Ich kann es kaum glauben, daß sich bislang keiner erbarmt hat, dieses wunderbare Buch zu rezensieren, es scheint generell im Neuerscheiunungswirrwar untergegangen zu sein, was eine Schande ist. Ich habe dieses wie auch die beiden anderen Romane von ihm gelesen und bin von allen sehr angetan. "Tiertage" ist übrigens von allen der 'bekömmlichste', also ein guter Einstieg ins Ahrens-Universum. Henning Ahrens ist schlicht und einfach unvergleichbar in der zeitgenössischen Literaturszene (Das könnte auch sein Problem sein). Fast alle, denen ich dieses Buch empfohlen habe, waren überrascht und begeistert von Ahrens meisterhaft leichtfüßiger Schreibweise.
Als Vergleich fällt mir eigentlich fast nichts ein, vielleicht kann man sich den Roman als sonniges Pendant zu Duves "Regenroman" vorstellen. Die Phantasie und eben Ironie seiner Texte erinnert mich allerdings mehr noch an die romantische Ironie, an Tieck, seine "Verkehrte Welt", die Phantasus-Märchen. Ahrens hat eine Art zeitgenössisches Tiermärchen geschrieben, einen "Gestiefelten Kater" für unsere Zeit, nur daß hier der Held ein ehebrecherischer Hase ist, der statt seiner Sasse lieber eine hübsche Häsin namens Lady Snowblood anbetet und angesichts steigender Zahlen sinnlos getöteter Tiere unter die Detektive geht. Parallel dazu entfaltet sich eine Handlung im Kontext der Menschengesellschaft, der die toten Tiere ziemlich egal sind. Dort verlieben sich einige hoffnungslose Kleinstadtmänner in die zugezogene Miranda Schmitt, was tragikomische Verwicklungen nach sich zieht. Einige von ihnen sind dringend der Tiermorde verdächtig.
Vielleicht lassen sich viele vom abstrusen Plot abschrecken, aber gerade in der völlig ernsthaften Darstellung einer solchen Story - und das ohne vordergründige Humorsignale! - liegt Ahrens' Stärke. Das hier ist das Gegenteil von Comedy. Hier regiert die Phantasie und der Plot gehorcht deren Gesetzen, hier liegen Lachen, Weinen und Grausen immer haarscharf nebeneinander, man beginnt an der Wirklichkeit der Wirklichkeit zu zweifeln, denn der hier geschilderte Phantastische Unsinn wirkt irgendwie natürlicher und lebendiger als alles, was der gesunde Menschenverstand konstruieren könnte.
Fazit: Ein angenehm dezentrierender Roman, der in eine unverwechselbare phantastische Bildwelt einführt, die einen so schnell nicht loslässt. Und das beste: die anderen beiden Romane sind noch besser! (aber auch schwerer zu konsumieren)