Wer sich mit dem anatomischen, realistischen Zeichnen von Tieren beschäftigt, kommt irgendwann um das Fachbuch von Gottfried Bammes (ehemals Professor für Künstleranatomie in Dresden) nicht mehr herum. Kein anderes Zeichen-Lehrwerk geht so ins Detail und verfügt über so viele verschiedene Zugangswege, Proportionen und konstruktiven Aufbau der Tierkörper zu studieren wie dieses Werk "Tiere zeichnen", das jetzt im Englisch-Verlag neu aufgelegt wurde.
Die Herangehensweise an die Tierfigur wird auf immer wieder neue Art demonstriert. Zunächst werden verschiedene Methoden zum Studium der Proportionen von großen Säugetieren dargestellt. Größenverhältnisse von Pferd, Rind, Hund, Löwe, Schimpanse (zum Vergleich auch der Mensch), Braunbär, Dromedar, Bison, Giraffe und Elefant werden erläutert und gezeigt, wie man mit Kreide, Aquarellpinsel oder Graphitstaub die Hauptkörpermassen richtig erfassen kann. Diese Proportionsstudien haben für sich genommen bereits künstlerische Aussagekraft und regen an, hier weiter zu experimentieren.
Es folgen freiere Studien zu den verschiedenen Säugetierarten (z. B. Antilope oder Serval) und dann eingehende Untersuchungen zum Skelett- und Knochenaufbau von Großsäugern. Immer werden Tiere in verschiedenen Positionen und Haltungen und in verschiedenen Techniken gezeigt, von der einfachen Umrisszeichnung mit Feder und Rötel über Kreidezeichnungen, Bleistift- und Graphitstudien bis hin zu feinen Aquarellarbeiten. Es ist diese Vielfalt an Darstellungstechniken, die den großen künstlerischen Wert des Buches ausmacht.
Im weiteren Verlauf werden Muskeln, Knochen und Schädelformen eingehender studiert, ein Spezialkapitel widmet sich Vorder- und Hinterbeinen und zwischendurch gibt es auch Konstruktionszeichnungen vom kompletten Skelett einer Katze oder eines Rindes. Zum Abschluss des Buches werden noch farbige, ausgearbeitete Zeichnungen (viele davon Aquarelle) des Meisters selbst präsentiert, darunter Panther, Leopard, Giraffe, Orang-Utan, Haushund, Kamel, Bison, Löwe, Tiger, etc. (Tiere, die Bammes im Zoo Dresden zeichnete). Insgesamt ein hervorragender Band mit vielerlei Anregungen zum Studium von Säugetieren. 5 Punkte sind keine Frage.