Tinker ist eine höchst intelligente junge Frau, die in Pittsburgh, das durch ein - nennen wir es einmal salopp - magisches Tor mit der Elfenwelt verbunden ist, und nur an den sogenannten Abschalttagen zur Erde zurückkehrt, einen Schrottplatz führt und so ganz nebenbei an diversen Erfindungen bastelt. Und damit beginnt das Dilemma für den in Physik und (räusper) Mathematik ungebildeten Leser. Denn wie schon in anderen Rezensionen angesprochen, weiht uns die Autorin in die faszinierende Welt der Quantenphysik ein und bastelt eine tolle Geschichte drumherum.
Ich gehe jetzt davon aus, dass Wen Spencer entweder wirklich Ahnung von der Materie oder zumindest einen Experten an der Hand hat, ansonsten erscheint es mir unmöglich, die Fundamente der Geschichte derart glaubwürdig darzustellen. Ich habe ihr jedenfalls alles abgenommen, wenngleich nicht immer ganz verstanden, aber das hat andere Ursachen (zweites Räuspern).
Zur Sache: Tinker rettet dem Elfenfürsten Windwolf, der durch Warge (überdimensionale Hunde) verletzt wird, das Leben und glaubt, damit ihre Lebensschuld beglichen zu haben. Denn Windwolf hat sie einst bei einem Kampf mit einem Saurus mit einem Zauber gezeichnet, zumindest dachte Tinker das bislang. Bei besagter Aktion gerät sie zwischen Elfen- und Erdenpolizei, muss sich mit ein paar ominösen Typen herumschlagen und wird beinahe getötet. Es gelingt ihr, Windwolf zu retten, doch sie selbst ist ebenfalls an der Hand verletzt, sodass sie in einem Elfenhospital behandelt werden muss. Dabei verliebt sie sich in Windwolf. Dummerweise ist da aber auch noch Nathan, ein Mensch, der wiederum in Tinker verschossen ist. Da sie die Elfensprache nicht ganz beherrscht, entsteht ein nicht unwesentliches Missverständnis zwischen ihr und Windwolf, das für den weiteren Verlauf der Geschichte maßgebend ist. Und so wird Tinker in einen seit ewigen Zeiten schwelenden Konflikt zwischen Elfen und Oni (japanische Dämonen) hineingezogen.
Tinker ist eine Mischung aus Urban Fantasy und Science Fiction. Gut, man muss sich schon ein wenig durchbeißen, wenn man SF überhaupt nicht mag und mit Physik so gar nichts am Hut hat, aber dafür ist die Geschichte äußerst amüsant geschrieben und obendrein spannend. Mich hat sie sofort gepackt, was vor allem an den liebenswerten Hauptfiguren liegt.
Tinker ist ein tolles Mädchen, hat einen trockenen Humor und eine rationale Denkweise (eh klar) und analysiert so ziemlich alles. Ihre Vergleiche und Kommentare sind spitze und ich musste mehrmals laut auflachen. Die Autorin zieht Tinkers Sicht der Dinge auch bei den Erotikszenen durch, was mich aber überhaupt nicht gestört hat - es passt einfach zu Tinker und zum Stil der Geschichte. Auch die anderen Figuren sind schön gezeichnet, besonders Oilcan, Tinkers Cousin, und Pony, ihr elfischer Leibwächter. Tja, und Windwolf ... was soll ich sagen - das Idealbild eines Mannes (beinahe eine Spur zu ideal). Leider sind seine Auftritte eindeutig zu kurz ausgefallen. Im Englischen gibt es bereits die Fortsetzung (Wolf who rules), und da scheint Windwolf eine größere Rolle einzunehmen. Bleibt zu hoffen, dass sie auch auf Deutsch erscheint.
Fazit: Tinker ist für mich das perfekte Buch. Es vereint Fantasy mit Science Fiction (durchbeißen, es geht schon!), Romantik mit Spannung und einer Prise Humor. Ich konnte es nicht aus der Hand legen. Lesenswert.