Timinoun ist das zugänglichste Buch Rachid Boudjedras. Bei geringer Seitenzahl und großer Schrift sowie leeren Seiten zwischen den Kapiteln ist der Roman auch schnell durchgelesen.
Dennoch ist Timimoun kein Boudjedra-Light. Im Gegenteil ist der Roman sorgfältig durchkomponiert. Der Text ist vorwiegend ein innerer Monolog eines Reiseleiters, der Touristen durch die Sahara fährt. Dabei ist er besonders auf eine junge Touristin, Sarah, fixiert. Sie stellt für ihn einen kleinen Lichtblick dar in seinem Leben, das ihm überwiegend gescheitert erscheint. Mit bis zu zwei Flaschen Wodka am Tag ist er schwerer Alkoholiker. Ständig trägt er Zyankalikapseln bei sich, um ggf. schnell Schluß machen zu können. Daran klammert er sich. Er muss auch erkennen, dass sich Sarah an ihm wenig interessiert zeigt.
In einigen Abschnitten denkt der Ich-Erzähler an seine Kindheitserinnerungen.
Den inneren Betrachtungen und Erinnerungsfragmenten sind zwischendurch fettgedruckte Passagen entgegengesetzt, die eine gewalttätige äußere Welt zeigen. Überwiegend beinhalten diese Passagen Mitteilungen über Mordtaten der islamistischen Fundamentalisten.
Rachid Boudjedras Prosa besitzt bei gleichzeitiger kristallklarer Härte auch eine Helligkeit und erschreckende Schönheit.
Wer den Autor noch nicht kennt, kann mit Timimoun einen geeigneten Einstieg in Boudjedras innere Welt finden.