bald auf die Seite des Vaters, Frank auf die der Mutter. Diese beginnen jeweils neue Beziehungen, dadurch verschärft sich der Konflikt. Während der 13jährige Frank seinen Kummer durch Masturbation und Alkohol (!) betäubt, stürzt sich Walt in Großmäuligkeiten, Lügen und seine ersten - mehr schlecht als recht ablaufenden - sexuellen Erfahrungen. Der Film endet, als Bernard nach einem abermaligen Streit mit seiner Ex-Frau zusammenbricht, jedoch wird im Krankenhaus nichts ernsthaftes gefunden. Angelehnt ist der Filmtitel an das Diorama im Amerikanischen Naturkundemuseum New Yorks, das den Kampf eines Pottwals mit einem Riesenkalmar zeigt, was die Auseinandersetzung innerhalb der Familie versinnbildlicht.
Nicht einmal eineinhalb Stunden dauert dieser Independent-Film. Länger hätte ich ihn auch kaum durchgehalten. Als "Tragikomödie" ist er angekündigt, aber er enthält deutlich mehr (heftige) Tragik als Komik. Offengestanden, habe ich beim Anschauen der DVD höchstens zwei- oder dreimal geschmunzelt, stattdessen machte sich schockierte Depression breit. Entsprechend zwiespältig fällt das Urteil aus:
Auf der Habenseite befindet sich eine hervorragendes Darstellerensemble, dass zu Recht für seine Leistung ausgezeichnet wurde. Die Regie ist gut, der Film ist sehr gut fotografiert, und das Thema und seine starke Erzählweise gehen stellenweise schmerzhaft unter die Haut. Insbesondere die schonungslos deutlich dargestellten Szenen des masturbierenden und saufenden jungen Frank schockieren - so krass wurde noch kein Trennungskummer dargestellt.
Auf der Sollseite ist eindeutig das Drehbuch. Trotz glaubwürdiger Dialoge und einem erzählerisch tadellos gestalteten Handlungsablauf frage ich mich die ganze Zeit: Was will uns dieser Film sagen? Ich weiß es nicht. Der Film hat keine echte Handlung, keine Pointe und kein echtes Ende, er bricht einfach mittendrin ab. Er bringt durchaus zum Nachdenken darüber, was die Trennung von Familien für tiefes Leid verursacht, und lässt einen in tiefer Trauer darüber zurück. Ist das die einzige Intention des Films? Wenn das so ist, erfüllt er seine Aufgabe hervorragend. Ansonsten hinterlässt er jedoch ein weitgehend unbefriedigendes Gefühl im Sinne von "DAS soll es gewesen sein?".
Die starke schauspielerische Leistung und einzelne krasse Szenen bleiben im Gedächtnis haften und helfen über inhaltliche Schwächen teilweise hinweg, jedoch kann ich hier insgesamt - wegen des bis auf einzelne Szenen eher schwachen Drehbuchs - nur drei Sterne geben.
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