Gewiss, die Promotion-Schublade ist nicht unklug gewählt. Unter all den skandinavischen Sängerinnen, die in den vergangenen Jahren die Herzen mitteleuropäischer Jazz-Käufer im Eissturm nahmen, fehlte bislang eine Vertreterin aus Finnland, wenn man von der völlig unterbewerteten Jenny Robson einmal absieht. Kristiina Tuomi, Tochter einer finnischen Mutter und eines deutschen Vaters, soll das nun ändern.
Man könnte versuchen, Kristiina Tuomis Singer-Songwriter- Jazz irgendwo zwischen der norwegischen Spröde einer Rebekka Bakken oder dem schwedischen Liebreiz einer Viktoria Tolstoy einzuordnen. Sonderlich geholfen wäre einem damit nicht, weil es da noch zu viele Elemente gibt, die mit dem Elch-Dunstkreis nichts zu tun haben: Etwa die Fado- und Tango-Partikel, die der portugiesische Bassist Carlos Bica gezupft und gestrichen unter Kristiina Tuomis Pop- und Kunstliedstimme streut. Oder die minimalistischen, in ihrer romantischen Simplizität überwältigenden Klavierbegleitungen Carsten Daerrs. Schließlich die Texte, die unter anderem von den berühmten Nicht-Skandinaviern Edgar Allen Poe und William Shakespeare stammen.
Das alles könnte aufgesetzt wirken, dieses Vermengen von Kammeravantgarde und Mitsummmelodienmelancholie, dieser Flirt von Ist-das-noch-Jazz und Lyrik. Es ist die Seiltänzerkunst des Trios Tuomi, hier dennoch grazil die Balance gehalten zu haben.