"The times they are a-changin'" - diese Folk-Hymne ist gleichzeitig Opener und Titelsong des Nachfolgers von Dylan's wirklichem Debüt "The freewheelin' Bob Dylan", und es zeigen sich zwischen diesen beiden Klassikern einige Parallelen:
Es sind nur Bob's Gesang, seine Gitarre und die Mundharmonika zu hören; einige Liebslieder umrahmen den aus politisch engagierten, gesellschaftskritischen Songs bestehenden Stamm des Albums; die Songs sind sehr textbetont, nicht besonders melodiös, aber dennoch sehr eindrücklich und tiefgehend.
"The times they are a-changin'" wird von einer Athmosphäre getragen, die so düster ist, wie man sich es nur vorstellen kann.
Die Aufnahmen sind sehr leise gehalten; man muss seine volle Aufmerksamkeit auf die Lieder und vor allem die Texte richten, um diese Musik für sich zu erschließen und schätzen zu lernen.
Die lyrics sind ein Aufruf zum Protest gegen soziale Ungerechtigkeit, Rassismus, Reaktion etc...sie beinhalten also ein großes Identifikationspotential; man könnte sie als eigene politische Statements übernehmen: "Ballad of Hollis Brown" erzählt die Geschichte eines verarmenden Bauerns, der letztendlich mit sich und der Welt abschließt und seine gesamte Familie ausradiert, "With god on our side" ist ein kurioser Rückblick auf die Weltgeschichte sowie ein Anti-Kriegs-Lied,
im "North country blues" erzählt Dylan in Lagerfeuerathmosphäre eine Lebensgeschichte eines armen Mannes, der sich mehr schlecht als recht durchschlagen muss, "Only a pawn in their game" handelt von dem Mord am schwarzen Bürgerrechtler Medgar Evers und ist zusätzlich ein Aufschrei gegen reaktionäre Machthaber, die Rassismus und Gewalt fördern, und der Höhepunkt der CD, "The lonesome death of Hattie Carrol", handelt von einem weiteren Mord, diesmal von einem grundlosen Lustmord durch einen Mann mit "Connections", der mit einer 6 monatigen Strafe davonkommt (wahre Begebenheit...in Amerika ist halt alles möglich).
Zwischendrin gibt's dann auch mal Abwechslung, z.B. "One too many mornings", ein wunderschöner, einfacher Song mit Gedankenlyrik; auch das Liebeslied "Boots of Spanish leather" ist wundervoll, musikalisch und textlich.
Bob Dylan ist mit "The times they are-achangin'" ein Rundumschlag gelungen, der seines Gleichen sucht: Puritanische musikalische Mittel reichen dem Meister aus Duluth/Minnessota zum Erstellen eines Albums, das alles hat: Weltklasse Texte mit politischem und auch ganz einfach gedanklichem Inhalt, tolle Melodien und eine dunkle, düstere Athmosphäre, die nachhaltig zum Nachdenken anregt.