Wieder einmal legt Günther Bloch, einer der Mitbegründer der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e. V., diesmal zusammen mit seiner Frau Karin als Mitautorin ein Meisterwerk vor. In der schon gewohnten, zuweilen etwas kauzigen Art zu schreiben, liefern die beiden neue Erkenntnisse über Ökologie und Verhalten von Wölfen, die nicht hoch genug eingeschätzt werden können. Entsprechend dem Klappentext „Wölfe sind ganz anders!" werden anhand von Fakten althergebrachte Konzepte der Wolfsbiologie revidiert bzw. geradegerückt. Dabei „erfinden sie nicht das Rad neu", zeigen aber z. B., dass das „Alphakonzept" und die angeblich so strenge und erbarmungslose Rangordnung in Wolfsrudeln neu überdacht werden muß. Letztendlich passen sich Wölfe auch nur den ökologischen Bedingungen an und sind dabei extrem flexibel. Wen wundert's eigentlich? Haben sie doch trotz jahrhundertelanger Verfolgung durch den Menschen bis heute überlebt! Zugleich macht das Buch Hoffnung in Bezug auf die Wiederbesiedlung Mitteleuropas (auch Deutschlands!) durch Wölfe. Wenn sie so anpassungsfähig sind, spricht nichts dagegen, dass sie auch bei uns bald wieder in stabilen Populationen leben können! Ein äußerst wichtiger Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion, besonders auch ihr diesbezüglicher Exkurs über den Nutzen von Herdenschutzhunden zur Verteidigung von Haustierherden vor dem Angriff durch Wölfe!
Die Methodik der Autoren genügt dabei durchaus naturwissenschaftlich-biologischen Standards, auch wenn die beiden immer wieder damit kokettieren, dass sie ja keine ausgebildeten Naturwissenschaftler sind...
Das gilt uneingeschränkt auch für ihre Ausführungen über Gefühle bei Wölfen. Zwar führen sie nur sehr vereinzelte Beobachtungen an und ziehen daraus ihre Schlüsse. Diese sind aber um so überzeugender. Damit zeigen sie, dass es dringendst Zeit wird, dass sich auch die Naturwissenschaft endlich eingehender dieser Fragestellung widmet!
Nicht zuletzt die Fotos, die auf sensationelle Weise noch nie zuvor fotografisch dokumentierte Verhaltensweisen der Wölfe zeigen, und die gemachten Rückschlüsse auf die Hundeerziehung (klar, die Autoren sind ja schließlich Hundetrainer!) lassen das Buch zu einem wertvollen Beitrag in der Welt der Caniden werden. Nix von wegen Frauchen bzw. Herrchen muß immer vor dem Hund laufen, schließlich führen auch „Alpha"-Wölfe nicht ununterbrochen ihr Rudel höchstselbst an!
Die traurige Seite an dem Buch ist, dass Dr. Erik Zimen, der das Vorwort geschrieben hat, inzwischen gestorben ist. Und auch die zwei männlichen Hauptprotagonisten eines der untersuchten Rudel nach Veröffentlichung des Buches „dank" menschlicher, oder eigentlich eher unmenschlicher Aktivitäten nicht mehr leben, und das Restrudel verzweifelt ums Überleben kämpft (mehr dazu auf der Homepage von Günther Bloch!!!). Umsomehr wird dieses Buch zu einer Art Vermächtnis der Wölfe und der sie achtenden Menschen und zur Pflichtlektüre für alle, die sich für diese Materie interessieren.