Als ich dieses Buch kaufte, wunderte ich mich über die hiesigen widersprüchlichen Rezensionen. Inzwischen habe ich das Buch zu einem guten Teil durchgearbeitet und möchte versuchen etwas Klarheit in das widersprüchliche Wirrwarr zu bringen:
In diesem Buch geht es darum, Muskeln zu finden, von denen man nicht wusste, dass man sie besitzt, sie zum ersten Mal zu spüren, sie Willkommen zu heißen und dann mit ihnen zu arbeiten und sich an ihnen zu erfreuen.
Bei mir klappte das wunderbar, ich habe allerdings eine spezielle Vorbildung: Ich bin seit einem Viertejahrhundert Tänzerin, seit etlichen Jahren auf professionellem Niveau. Während einer solchen Ausbildung lernt man viel Körperbewusstheit und findet - vor allem am Anfang der Tanzausbildung - täglich neue Muskeln, von denen man vorher gar nicht wusste, dass man sie hat.
Ich bin also diese Arbeitsweise gewöhnt und habe deshalb dieses Buch schnell verstanden. Ich habe gelesen, ausprobiert, auch mal was falsch gemacht, das Buch korrigierte diese Fehler und führte mich Schritt für Schritt zum richtigen Gebrauch des Beckenbodens, sodas ich jetzt den Beckenboden wunderbar während meines Tanztrainings mittrainieren kann. Erfolge sind bereits spürbar.
Das brachte mich zu dem Ergebnis, dass ich die Erklärungen im Buch für einwandfrei halte, sie sind meiner Meinung nach zielführend, es werden die richtigen Hinweise gegeben und auf die Gefahren, auf die Fehler, die man machen kann, hingewiesen. Ich glaube nicht, dass ich die Übungen hätte besser beschreiben können.
Also habe ich mich gefragt, welchen Grund es dann hat, dass hier so viele Leser sagen, das Buch ist für sie mehr oder weniger unverständlich.
Ich vermute Folgendes:
Es kommt schlicht und ergreifend darauf an, ob der Leser die Arbeitsweise, in seinem Körper neue Muskeln zu erspüren, gewöhnt ist. Ist er das, ist das Buch leicht verständlich.
Ist er das nicht, besitzt er keine Erfahrung damit, fühlt er sich selbstverständlich erstmal unsicher, ob er die Bewegung auch richtig macht. Das kenne ich übrigens von meinen Tanzschülern. Neue Muskeln zu erspüren und dabei seinem Körpergefühl zu vertrauen, ist für Viele neu.
Diesen Lesern empfehle ich: Versuchen Sie's trotzdem, gestehen Sie sich Unverständnis und Fehler in der Körperwahrnehmung zu - Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Versuchen Sie - vielleicht neben diesem Buch - insgesamt ihre Körperwahrnehmung zu verbessern, indem Sie vielleicht auch noch andere Bewegungsformen kennenlernen. Dabei kommt es darauf an, hinzuspüren und dem eigenen Körpergefühl zu vertrauen. Zu erspüren, welche Muskeln für welche Bewegung hilfreich sind, welche eher durch zu viel Spannung oder durch Schlaffheit stören.
Ich kann Sie nur ermutigen, sich auf diesen Weg zu machen. Es ist ein Abenteuer, man bekommt eine sehr viel tiefere und gesündere Beziehung zu seinem eigenen Körper, lernt ihn ganz neu lieben. Mein Leben hat sehr bereichert...