Die Kurzbeschreibung ist etwas verwirrend. Nina ist nicht die Katze von Anne, sondern sie gehört Christian, Annes Nachbarn, der sich zur Zeit auf Dienstreise in China befindet. Annes Katze, Tiger, ein ganz besonderer Kater, lebt inzwischen "auf den goldenen Steppen". Was dies zu bedeuten hat, kann im wunderschönen Roman: "Der Tag mit Tiger" nachgelesen werden.
"Auf Tigers Spuren" ist die Fortsetzung von "Der Tag mit Tiger". Es erzählt von den ersten Monaten im Leben eines kleinen übermütigen Katers namens Junior, der nach dem Tod seiner Mutter von Nina zu Anne gebracht wird - das ganze verbunden mit ein bisschen Abenteuer, viel Freundschaft und einer Prise Liebe. Die Geschichte läßt sich gut lesen, all die Katzen aus dem ersten Roman kommen darin mit ihren liebenswerten Macken wieder vor - sogar, wenn auch nur in einem kurzen Intermezzo, der von Anne heißgeliebte Tiger - und seine 230 Seiten schenken unbeschwertes Lesevergnügen. Die Geschichte drückt jedoch nicht die atmosphärische Dichte von "Der Tag mit Tiger" aus, sie ist auch nicht so wundervoll ergreifend und bietet nicht die "fantastische und realistische Mischung" aus dem ersten Buch. Sie hat einfach einen leichteren, durchaus angenehmen Stil, aber eben anders. Und, da sie eine Fortsetzung verspricht, bin ich gespannt auf die Entwicklung: Mehr im Stil des ersten Romans - bewegend, märchenhaft und träumerisch - oder mehr im Stil des zweiten über die Entwicklung und Verwicklungen eines jungen frechen Katers verbunden mit den Fortschritten in der Liebebeziehung zwischen Anne und Christian.
Wer die Katzenromane von Andrea Schacht gern liest und sich über Katzen-Geschichten freut, sollte beide Bücher lesen. Aber einen kleinen Vorschlag hätte ich, um den Unterhaltungswert noch zu erhöhen (auch, wenn dieser Tipp ein wenig verwirrend klingt!): Zuerst das zweite Buch "Auf Tigers Spuren" und dann erst anschließend den zweiten Roman "Der Tag mit Tiger" lesen - es steigert erheblich die Spannung und die Lesefreude.