Singende Star-Trek-Schauspieler haben nach Leonard Nimoys "Hammer Song" und Bill Shatners "Lucy In The Sky With Diamonds" ja so einiges wieder gut zu machen... Nach Brent Spiners super Jazz-Album "Ol' Yellow Eyes Is Back" aus dem Jahr 1991 hat anno 1998 auch Tim Russ mit der Vier-Lieder-CD "Only A Dream In Rio" die Trekker-Gemeinde mit seinen stimmlichen Fähigkeiten überrascht. Es folgte 2000 dieses erste Album in voller Länge. So überraschend sind die Sangeskünste des Timothy Darrell Russ aber eigentlich gar nicht. Der 1956 geborene Schauspieler war schon seit seiner Schulzeit singend und Gitarre spielend vor Publikum aufgetreten - und tat das schließlich auch auf Star Trek Conventions, wo er verdammt gut ankam und zu eigenen Aufnahmen ermutigt wurde. Außerdem hat der Mann auch seinen Bachelor in "Theater Arts" gemacht - wenn man da nicht singen kann!
Tim Russ singt auf seinem 40 Minuten langen Album acht Coversongs und präsentiert zudem drei frische Stücke, die aus seiner eigenen Feder stammen. Selbst geschrieben hat er das groovend funkige "Crazy", das leichtfüßig poppige "Strangers" mit samtweicher Steely-Dan-Atmosphäre und einem Saxofonsolo als Sahnehäubchen, und "I Can't Imagine", eine wunderschöne Singer/Songwriter-Nummer mit Pop-Umrahmung. Hier fühlt man sich ein wenig an Marc Cohns "Walking in Memphis" erinnert. In den Cover-Songs legt Tim Russ eine beeindruckende musikalische Bandbreite aufs Tablett, singt die Ballade "I Would Stop The World" mit der Leidenschaft eines Lionel Ritchie und verbreitet mit den Folkrock-Nummern "Great Divide" und "Love The One You're With" eine mächtige Portion gute Laune, unterstützt von Gospel-artigem Hintergrundgesang. "Money Talks" ist ein mitreißendes Bluesrock-Stück im Joe-Cocker-Stil; und der Robert-Johnson- und Cream-Klassiker "Crossroads" bringt flotten Rock 'n' Roll ins Spiel.
Großartig sind auch die zum Heulen schöne, melancholische Klavierballade "Louisiana", die auch Tracy Chapman nicht schöner gesungen hätte, und eine sehr nah am Original gehaltene Version von "Where Do The Children Play". Sie ist so authentisch, dass Tim Russ stellenweise klingt wie Cat Stevens selbst. Sowohl bei den ganz ruhigen Stücken, die die Stimme ganz weit in den Vordergrund rücken, als auch bei fetzigeren, schnellen Sachen zeigt Tim Russ, dass er ein richtig guter, facettenreicher Sänger ist. Die Musik ist nicht spektakulär, aber gut - auch handwerklich. Es spielt nämlich Neil Norman's Cosmic Orchestra. Norman hat etliche Titelmelodien von Star-Trek-Serien und -Filmen produziert und mit Größen wie Dennis McCarthy, Jerry Goldsmith und Alexander Courage zusammengearbeitet. Und seine Jungs haben ganz schön was drauf - das ist eine ganze Klasse besser als die durchschnittliche Radio-Qualität der Computer-programmierten 08/15-Popmusik. Ein singender Vulkanier - für Trekker ein Pflichtkauf!