Der Gebrauch des Begriffs "Klassiker" ist in den letzten Jahren in der Filmbranche geradezu inflationär geworden: Jedes Studio, das seine alten Filme auf DVD neu rausbringt, bezeichnet diese durchweg als "Klassiker". Dabei sind diese sog. "Klassiker" in 99% aller Fälle eben doch nur alte, mittlerweile fast vergessene Filme; mehr nicht!
Die wirklichen Klassiker hingegen kennt fast jeder Mensch, und sei es, wenn er sie noch nicht gesehen hat, nur vom Hörensagen her: Eine berühmte Szene, ein Zitat, ein Schauspieler, eine Titelmelodie: "King Kong", "Vom Winde verweht", "Bambi", "Casablanca", "Psycho"... um nur ein paar echte Filmklassiker zu nennen, und natürlich "Die Zeitmaschine"...!
Allein der Titel lässt uns sofort wieder vor unserem inneren Auge den Mittelpunkt des Films, eben jene unvergessliche, fantastische Maschine, erscheinen: Viktorianisch, verschnörkelt, Messing, Kristall und Edelholz... und weckt auch Erinnerungen, als wir diesen herrlichen Film zum ersten Mal sehen durften... vielleicht schon als Kind im TV oder gar noch im Kino, und jene fantastische Reise, die alle unsere wildesten Phantasien sprengte und uns ins Jahr 802701 entführte...
Denn George Pals Film erfüllt mit Bravour alle Kriterien, die echte Klassiker auszeichnet: Vor allem Glaubwürdigkeit. Glaubwürdigkeit selbst in den eigentlich unglaublichsten Situationen! Und Zeitlosigkeit! Gerade bei diesem Film nicht nur ein Wortspiel!
Dabei bleibt der Film sehr nah an H.G. Wells Buchvorlage, ohne sich dem Buch sklavisch unterzuordnen. Änderungen, die die Stärken des Mediums Film ausnutzen (z.B. ein Filmhöhepunkt), sind passend und überzeugend ausgeführt, der Geist des Buches blieb voll erhalten. Perfekt sind Handlung, Hintergrund und Filmmusik verwoben und erschaffen eine eigene, plausible, glaubwürdige, und doch etherische und fantastische Welt.
Der Film erschafft nicht nur durch die (nicht nur nach damaligen Verhältnissen) tricktechnisch herausragende Reise durch die Zeit jenes Fluidum, das ein anderer grosser Filmemacher, Walt Disney, einmal "die plausible Unmöglichkeit" nannte: Wenn George seine Maschine startet und sich die Welt auf bisher ungesehene Weise zu verändern beginnt... wenn, statt Soundeffekte, Russell Garcias etherische Komposition die Reise instrumental begleitet... wenn dann die Zwischenstops in der Zukunft den Zeitreisenden wie "Dorothy im Zauberland Oz" verblüffen, und wenn schliesslich das Jahr 802701 erreicht wird, und wir die fremde Pflanzenwelt sehen und die unheimlichen Geräusche unbekannter Lebewesen hören... und wenn endlich der Zeitreisende zum erstenmal (unterlegt von Garcias phantastischen Crescendo) vor dem geborstenen Kuppeldom steht... dann hat er uns gepackt, der Film! Dann fühlen wir (obwohl wir wissen, das alles nur ein Film ist) wirklich die zeitliche Schlucht von über 800000 Jahren!
Und unter der so einfach erscheinenden Oberfläche der Geschichte ist auch ein gehöriges Stück Allegorie über uns Menschen und das Menschlich-sein versteckt: Was sind wir denn heutzutage? Die eine Seite unseres Wesens representieren die friedfertigen Eloy, die wie scheue Gazellen wirken: So wollen wir gerne sein. Edel, sanft, in Harmonie mit der Umwelt und den Mitgeschöpfen lebend... doch da steckt in jedem von uns auch noch der dunkle Morlock: Der Wolf, das hungrige Raubtier mit langen Zähnen und gelben Augen... das aber auch nur tötet, um zu überleben... und auch wenn diese unsere beiden Wesenszüge heute noch nicht so klar getrennt sind wie im Jahr 802701, so ist doch das eine vom anderen abhängig.
Fazit: Ein Klassiker, der diese Bezeichnung auch wirklich verdient! Danke, Mr. Pal, für diesen grossartigen Film!