Kurzbeschreibung
In einer düsteren, von viktorianischer Strenge eingeschnürten Kleinstadt soll ein schüchternes junges Paar vermählt werden, obwohl es sich überhaupt nicht kennt. Das ungehobelte Fabrikantenpaar Nell und William Van Dort (im Original gesprochen von Tracey Ullman und Paul Whitehouse) ist durch Fischkonserven zu Geld gekommen, aber zum Aufstieg in die feine Gesellschaft fehlt den beiden einfach die Klasse. Im Gegensatz dazu sind die alteingesessenen Aristokraten Maudeline und Finis Everglot (gesprochen von Joanna Lumley und Albert Finney) direkte Nachkommen des Herzogs von Everglot sie haben Klasse, erzählen aber freimütig jedem, der zuhört, dass ihnen das Kleingeld schon vor langer Zeit ausgegangen ist. Ihnen bleibt nur noch ihr Name und ihre soziale Stellung
und, wie sich herausstellt, ihre Tochter Victoria (gesprochen von Emily Watson). Die Eltern haben nie viel von ihr gehalten, aber vielleicht ermöglicht gerade Victoria der Familie die Sanierung ihrer Finanzen, weil die Van Dorts offenbar einen unverheirateten Sohn namens Victor (gesprochen von Johnny Depp) haben. Die Everglots wollen sich also die Nase zuhalten und Victoria widerwillig mit dem Sohn der schrecklichen Van Dorts verheiraten, denn schließlich ist reich der entscheidende Bestandteil in neureich. Man schließt einen Vertrag und entwickelt eifrige Betriebsamkeit, weil jedermann aufgeregt der Hochzeit entgegenfiebert Braut und Bräutigam allerdings ausgenommen. Doch letztlich weiß jeder, dass die Ehe nichts mit Liebe zu tun hat da braucht man nur Maudeline und Finis zu fragen. Victor und Victoria lernen sich erst am Vorabend ihrer Hochzeit kennen: Die Familien finden sich ein, um das erste Treffen der Verlobten angemessen zu inszenieren direkt im Anschluss wird der Polterabend gefeiert. Es ist schwer zu sagen, wer von den beiden schüchterner ist, aber wider Erwarten scheint es, als ob Victor und Victoria dennoch eine Chance bekommen, die wahre Liebe zu erleben. Doch bei der Generalprobe der Zeremonie verhaspelt sich Victor derart heillos (um dann aus Versehen das Kleid seiner Schwiegermutter abzufackeln), dass Pastor Galswells (gesprochen von Christopher Lee) ihn so lange hinausschickt, bis er seinen Trauspruch fehlerfrei auswendig gelernt hat. Beschämt wandert Victor in den dunklen Wald vor dem Dorf. Als er allein ist, kann er den Trauspruch fehlerfrei aufsagen, er geht sogar so weit, als Krönung den Trauring sanft über eine Baumwurzel zu streifen. Die allerdings gar keine Baumwurzel ist. Ein grauenhafter Moment: Die seltsame, wunderschöne verwesende Leiche einer Frau erhebt sich in den Fetzen eines Hochzeitskleids aus der Erde sie trägt nun Victorias Trauring auf ihrem knochigen Finger. Offenbar hat sich Victor wider Willen mit dieser Leichenbraut (gesprochen von Helena Bonham Carter) vermählt. Seit sie in ihrer Hochzeitsnacht auf geheimnisvolle Weise ermordet worden ist, wartet die Leichenbraut mit gebrochenem Herzen darauf, dass ihr Bräutigam sie abholt. Ihr Herz schlägt zwar schon lange nicht mehr, aber dennoch hat sie nie aufgehört, ihre wahre Liebe, ihren Ehemann, zu suchen, um mit ihm die ewige Ruhe zu teilen. Aus Versehen ist nun Victor dieser Bräutigam: Er wird ins Reich der Toten unter die Erde geschleift, wo sein bisheriges, streng reglementiertes Leben völlig auf den Kopf gestellt wird im Totenreich schließen die Kneipen nie, und die Leichen sind viel lebendiger als alles, was sich über der Erde in dem langweilig-düsteren Land der Lebenden abspielt.
