Buch der 1000 Bücher
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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Till Eulenspiegel
OT Ein kurtzweilig lesen von Dyl Ulenspiegel geboren uß dem land zu Brunßwick. Wie er sein leben vollbracht hatOA 1510/11 Form Volksbuch Epoche Frühe Neuzeit
Mit Till Eulenspiegel schuf Hermann Bote den Prototyp des hemmungslosen Schalks und das langlebigste deutsche Volksbuch. Es ist nicht nur ein kritischer Spiegel der gesellschaftlichen Zustände um 1500, sondern zugleich eine vielschichtige Sammlung zeitloser Schwänke um menschliche Schwächen aller Art.
Entstehung: Das Volksbuch gliedert sich in 96 Historien, die chronologisch die Lebensgeschichte des angeblich im niedersächsischen Kneitlingen (bei Braunschweig) geborenen und 1350 im lauenburgischen Mölln gestorbenen Till Eulenspiegel erzählen. Belege für die Existenz der historischen Gestalt fehlen, doch geht die germanistische Forschung davon aus, dass Bote auf Schwänke zurückgriff, die um die Eulenspiegel-Figur kreisten und meist mündlich überliefert wurden. Bote hat sie ab etwa 1500 gesammelt, frei bearbeitet und zu einem eigenständigen literarischen Werk geformt.
Inhalt: Von Kindheit an treibt Till Eulenspiegel seine nicht selten bösartigen Späße mit allen, die seinen Weg kreuzen. Auf seinem unsteten Wanderleben entlarvt er die Ungerechtigkeit der Menschen ebenso gern wie er selbst ungerecht ist, zahlt er es den Bösen ebenso oft heim, wie er die Hilfsbereitschaft der Guten ausnutzt, schadet er den Reichen und Mächtigen ebenso sehr wie den Armen und Unterdrückten. Er geißelt Hochmut, Eitelkeit, Habgier, Scheinheiligkeit, Faulheit, Herrschsucht, Aberglaube, Selbstgefälligkeit, Bestechlichkeit, Scharlatanerie und macht dabei vor nichts und niemandem Halt.
Eulenspiegels bevorzugte Waffe ist die Sprache: Er nimmt einen Auftrag, eine Redensart oder einen Fachbegriff wörtlich und deckt die Diskrepanz zwischen Gemeintem und Gesagtem auf. Wenn er seine Mitmenschen aufs Kreuz legt, ernten diese nicht nur Spott, sondern erleiden auch körperliche oder materielle Schädigung. Meist gelingt es Eulenspiegel, sich einer Bestrafung zu entziehen, denn »welcher thut das man in heißt, der würt nit geschlagen« (Historie 43).
Eulenspiegel kann in der Maske des Schalks rücksichtslos die Missstände seiner Zeit bloßlegen und so im Sinne Botes die Unstimmigkeit zwischen Anspruch und Wirklichkeit der Ständegesellschaft offenbaren. Bote schien nicht mehr überzeugt von der Wirksamkeit einer sachlichen Gesellschaftsbeschreibung, wie er sie fast 20 Jahre zuvor mit dem Radbuch vorgelegt hatte. Seine neue Bestandsaufnahme sollte durch Ironie und Überspitzung entlarven und so Bewusstsein schaffen für die Notwendigkeit, dem von ihm konstatierten Verfall der Ordnung Einhalt zu gebieten.
Wirkung: Der Erfolg des Till Eulenspiegel setzte kurz nach den Straßburger Erstdrucken ein: Allein im deutschen Sprachraum sind für das 16. Jahrhundert bereits 35 Ausgaben nachweisbar. Parallel wurde das Volksbuch in die Hauptsprachen Europas übersetzt. Der Eulenspiegel-Stoff ist seit seiner Veröffentlichung mehr als 500mal dichterisch bearbeitet worden, die berühmteste Fassung stammt von dem Flamen Charles de R Coster (Die Legende von Ulenspiegel, 1868). Auch im Kinder- und Jugendbuch hat die (allerdings »gereinigte«, auf die Komik der Wortspiele reduzierte) Eulenspiegel-Figur Karriere gemacht: Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Stoff weit über 250mal »für die Jugend« bearbeitet. U. H.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Von Kindheit an treibt Till Eulenspiegel seine nicht selten bösartigen Spässe mit allen, die seinen Weg kreuzen. Auf seinem unsteten Wanderleben entlarvt er die Ungerechtigkeit der Menschen ebenso gern wie er selbst ungerecht ist, zahlt er es den Bösen ebenso oft heim, wie er die Hilfsbereitschaft der Guten ausnutzt, schadet er den Reichen und Mächtigen ebenso sehr wie den Armen und Unterdrückten. Er geisselt Hochmut, Eitelkeit, Habgier, Scheinheiligkeit, Faulheit, Herrschsucht, Aberglaube, Selbstgefälligkeit, Bestechlichkeit, Scharlatanerie und macht dabei vor nichts und niemandem Halt. Eulenspiegels bevorzugte Waffe ist die Sprache: Er nimmt einen Auftrag, eine Redensart oder einen Fachbegriff wörtlich und deckt die Diskrepanz zwischen Gemeintem und Gesagtem auf. Wenn er seine Mitmenschen aufs Kreuz legt, ernten diese nicht nur Spott, sondern erleiden auch körperliche oder materielle Schädigung. Meist gelingt es Eulenspiegel, sich einer Bestrafung zu entziehen, denn >>welcher thut das man in heisst, der würt nit geschlagen<< (Historie 43). Eulenspiegel kann in der Maske des Schalks rücksichtslos die Missstände seiner Zeit blosslegen und so - im Sinne Botes - die Unstimmigkeit zwischen Anspruch und Wirklichkeit der Ständegesellschaft offenbaren. Bote schien nicht mehr überzeugt von der Wirksamkeit einer sachlichen Gesellschaftsbeschreibung, wie er sie fast 20 Jahre zuvor mit dem Radbuch vorgelegt hatte. Seine neue Bestandsaufnahme sollte durch Ironie und Überspitzung entlarven und so Bewusstsein schaffen für die Notwendigkeit, dem von ihm konstatierten Verfall der Ordnung Einhalt zu gebieten.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.