Interessant was manche Leuten spannend finden und was nicht. Und wie wenig flexibel manche sind'
Ich bin ein begeisterter 'Fan' von Simon Becketts Werken. Seine David Hunter-Reihe bereitete mir stets großes Lesevergnügen. Wobei ich auch erwähnen muss, dass seine anderen Werke, wie etwa 'Obsession' nicht wirklich spannend waren.
Ganz anders 'Tiere':
Da bereits andere hier sehr detailliert die Story beschrieben haben, möchte ich nur einzelne Punkte herausgreifen.
Der Protagonist (Antagonist?) Nigel ist etwas zurückgeblieben und langsam. Meiner Meinung nach steht er geistig kurz vor der Pubertät. Er liebt Zeichentrickfilme und Comics, interessiert sich jedoch, auf eben eine sehr früh pubertäre und auch vorsichtige Weise, für das andere Geschlecht. Das ist Nigels eine Seite.
Die andere Seite zeugt davon, dass Nigel nicht nur zurückgeblieben ist, sondern auch geistig gestört ist mit psychopathischen Anlagen, welche sich jedoch meiner Meinung nach, noch schlimmer ausprägen würden, wenn er nicht geistig zehn Jahre alt wäre.
Die Erzählweise eines Drittklässlers, welche in den Kritiken hier oftmals verschrien wird, finde ich hingegen ansprechend und passend. Ein hochtrabender Stil würde nicht zu Nigel passen. Nigel denkt einfach. Er denkt wie ein Kind. Wie ein Drittklässler eben. Der simple Schreibstil macht das Buch nicht schlechter, sondern authentischer. Gleichzeitig wirkt er auch etwas Mitleid erregend, denn Nigel wirkt wie ein Kind, welches Gut und Böse nicht unterscheiden kann.
Insgesamt wirkt die Figur des Nigel überzeugend. Umso schlimmer noch: er wirkt auch sympathisch. Trotz der Tatsache, dass er unten Menschen eingesperrt hat.
Als seine 'Freunde' zu Besuch sind, hatte ich direkt Mitleid, dass Pete so gemein zu war. Und obwohl der Besuch auch sehr ausführlich beschrieben war, fand ich ihn nicht langweilig. Denn ständig passierte irgendetwas was Nigel innerlich kochen lies. Oftmals dachte ich, dass er seine Besucher selbst in den Keller sperren wird, denn sie trinken, fluchen, beleidigen, sind unanständig und Cheryl machte auch die Teekanne seiner Mutter kaputt.
Am Ende gab es für mich sogar mehrere Möglichkeiten warum Nigel Menschen einsperrt. Sowohl traurige, als auch erschreckende.
Die Fütterung seiner 'Tiere' hatte auch für mich stets etwas Erschreckendes. Seine menschenverachtende Art machte es oft schwierig den 'anderen' Nigel noch wieder zu erkennen. Jedoch stellt man als Leser bald fest, dass er sich nicht einmal gegen seine Gefangenen richtig durchsetzen kann. Erst später, wenn er merkt, wie groß seine 'Macht' eigentlich ist, finde ich, dass man erkennt, dass Nigel sich doch auch weiterentwickelt und innerlich nicht stehen geblieben ist. Ob das gut oder schlecht ist, ist die Frag.
Das Ende gefiel mir ziemlich gut, denn es ist ein offenes Ende. Die Tatsache, dass Nigel sich sofort wieder vor den Fernseher setzt, zeigt, dass er das Ganze nicht mal richtig verarbeiten kann. Irgendwie traurig.
Insgesamt empfand ich das Buch als sehr spannend. Der Schreibstil lässt seinen direkt in Nigels Welt eintauchen. Ob das Buch nun abstoßend, erschreckend oder traurig ist, bleibt wohl jedem selbst überlassen. Ich persönlich finde alle drei Wörter passend, aber am meisten traurig. Ein direkter Thriller ist das Werk wohl nicht. Aber ein anderes Wort fällt mir dafür wiederum auch nicht ein. Schade, dass viele das Buch 'langweilig' finden und nicht noch einmal drüber nachdenken wollen
Was ich mich jedoch noch frage ist: Warum finden manche Leute die Idee schlecht bzw. langweilig, dass ein geistig zurückgebliebener diese Taten begangen hat? Was wohl manche erwartet haben, ist ein grausamer Thriller aus der Sicht eines Mörders, der seine Opfer entführt, einsperrt, foltert und vergewaltigt? Ist das spannender? Oder nicht doch auch noch abstoßender? Warum wollen manche immer das Extremste vom Extremen? '