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Blickpunkt: Film
Ins 19. Jahrhundert, ins rigide, klassenbestimmte viktorianische Zeitalter, entführt Burton diesmal. In eine an Charles Dickens erinnernde Welt, märchenhaft, skurril und gruselig, typisch für der Regisseur von 'Beetlejuice', 'Sleepy Hollow' und 'Charlie und die Schokoladenfabrik'. Er fabuliert mit Vergnügen, nimmt das Wort Traumfabrik wörtlich und ignoriert die Moderne wo er kann. Computer, CGI, Blue Screen kommen höchst dosiert, nur wenn unbedingt notwendig zum Einsatz, 'altmodisches' Handwerk umso mehr. Die Stop-Motion-Technik des von den beiden Filmemachern hoch geschätzten Effektezauberers Ray Harryhausen haben sie ins 21. Jahrhundert 'gerettet', während sie auf optischer Ebene ebenso lustvoll wie gekonnt klassischen Horrorfilmen und Arbeiten der britischen Hammer Studios ihre Referenz erweisen.
Die Helden sind Puppen, so minutiös ausgearbeitet, dass man nach wenigen Augenblicken ihre Künstlichkeit vergisst. Neben der titelgebenden 'Corpse Bride' agieren Victor und Victoria, vielleicht ein Verweis auf Reinhold Schünzels Geschlechtertausch-Musical aus dem Jahre 1933. Mit einer schwungvollen Revuenummer beginnt denn auch das Grusical, werden die (neu)reichen Van Dorts vorgestellt, Fischhändler mit dem Drang nach oben, und die Everglots, verarmte, snobistische Adelige. Eine Heirat zwischen Victor und Victoria wird arrangiert. Die Van Dorts wollen so ihre gesellschaftliche Position ver-, die Everglots ihre leeren Kassen aufbessern. Da verschwindet Victor bei einem Waldspaziergang - und findet sich postwendend als Ehemann der Titelheldin im Land der Toten wieder.
Fortan wird gependelt, zwischen 'oben' und 'unten'. Trist, grau, intrigant und steif geht's bei den Lebenden zu, während man in der poppig bunten Unterwelt zu feiern versteht. Es wird geschlemmt, Bacchus kräftig gehuldigt, schon mal der Mittrinker kurzerhand für ein Schlückchen Blut 'angezapft', derweil Hundeskelette enthemmt tanzen und die 'Corpse Bride' in schöner Regelmäßigkeit ihr rechtes Auge verliert. Mittendrin im Spektakel der verträumte Victor, dem im Original Johnny Depp seine Stimme leiht, der nicht weiß wie ihm geschieht. Sein Herz hat er längst an Victoria verloren, doch auch seiner Zwangsangetrauten gegenüber bleibt er loyal. Eine vermeintlich hoffnungslose Situation, der die Lösung dazu ist verblüffend, poetisch und zeugt von wahrem Gefühl fürs Kino.
Genial auch das Setdesign von Alex McDowell und Nelson Lowry, wunderbar auf die Figuren abgestimmt, entfesselt, gerade zu schwerelos die Kameraarbeit von Pete Kozachik, perfekt passend die Originalstimmen, unter anderem Helena Bonham Carter, Emily Watson, Christopher Lee und Albert Finney - was freilich eine riesige Herausforderung an die deutsche Synchronisation darstellt. Nicht zu vergessen die diversen Filmzitate, darunter auch der als süperbe Pointe eingesetzte Satz aus 'Vom Winde verweht': 'Frankly my dear, I don't give a damn!'. Worauf man nur antworten kann: 'Play it again, Tim!'. geh.
Blickpunkt: Film Kurzinfo
Kurzbeschreibung
Im viktorianischen Zeitalter des 19. Jahrhunderts steht der schüchterne Victor Van Dort kurz vor der Vermählung mit der reichen und anmutigen Victoria Everglot. Als er jedoch durch Zufall eine geheimnisvolle Leichenbraut zum Leben erweckt und diese sich prompt in ihn verliebt, steht Victor vor einer schweren Wahl. Entweder ein Leben in der grauen und tristen Welt der Lebenden oder ein Dasein voller Spaß und Frohsinn im unerwartet bunten Totenreich. Hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu Victoria und seiner Treue zur modrigen Leichenbraut Emily, muss Victor letztendlich eine Entscheidung treffen...