Wer ist Timur Leng (1328-1405) eigentlich? Kaum jemand in Europa kennt den mongolischen Feldherrn dessen kometenhafter Aufstieg seine Zeitgenossen aber sehr fasziniert hat. Der ehemalige Doge von Vendedig, Battista Fregoso hat ihm eine Biographie gewidmet. Kein Wunder, denn immerhin hatte der "Herr der Glückskonjunktion" 1402 bei einem kleinen anatolischen Ort namens Angora (Ankara) den türkischen Sultan Bajazid geschlagen, der gerade eben Konstantinopel erobern wollte. ein Grund für den Westen also, ihm mehr als dankbar zu sein.
Tilman Nagel hat vor mehr als 16 Jahren (1993) diese Biographie über Timur Leng, in Europa unter den Namen Tamerlan bekannt, geschrieben. Man merkt dem Autor an, dass er als Professor für Arabistik in diesem Themengebiet zuhause ist. Die Sprache ist klar und mitreißend. Nagel verzichtet auf einen Aneinanderreihung komplizierter Fachbegriffe und Fremdwörter, nur um sein Wissen zu präsentieren. Der Autor schafft es die Geschichte um den Aufstieg Timur spannend und eindrücklich zu schildern. Außerdem vermeidet er die zwei Kardinalfehler eines Autors. Als Experte des Themas gelingt es ihm dennoch, sich genügend Seiten für die Einführung und die Erklärung der Hintergründe zu nehmen, ohne dadurch die eigentliche Erzähllinie zu durchbrechen. Nagel bietet eine einführlichen Einstieg in die Lebenswelt Timurs. Die historischen Hintergründe, ohne die die Person Timur Leng nicht vorstellbar ist. Etwa die Eroberung Bagdads durch die Mongolen, oder die Transformationsprozesse des mongolischen Riesenreiches nach dem Tod Dschingis Khans, bis zu dem endgültigen Zerfall der Teilreiche in der Zeit Timurs.
Aber auch die religiösen, ethnischen und sozialen Verwandlungsprozesse, die im islamischen Osten (Iran bis Indien) dadurch ausgelöst wurden. Immer wieder geht Nagel ausführlich auch auf die geistigen Strömungen und Lehrmeinungen im Islam ein, die auch den Moslem Timur beeinflusst haben. Wie islamische Vorstellungen und nomadische Lebensweise und Lebenssicht aufeinander stoßen, und etwas Neues erschaffen.
Nagel liefert mit dieser Biographie mehr als nur eine Beschreibung des Lebens des "Herrn der Glückskonjunktion". Er bringt dem westlichen Leser damit einen Einblick in eine faszinierende Welt, die man leider im normalen Geschichtsunterricht nie zu sehen bekommt, und die auch der Universität wenig gezeigt wird.