Vorab: Unsere kleine Tochter liebt die Winnie-Puuh-Serie und wir haben auch viele von den Honigsüßen Abenteuern, die ja noch mit den alten Synchronsprechern und einem anderen (mir besser gefallenden) Zeichenstil gemacht sind.
Den Tigger-Film haben wir geschenkt bekommen und dummerweise im Urlaub gleich zusammen mit unserer Tochter angesehen, anstatt ihn erstmal allein zu gucken. Naja... machen wir auch nicht nochmal.
Der Film dreht sich natürlich hauptsächlich um Tigger, der durch die Gegend hüpft, nebenher bei seinen Freunden die Einrichtung zerstört und überhaupt (wie immer) total selbstbezogen ist. Ich muss auch sagen, dass mir Tigger (neben Rabbit) von den ganzen Figuren am unsympathischsten ist. (Und das noch nicht mal wegen seiner nervigen Sprachfehler, sondern einfach wegen seines Charakters.) Ein Lichtblick ist da nur Ruh, der Tigger mag, sich um ihn sorgt (als Tigger in eine depressive Stimmung fällt, weil er keine anderen Tigger kennt), und der die anderen Freunde immer wieder antreibt, Tigger zu helfen. Die anderen Figuren haben eher kurze Auftritte. Eine schöne Szene gibt es noch mit Winnie Puuh, als er einigen Bienen ein Schlaflied singt, um heimlich ihren Honig klauen zu können.
Was mich an dem Film am meisten stört, ist eine verstörende Szene in der Mitte, als Tigger sich seinen Familienstammbaum zurechtträumt und -singt. Dabei werden Schlag auf Schlag grelle Bilder gezeigt, die für Vorschul- oder Grundschulkinder (und das ist doch die Zielgruppe, oder?) nicht verständlich sind und allein schon von der Geschwindigkeit des Bildwechsels überfordern. Aber natürlich schaut unsere Kleine bei dieser grellen lauten Szenerie immer besonders gebannt hin (und wir dürfen die Szene auch nicht überspringen, wenn's kein Geschrei geben soll). In dieser Szene werden Tigger-Varianten in verschiedenen historischen (altes Griechenland, Indianerkriege) und musikgeschichtlichen Szenen (Jackson 5, Pavarotti) gezeigt; man sieht auch eine Marilyn-Monroe-Tiggerella auf dem U-Bahnschacht, und Tigger in Werken von van Gogh, Dalí und Picasso. Und dazwischen gibt es Bilder wie z.B. den Weihnachtsbaum, an dem viele strahlende Tigger-Köpfe baumeln.
Welches kranke Hirn ist auf die Idee gekommen, sowas in einen Film mit unbeschränkter Altersfreigabe zu packen? Was hat das mit der eigentlichen Idee von Winnie Puuh und seinen Freunden zu tun?? Man kann seinem Kind diesen Kram ja noch nicht mal erklären, denn man müsste ja erstens in Zeitlupe Bild für Bild vorgehen und zweitens kann ich meiner Tochter auch nicht vermitteln, was Pavarotti oder van Gogh mit Tigger zu tun haben -- denn sie haben ja nichts miteinander zu tun.
Also allein wegen dieser Szene hätte ich den Film am liebsten für die nächsten Jahre im Schrank versteckt, wenn unsere Tochter ihn eben nicht schon gesehen und für toll befunden hätte. (Wobei ihr Liebling im Film übrigens Ruh und nicht Tigger ist.)
Was außerdem stört, ist der dahingefuschte Zeichentrick. Man sieht ganz deutlich, wo die Zeichner ihre Umrisse (auch versuchsweise mit mehreren Linien) gezeichnet haben, und diese Umrisse schwanken selbst dann, wenn die Figuren stehen. Bei den farbig ausgemalten Flächen ist es genauso. Wenn also Winnie Puuh eigentlich ganz ruhig irgendwo rumsteht, zittert sein Umriss und die ausgemalten Farben zittern mit. (Wir haben übrigens keine Kinoleinwand zu Hause, sondern nur einen 32-Zoll-Fernseher.) Und über den Hintergrund sollte man besser gar nicht reden...
Das einzig Positive an der DVD sind die zwei Kurzfilme nach alter Machart, die man bei den Extras findet. In denen geht es natürlich auch hauptsächlich um Tigger, aber sie sind wenigstens genauso gezeichnet und synchronisiert wie die Honigsüßen Abenteuer. Mir ist zwar nicht klar, warum Disney diese alten Schätze erst jetzt aus der Mottenkiste holt, aber den Laden verstehe ich ja offensichtlich sowieso nicht...