Mal vorweg: Neil Finn kann schon mal kein schlechtes Album machen, dazu ist er als Songwriter einfach zu gut. Sein erstes neues Album mit Crowded House als Band nach 11 Jahren ist dennoch erkennbar als ein Produkt aus zwei Welten: dem Soloalbum, als das es geplant war und der aus diesen Sessions gewachsenen Reunion mit den Veteranen Nick Seymour und Mark Hart sowie Neurekrutierung Schlagzeuger Matt Sherrod. Crowded House als vollständige Band sind nur auf den Titeln 2,3,6 und 12 zu hören.
Das Album ist als Folge geprägt von der Vielschichtigkeit in Stil und Produktion einerseits und dem Thema der CD (die Zeit auf Erden ist kostbar, da sie vergänglich ist) andererseits. Klassische Crowdies-Momente wie die Single "Don't Stop Now" und "English Trees" stehen interessanten Experimenten wie "Transit Lounge" oder "Walked Her Way Down" gegenüber; ergänzt um Neil-Solo-Perlen wie der Ohrwurm "Pour Le Monde" oder der ruhige Opener "Nobody Wants To". Nicks Weiterentwicklung als Bassist auf allen Titeln ist die wahre Überraschung auf dieser CD, sein Fundament "trägt" das Album. Die 14 Titel machen neugierig auf die schon angekündigten neuen Aufnahmen Anfang 2008 - dann wollen sich die vier zum ersten "richtigen Album" wieder zusammenfinden. In der Folge wird sich auch zeigen, ob das, was man so locker "band spirit" nennt und was so deutlich im 1993er Album "Together Alone" zu hören war, wiederholen bzw. weiterentwickeln läßt. Legt man die hohen Qualitätsmaßstäbe an, die Crowded House selbst gelegt haben, ist dies ein Neubeginn auf Raten, ein Teaser, ein Versprechen. Neil Finn und damit Crowded House sind reifer, erfahrener, auch schwermütiger geworden.
Anspieltipps: "Pour Le Monde" und "English Trees" (Vorsicht Ohrwürmer) für die Kenner und Liebhaber des klassischen Stils, "Walked Her Way Down" und "Even A Child" für Neuentdecker.