Diese 1979 entstandene Fernsehverfilmung des gleichnamigen Buches "
Dame, König, As, Spion: Thriller" von John Le Carré führt in die Zeit des Kalten Krieges und hinter die Kulissen von Geheimdienstaktivitäten während der siebziger Jahre. Vieles kommt einem irgendwie vertraut, teilweise inzwischen aber auch schon merkwürdig fern und fremd vor. Unübersehbar, wie sehr sich die Welt und ihre politischen Machtgefüge seit dieser Zeit verändert haben.
Der Fernsehmehrteiler folgt fast minutiös dem Verlauf des Buches - was Stärke und Schwäche der Verfilmung gleichermaßen ausmacht. Der Plot ist klassisch zu nennen für einen Agentenroman: Der britische Geheimdienst ist auf höchster Ebene von einem Top-Agenten, der für die sowjetische Seite arbeitet, einem sogenannten Maulwurf, infiltriert. George Smiley, als hoher Beamter des Geheimdienstes seinerzeit in den Ruhestand zwangsversetzt, wird sozusagen "wieder aktiviert", um dem Rätsel und einigen Geheimnissen der Vergangenheit auf die Spur zu kommen. Auf diesem Weg folgt man Smiley auf gewundenen Pfaden und muss dabei ähnlich wie beim Buch Geduld und Konzentration aufbringen, um nicht den Überblick zu verlieren.
Als Zuschauer muss man sich auch auf ein gemächliches Erzähltempo und ein für heutige Verhältnisse ungewöhnlich weitgehendes Maß an Gewaltlosigkeit einstellen, das man bei Film- und Serienproduktionen dieses Genre inzwischen nicht mehr vorfindet. Die ersten beiden Teile der Serie dienen zunächst der Vorstellung der handelnden Personen sowie einer ausführlichen Einführung in die Gegebenheiten des Falls: Vorgeschichte, Hintergründe, frühere und spätere Begebenheiten im britischen Geheimdienst werden ausgiebig dargelegt und über weite Strecken auch nur verbal erörtert, sodass sich zunächst möglicherweise Langeweile und sogar Enttäuschung einstellen mag. Konzentrierte Aufmerksamkeit ist jedoch erforderlich, um LeCarrés komplexen Handlungsgefügen zu folgen. Inhaltlichen Details wird viel Aufmerksamkeit gewidmet, der Zuschauer atmosphärisch und differenziert auf die vielschichtigen Sachverhalte eingestimmt.
Den Großteil des Vergnügens macht beim Anschauen nach wie vor der Darsteller der Hauptfigur, Alec Guinness, aus. Guinness machte sich während der Dreharbeiten seiner für ihn ersten Fernsehproduktion die Figur des Smiley in einzigartiger Weise zu Eigen, war von seiner Darstellung zunächst aber selbst überhaupt nicht überzeugt. Während der bereits schon weit fortgeschrittenen Dreharbeiten versuchte er noch, den Regisseur John Irvin zu einer Umbesetzung seiner Rolle zu bewegen. Nach Inaugenscheinnahme der ersten Muster aber schrieb John Le Carré die sich zu dieser Zeit in Arbeit befindende Fortsetzung "
Smiley's People" ("
Agent in eigener Sache. Roman") nach den von Guinness zum Ausdruck gebrachten Charakterzügen um. Danach sah er sich als Autor nicht mehr in der Lage, die Figur literarisch noch weiter zu entwickeln, da die von Guinness kreierte Filmfigur sich vor seine eigenen fiktionalen Vorstellungen von Smiley stellte, wie LeCarré selbst bekannte. "Smiley's People" blieb Le Carrés letzter wirklicher Smiley-Roman. In "
Der heimliche Gefährte." ("
The Secret Pilgrim") ließ er ihn 1990 nur noch einmal als Nebenfigur und Stichwortgeber wieder aufleben.
Alec Guinness, dieser unvergleichliche, wunderbar subtile Charakterschauspieler, zeichnete die Figur eines erfahrenen und routinierten Geheimdienstlers, der bei seinen privaten Ermittlungen bisweilen nicht nur auf die Häme und Geringschätzung ehemaliger Kollegen trifft, sondern auch die eines melancholischen Einzelgängers, der auf Schritt und Tritt mit der Vergangenheit wie auch mit der Erkenntnis konfrontiert wird, als Ehemann betrogen, als Privatmann einsam und gescheitert zu sein. Guinness lässt den Zuschauer diesen George Smiley beim Denken zusehen und dabei kleinste Details der Figur aufscheinen, belässt ihr gleichzeitig aber auch etwas unergründlich Sphinxhaftes. Ein Vergnügen für Liebhaber der Romane von Le Carré, aber vor allem ein Genuß für Fans von Alec Guinness, der mit Smiley den von ihm bis dahin gespielten Rollen weitere Facetten seiner Darstellungskunst hinzufügte.
Schwerlich lässt sich diese Produktion, mit Mitgliedern des damaligen Ensembles des National Theatre in London, mit heutigen Sehgewohnheiten an dramaturgischen und ästhetischen Ansprüchen unserer Zeit messen. Gute Englischkenntnisse sind von Vorteil, um nicht zu sagen unabdingbar, da die Produktion nur einsprachig vorliegt und das sprachliche Niveau als anspruchsvoll anzusehen ist. Bei Bedarf kann und sollte man von den - ebenfalls nur englischsprachigen - Untertiteln Gebrauch machen. Akzeptieren muss man ebenso, dass die Bildqualität hinsichtlich Farbsättigung und Bildschärfe bei weitem nicht an das Niveau heutiger Produktionen heranreicht, das Bildmaterial somit auch nicht nachbearbeitet wurde, was aber zum anachronistischen Charme beiträgt.
Da inzwischen kein deutscher Fernsehsender (seinerzeit das ZDF) mehr Rechte an dieser BBC-Produktion besitzt, ist von einer Wiederholung im Fernsehen nicht auszugehen. Wer nach dem Ansehen Lust auf mehr verspürt, dem sei an dieser Stelle ebenso eindringlich die drei Jahre später entstandene Fortsetzung und der Abschluss der Geschichte, "
Smiley's People [UK Import]", empfohlen. Interessierte seien auch auf das bisweilen erhältliche Double-Pack "
Tinker, Tailor, Soldier, Spy & Smiley's People Double Pack [4 DVDs] [UK Import]" hingewiesen (oder siehe hierzu sonst auch amazon.co.uk/).
Einen Vergleich zu Guinness' Darstellung bietet nun die 2011 entstandene Neuverfilmung "
Tinker Tailor Soldier Spy [UK Import]" in Spielfilmlänge mit Gary Oldman in der Hauptrolle wie auch die Produktion "
A Murder of Quality [UK Import]" von 1991. Letztere basiert auf Le Carrés Roman "Ein Mord erster Klasse", angesiedelt in den sechziger Jahren mit Denholm Elliott als Smiley. Bereits 1987 wurde von der BBC Le Carrés stark (auto)biographisch gefärbter Roman "A Perfect Spy" (dt. "Ein blendender Spion") als Mini-Serie "
A Perfect Spy [3 DVDs] [UK Import]" in ähnlich komplexer Weise wie die hier behandelte verfilmt.