Allgemein wird Robben Ford als Blues-Gitarrist gehandelt. Auf seinem 1992er Album "Robben Ford and the Blue Line" spiegelt sich das neben dem Namen auch noch deutlich in Stücken wider, wie 'You Cut Me To The Bone' oder 'Tell Me I'm Your Man'. Sein 1995er Album führt den Blues zwar noch im Titel, "Handful Of Blues", aber der Blues wird schon deutlich weniger - aus dem Blues ist handfester Rock geworden. Dass Robben Ford ausserdem einen starken Bezug zum Jazz hat, sieht man nicht nur an seinen Gastspielen bei Miles Davis oder bei den 'Yellow Jackets' oder seinem eindeutigen Jazz-Album 'Blues Connotation' (aufgenommen 1992, herausgegeben 1996). Den Jazz-Bezug sieht man auch daran, dass Russell Ferrante von den 'Yellow Jackets' regelmässig bei den Robben Ford-Einspielungen dabei ist. Vor allem aber sieht man es auch an den Instrumental-Stücken, die immer auf den Blues-Alben sind. Nun, 1997 mit "Tiger Walk", erinnert auf den ersten Blick nichts mehr an Blues: die 'Blue Line' hat sich aufgelöst, das ganze Album besteht aus Instrumental-Stücken - und es ist kein einziger waschechter Blues zu hören. Robben Ford hat ein Album vorgelegt, das weder Blues noch Rock ist, weder Jazz noch eine formgerechte Form von 'Fusion'. Und es ist das beste, was Robben Ford bisher abgeliefert hat! Natürlich, alle diese Stilrichtungen spielen in seine Musik mit hinein. Aber stilecht ist das nicht. Das wird alle Puristen masslos stören. Freunde guter Musik stört das hingegen nicht. Auf diesem Album sind schnelle, rockige Stücke ebenso zu finden, wie langsame - und an Blues und Rock gemessen recht frei gestaltete - Stücke. Was Robben Ford hier macht, kommt aus dem weiten, oft durchschrittenen, aber immer noch überraschend schönen Land zwischen Blues, Rock und Jazz. Und es ist absolut erfrischend. Hier ist offenbar einer dabei, seine eigene Form zu finden. Interessanterweise muss sich das nicht unbedingt unangenehm anhören. Alles auf diesem Album ist angenehm hörbar und bietet doch genug Reichhaltiges zum Weiterhören. Dies ist Musik für alle, die Gefallen finden an gutem, handgemachten Rock und an guten Jazz-erfahrenen Instrumentalisten. Nicht stilecht? Aber sehr schön und gut! Übrigens, der Blues ist schon noch da: Was zu hören ist, klingt zuweilen nach Jazz, ist aber 'nur' eine Blues-Harmonie. Haben wir vergessen, was sich aus Blues so alles machen lässt?