Timbuktu ist ein Buch, das amerikanische Ideale, Werte und den American Way of Life hinterfragt und kritisiert, gleichzeitig jedoch auch auf gewisse Weise verteidigt. Die Geschichte, die Paul Auster um den genial-vertrottelten poet-saint Willy und seinen vierbeinigen Begleiter Mr. Bones entwickelt, zeigt sowohl Anerkennung für den Drang nach Individualismus und Selbstverwirklichung, als auch die Grenzen, auf die man auf dem Wege dahin stoßen kann, wenn man sich nicht innerhalb der gesellschaftlichen Erwartungen bewegt. Auch wenn Timbuktu nicht in den sprachphilosophischen Höhen wandelt, zu denen sich einige frühere Werke Austers (wie City of Glass) aufgeschwungen haben, ist Sprache hier ebenfalls ein Thema, mit dem allerdings auf eine oft recht spielerische Art umgegangen wird. Sätze wie "There is no end to it, is there? Henry James and Jesse James, Frank James and William James. James Joyce. Joyce Cary. Cary Grant. Grant me swizzle sticks and dental floss [...] " mögen manchen Lesern amüsant und originell erscheinen; andere finden sie vielleicht flach. Die Möglichkeit, daß Timbuktu besonders auch den einen oder anderen erfahrenen Auster-Leser enttäuscht, besteht durchaus. Gerade im zweiten Teil des Buches, in dem Willys gewitzte Bemerkungen und bewegtes Leben in den Hintergrund treten, bewegt sich der Autor auf einem recht schmalen Grat zwischen Kunst und Kitsch, sozialkritischen Randbemerkungen und rührenden Familienszenen. Ob dieser Kontrast zu den ersten Kapiteln beabsichtigt war, bleibt offen. Die Hundepersönlichkeit des Erzählers kann in dieser Hinsicht in zweierlei Richtungen wirken. Zum einen ist die Grenze zur Rührseligkeit natürlich leicht überschritten, wenn ein kranker Hund in der Zelle eines Tierheimes dahinsiecht. Andererseits tragen Mr. Bones schlaue Beobachtungen und Gedankengänge nicht nur wesentlich zum Unterhaltungswert des Buches bei, sondern bieten auch zum Teil recht ungewöhnliche Denkanstöße. Welchem Aspekt der einzelne Leser hier mehr Bedeutung zumißt, ist wohl Geschmackssache und etwas, das ein jeder für sich selbst entscheiden muß. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)