Nach Betrachten des Films erstaunt mich die Altersfreigabe doch sehr. Im Grunde ist bereits die Eröffnungsszene nichts für einen 3jährigen. Und die Gnus gen Ende des Films fand ich mit 25 ehrlich gesagt noch gruselig. Gute Action Filme mußte man lange Zeit im Ausland bestellen, weil dank zu hoher Freigabe in Deutschland kaum erhältlich, dies hat sich mittlerweile etwas gebessert. Trotzdem ist diese Freigabe für The Wild ein Witz. Eltern, seid gewarnt!
Auch davon ab ist der Film nicht vergleichbar mit vielen Genrekollegen. Zwar ist Disney im Vergleich zu Dreamworks schon immer wesentlich stärker und offensichtlicher die Schiene des moralischen Zeigefingers gefahren, aber in Filmen wie Finding Nemo und die Monster AG stimmten zumindest Humor und Charaktere. The Wild ist ungleich ernster als bisherige Dreamworks oder Disney Produktionen. Das muß nicht zwangsweise schlecht sein, wer aber einen Film im Stile der oben genannten erwartet, wird evtl. enttäuscht sein.
Der größte Schwachpunkt sind für mich die Hauptcharaktere. Kinder im Fernsehen sind ohnehin schon ein Punkt für sich, aber gerade in Synchronisationen hat man es oftmals mit widerlichen, unrealistischen Quietschstimmen zu tun, die nach kurzer Zeit in den Ohren weh tun. Löwe Samson dagegen ist einfach nur langweilig. Die meiste Zeit rennt er trübsal-blasend durch die Gegend und vergeht in Selbstmitleid oder Schuldvorwürfen. Sein "großes Geheimnis" wird im Grunde durch die lächerliche Geschichte zu Beginn des Filmes schon offenkundig. Außerdem ist die Vater/Sohn Beziehung und die "es zählt das Innere" langsam verdammt ausgelutscht. The Wild bringt nichts neues zu dieser Problematik und statt, daß es dem Zuschauer wenigstens subtil vermittelt, wird es so offensichtlich und direkt gemacht, daß eigentlich nur noch der warndende Schriftzug "Achtung, Moral!" fehlt.
Wenigstens bringt die Schlange etwas Spaß in die Sache, allerdings ist sie wiederum so dumm, daß sie als Charakter und Identifikationsfigur nichts mehr taugt.
Ich konnte den Film leider nur in der deutschen Fassung sehen. Was mir immer wieder negativ auffällt, wenn der Sprecher der Figuren sofort zu erkennen ist. So ist Mirja Boes' Stimme zu auffällig, als daß man nicht permanent ihr Gesicht vor Augen hat, wenn die Giraffe spricht. Ein guter Sprecher zeichnet sich dadurch aus, daß er nicht unbedingt herauszuhören ist. Darum gibt es ja auch speziell ausgebildete Voiceactor.
Wobei ich hier nicht weiß, ob die englische Fassung diesbezüglich besser, denn ob es besser ist, wenn ich jedesmal an Jack Bauer denke, wenn Samson spricht?
Der Zeichenstil trug sein Übriges dazu bei, daß die Identifikation fehlt. Die Tiere sind zu realistisch gezeichnet. Dadurch fehlt die Persönlichkeit. Mal ehrlich, ein Löwe sieht aus wie der andere, Giraffe ist Giraffe. Da mag mir jemand, der sich beruflich mit diesen Tieren beschäftigt, widersprechen wollen, aber für den normalen Menschen, der im Alltag nicht solchen Tieren zu tun hat, sehen Löwen nunmal alle gleich aus. Eine comic-artige Darstellung wie in Madagascar hilft da unheimlich, diese Charaktere zugänglicher und einzigartiger zu machen.
Alles in allem mag es an meinen Erwartungen liegen, daß mir The Wild nicht so gut gefallen hat, aber meiner Ansicht nach fehlt ihm einfach der eigene Charme und Stil, den andere Animationsfilme auszeichnen. Ein lieblos geschiebenes 08/15 Buch mit einigen obligatorischen Gags, aber ohne den ganz großen Sympathieträger, den man im Gedächtnis behält. Die meisten Animationsfilme haben ein oder zwei dieser Publikumslieblinge, Scrat aus Ice Age, Esel aus Shrek um nur zwei zu nennen. Es gibt nicht viel, was man aus The Wild mit nimmt.
Wer eine abenteuerliche, witzig Reise eines Löwen und einer Giraffe sehen will, sollte sich Madagascar ansehen, wer die Beziehung zwischen Löwenvater und -junges sehen will, ist mit dem "König der Löwen" besser bedient.