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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
nachts in der Bar...,
Von
Rezension bezieht sich auf: Time Out of Mind (Audio CD)
Nachdem Bob Dylan für längere Zeit keine wirklichen Studiohighlights mehr setzen konnte, veröffentlichte er 1997 den Songzyklus "Time out of mind", welcher zugleich von der Kritik in den Himmel gehoben wurde - und das zurecht.Diese CD enthält 11 Songs mit gespenstischer Atmosphäre. Die Produktion unterstützt diesen Eindruck bewusst, auffälligstes Merkmal der Instrumentierung ist der Einsatz einer düster klingenden Orgel. Die Rhythmusabteilung untermalt dezent die meist gitarren- oder klavierlastigen Stücke. Dylan's mal wieder unheimlich kratzige, rauchige Stimme trägt natürlich enorm zum vorher geschilderten Eindruck bei. Man stellt sich das lyrische Ich in den meisten Songs als dunkle Gestalt vor, die nachts über verflossene Liebschaften und den Sinn des Lebens grübelnd von Pub zu Pub tingelt. Paradebeispiele für diese Stimmung sind der Opener "Love sick", der durch stakkatoartiges Orgelspiel und ein sehr überraschendes, wenn auch kurzes Gitarren-Riff auffällt, der in diesem Zusammenhang ungewöhnlich in Szene gesetzte "Dirt road blues" sowie das wunderschöne nachdenkliche "Standing in the doorway". Die klavierbetonten Songs "Tryin' to get to heaven" und "Make you feel my love" wirken zumindest in Bezug auf Sound und Melodieführung etwas massenkompatibler, bleiben damit jedoch Ausnahmen auf dieser Platte für close-listener. Der unumstrittene Höhepunkt ist das zutiefst berührende "Not dark yet": Ein vom Text her äußerst leidender Dylan röhrt sich durch einen bittersüßen Folk-Rock-Song, der selbst durch Textzeilen wie "I was born here and I'll die here - against my will" und weitere, noch traurigere Zeilen nicht beklemmend wirkt, sondern lediglich zum Nachdenken und zum Schwärmen bezüglich der Musik anregt. Ein weiteres, sehr auffälliges Stück ist "Highlands", ein scheinbar endloser, hypnotisierender Blues mit kurios-zusammenhanglos wirkenden lyrics. Allgemein zeigt sich Dylan textlich weiterhin sehr mitteilungsbedürftig und begabt, jedoch weniger undurchdringlich und bedeutsam als zu seinen Hochzeiten beispielsweise in den 60ern. Seine Songs auf "Time out of mind" handeln von verflossenen Liebschaften und persönlichen Sinnkrisen. Sie sind wörtlich zu nehmen und daher für Dylan-Verhältnisse sehr leicht zu verstehen, was dem Ganzen etwas die geheimnisvolle Stimmung nimmt, dafür aber noch mehr Identifikation mit dem Sänger ermöglicht. "Time out of mind" ist ein Album, für das man sich viel Zeit nehmen muss und das man sich eigentlich nur nachts anhören kann, denn nur diese Tageszeit ist mit der düsteren Stimmung dieses hervorragenden Spätwerkes des Meisters Bob Dylan kompatibel. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sympathy for the old devil,
Rezension bezieht sich auf: Time Out of Mind (Audio CD)
Kapitulation steht in grossen Lettern eingeritzt in der Zellenwand. Da ist jemand müde von der ständigen Suche nach dem Sinn des Lebens und vom unendlichen Sehnen nach Liebe. Die häufigste Phrase dieser Platte lautet deshalb „I don't know". Die Texte sind einfach. Zu keiner Zeit, auf keiner Platte hat Dylan je so einfache Worte gewählt. Nichts scheint dylanesk. KeinHirnf..., kein Literatenlatein, keine Mystik, überhaupt keine Strebsamkeit. Die Reime sind vorhersehbar und werden auch absichtlich mit grossen Pausen gesungen, so dass man sie im Kopf schon vorher beendet hat („that's alright mamma you, you gotta do what you gotta ... do). Er zitiert häufig benutzte Worte aus den amerikanischen Blues-Songs, wie „waiting for a train", „lonesome roads", "deep muddy water", um das Bild des Einsamen zu implizieren. Immer ist er unterwegs („walking" / „going" / „went to") und die amerikanische Landschaft "Missouri", "New Orleans", "Baltimore", "Bostontown" zieht an uns vorbei. Diese Begriffe und Bilder sind uns seit Ur-Zeiten bekannt. Es ist das Bild des 400 Jahre alten Amerika und Dylan hält auf seinem Streifzug scheinbar die Zeit an ("I know it looks like I'm moving, but I'm standing still"). Nicht umsonst heißt das Album "Time out of mind". Dylan begreift sich ohne Anmassung als Teil dieses