Japan's überdeutliches Vorbild war ja wohl Roxy Music, wobei sie sowohl der avantgardistischen als auch die schon Ende der Siebziger angedeuteten majestätisch-geschmeidigen Phasen Rechnung trugen.
Gerade dieses Album, ihr letztes von 1981, ist ziemlich perfekter, etwas klinisch klingender Art-Pop. Japan war inzwischen eine sich blind verstehende Band, bestehend aus dem phantasievollen Drummer Steve Jansen (David Sylvians Bruder), dem sehr kreativen Fretless Bass-Spieler Mick Karn (in diesem Jahr verstorben), einem Richard Barbieri (inzwischen bei Porcupine Tree), der viele variable und nie überladene Synthesiser-Parts beisteuerte und natürlich "Sänger" David Sylvian, der mit seiner exquisiten Kautschukstimme dem ganzen prätentiösen Auftritt noch die Krone aufsetzte. Man mag dieses Gesamtkunstwerk künstlich und maniriert finden, aber es finden sich sehr viele hörenswerte Momente unter der in allen Regenbogenfarben schillernden Oberfläche. Bei Titeln wie "Talking Drum", "Canton", "Visions Of China" und "Cantonese Boy" ahnt man schon, wohin diese Reise dieses Mal hingeht. Oft nur angedeutete, aber immer präsente fernöstliche Klänge, organisch in den eigentümlichen äh funky-ethno-electro Stil der Band eingebettet. Der spätere Kollaborateur von David Sylvian, Ryuichi Sakamoto, war hier schon bereits allgegenwärtig.
Es fällt (mir...) schwer, einzelne Songs zu beschreiben, allen gemein ist jedoch ein höchst artifizielles und jederzeit interessantes Verständnis von Popmusik an sich. Die Metamorphose von einer mäßig originellen New Wave-Glam-Band hin zu einer stylishen und etwas kruden Melange aus den beschriebenen Zutaten und damit zu etwas völlig Eigenem, die mit dem dritten Werk "Quiet Life" begonnen und mit "Gentlemen Take Polaroids" konsequent fortgesetzt wurde, ist nun mit diesem Album jedenfalls vollzogen. Weiter ging es in dieser Richtung nicht mehr. (Vielleicht) Deshalb war das auch das letzte Werk dieser Band (die sich 1991 unter dem Namen "Rain Tree Crow" kurz wiederfand).
Assoziationen zu "Tin Drum": einige Solowerke von Brian Eno, vielleicht eine Prise Talking Heads zu "Remain In Light"-Zeiten (bzw. als mögliches Bindeglied von "RIL" zu "Speaking In Tongues"), ein ganz bißchen Simple Minds (ca. 1979/80) und natürlich...hier...dingens...ach ja: Roxy Music...