Mit der Anthologie »Tierisch gute Geschichten« ist den 26 Autoren eine beeindruckende Kombination der unterschiedlichsten Genres gelungen. Hier werden auf hohem schriftstellerischen Niveau Geschichten erzählt, in denen Tiere vorkommen. In sich stimmig und in einer gelungenen Mischung zusammengestellt, taucht man als Leser in ein schillerndes Meer von Begebenheiten und entdeckt dabei so manchen Schatz. Zwei Beispiele sollen hier stellvertretend genannt werden. In »Haustiergeschäfte« zaubert die Autorin Kristina Löffler ein geistreiches Wort- und Buchstabenspiel aufs Papier und brilliert mit gekonnt gesetzten Metaphern und Figuren. »Die alte Frau und die Silbermöwe« fasziniert durch das schriftstellerische Talent einer weiteren Autorin. Die Geschichte besitzt inhaltliche Tiefe und innere Kohärenz. Die Darstellung der Gefühlswelt der alten Frau - für mich ein Meisterstück. Nach dem Tod ihres Mannes ist Agnes, die Silbermöwe, ihr Lebensmittelpunkt geworden. Mit ihr kann sie der Einsamkeit entfliehen, sich mitteilen, Erinnerungen und Schuldgefühle verarbeiten. Eine lesenwerte Geschichte, die mich sehr berührt hat - wie so viele andere in diesem Buch. Insgesamt dokumentieren die Geschichten auf eindrucksvolle Weise die unerschöpfliche Vielfalt der Themen und Stile. Man nimmt als Leser an Ereignissen teil, die einem das Herz öffnen, die Heiteres zum Inhalt haben, die aber auch nachdenklich machen und immer Lehrreiches hinterlassen. Ein Buch, das die Menschen von ihrem Sockel der Selbstherrlichkeit hoffentlich herabhebt und ihre Einstellung zu Tieren verändert. Nichts wäre erstrebenswerter als das. So wünsche ich diesem Buch ein weltumspannendes Netz von Lesern, die sich von den Geschichten ebenso fesseln lassen wie ich und zu der Erkenntnis geführt werden, dass sich kein Wesen über das andere erheben darf. Denn wir alle sind nur nackt auf die Welt gekommen und werden sie nackt wieder verlassen.