Amerikas: „When I'm gone you will remember my name". Dylan muss sich und anderen nichts mehr beweisen. Er kann ganz in der Tradition seiner Vorbilder aufgehen. Seine Stimme benötigt längst keine wortgewaltigen und -gewandten Geschichten mehr um gehört zu werden. Seine Stimme erzählt die Geschichten, zu denen er nur noch eine bildhafte Sprache braucht. Wie auch gleich im ersten Song. Einer geht, und er ist liebeskrank, und die Liebste geht ihm nicht aus dem Kopf, und die Schatten, die ihn umgeben, deuten seine Krankheit. Fertig. "Lovesick". Nicht eine famose Wendung. Nicht eine überraschende Umschreibung. Kein Wort das blitzt. Er ist liebeskrank und das macht ihn sprachlos. Oder wie es später heissen wird: "I was alright 'til I fell in love with you". Und immer wieder kommt er auf die Zeit und sein Alter zu sprechen. Er stellt fest, dass „yesterday everything was going too fast, today it's moving to slow". Er sieht jüngere Leute tanzen und würde natürlich gerne mit ihnen tauschen. „I wish someone would turn back the clock for me" heißt es im finalen "Highlands". So zieht er weiter auf seiner Never - Ending - Tour und läßt uns wissen: "I've been all around the world boys and now I'm trying to get to heaven before they close the door". Dylan klingt, als ob er vorsichtig den Tod begrüßen würde. „It's not dark yet, but it's getting there" singt er. So muß es sein, das Warten im Todestrakt. Dead man walking. Auf Hoffnung und Trost muss der Zuhörer bis zum finalen Stück „Highlands" warten. Er sei in seinem Kopf bereits dort, in den Highlands, heißt es nach 16 (!) wie nichts verflossenen Minuten und das sei für den Augenblick genug. Der Refrain ist übrigens an einen der ältesten überlieferten Folksongs angelehnt. Dass er so scheinbar unschuldig die Straßen in Boston durchwandert, hier wo die amerikanische Republik einen ihrer Anfänge hatte und die Art wie er sich beiläufig wundert, dass das Restaurant so leer sei („well it must be a holiday"), zeigen einmal mehr, dass Dylan hier auch leicht eine andere Geschichte hätte erzählen können. Aber da er noch einige Zeit in seiner Zelle zubringt, muss er ja nicht gleich alle Geschichten erzählen. Man muss Produzent Daniel Lanois (u.a. U2), sonst für seine glatte Produktion bekannt, für seine Zurückhaltung danken. Er diente dem Meister im wahrsten Sinne des Wortes. Dieser elektrische Blues wurde größtenteils live eingespielt und klingt improvisiert, roh und unfertig. Sie passt zu Dylan's Stimme, obwohl es auf diesem Album keine verschluckten Endsilben, kein Nuscheln und kein Genöle gibt. Mit diesem Album hat jetzt auch meine Generation ihre Dylan-Scheibe. Sympathie for the old devil. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Grandioses Alterswerk von His Bobness,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Time Out of Mind (Audio CD)
Was für ein Album! Denn bei Bob Dylan kann man ja nie so richtig sicher sein, was einen erwartet. Sicher, es gibt Alben von ihm, an denen sich die Geister scheiden. So mußte man auch bei diesem Album gespannt sein. Doch welche ein Beginn: "Love Sick", eine scheppernde Orgel, die Stimme klar wie selten zuvor. Typischer Inhalt: Die Hauptfigur möchte weit weg sein von der verhaßten Person, doch dann die dylansche Wendung am Ende, daß er sich insgeheim wünscht, bei ihr zu sein: "I Giver Everything To Be With You". Einzig "Dirty Road Blues" ein flotter, reitender Rhythmus mit einem einprägsamen Blues-Riff. Dann das breit angelegte "Standing In The Doorway", diese Steel-Guitar von Cindy Cashdollar, einfach himmlisch. Da rutscht es einem kalt den Rücken herunter. Kein Ausfall diesmal, da stimmt jeder Ton. Dylan kann es dem Produzenten Daniel Lanios nicht leicht gemacht. Teilweise erinnert der Sound an "Oh Mercy" - auch von Lanois produziert - , ist aber viel intensiver. Dann die 16minütige Ballade "Highlands" am Ende des grandiosen Album, so etwa wagen sich die "Kollegen" wie etwa die Rolling Stones schon lange nicht mehr. Es fällt schwer, ein solches Album zu übertreffen und es kann daher getrost in die Reihe neben "Blonde on Blonde", "Highway 61" oder "Blood On The Tracks" gestellt werden. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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