Ich habe die deutsche Ausgabe von 2003 gelesen. Das französische Original ist von 2001.
Dies ist ein außergewöhnlicher Bildband, den sich kein Tierliebhaber entgehen lassen sollte. Prachtvolle Bilder und eine Fülle an Informationen sorgen für beste Unterhaltung und Freude am Wissensdurst. Das reicht von Geschichtsanekdoten (christliche Gerichtsprozesse gegen z.B. Nacktschnecken) bis zu den Ursprüngen der Tierkreiszeichen und Verteufelungen in (halber) Tiergestalt. Es ist deshalb grundlegend ein 5-Sterne-Buch. Leider muss ich eine Subtraktion wegen einiger inhaltlicher Fehler und Ungenauigkeiten vornehmen, was aber nicht vom Lesen des Buches allgemein abhalten sollte.
Sätze wie diese - vielleicht liegt es oftmals nur an der Übersetzung - lassen mir hin und wieder die Haare zu bergen stehen: "Der (...) Auerochse ist der alleinige Urahn sämtlicher heutiger Rinderrassen (Ochsen, Yaks, Bisons und Büffel)." Zum einen ist Auerochse (oder auch Ur) eine UNTERart des Wildrindes, von dem alle anderen Rinder(arten) abstammen, zum anderen gehören Yaks, Bisons und Büffel zu den domestizierten Formen (also tatsächlich "Rassen") von verschiedenen ARTEN (bzw. Unterarten) von Rindern. Also sind dies nicht etwa verschiedene Rassen einer Tierart wie es alle Hunderrassen vom Wolf sind. Ich gehe davon aus, dass hier natürliche Arten mit künstlichen (von Menschen gezüchteten) Rassen verwechselt und vermengt worden sind. Zum dritten sind Ochsen lediglich kastrierte Rinder und daher weder eine spezielle Art noch Rasse.
Solche Ungenauigkeiten bzw. Fehlleitungen finden sich zu hauf. Dschingis Kahn hätte Westeuropa erobert. Nun gut, wenn man Gebiete des heutigen Österreich mit Westeuropa gleichsetzt, mag das halbwegs hinhauen. Außerdem war er nicht persönlich mit seinem Pferd dort, wie im Buch vermittelt, wenn überhaupt in weiten Teilen Europas, sondern nur seine Armee. Es wird suggeriert, dass Stierkämpfe aus Kreta stammten. Das ist ein typischer Fall von Eurozentrismus, für den die Griechen sehr oft herhalten müssen, dem die antiken Griechen aber keineswegs selbst frönten. Die Quelle (von Wohl oder Übel) liegt dagegen wie so oft in Ägypten. Bei der Suche nach Trüffeln sei das Schwein der beste Verbündete des Menschen. So der populäre Mythos. Tatsächlich hat der Hund längst (sprich teilweise seit Jahhunderten) dem Schwein den Trüffelrang abgelaufen: Hund will Herrchen nur einen Gefallen machen. Schwein dagegen frisst die Trüffel lieber selbst. Da letzteres dabei außerdem die Pilzwurzeln schädigt, ist es beispielsweise in Italien sogar VERBOTEN, Schweine für die Trüffelsuche einzusetzen... Bei einem Buch wie diesem erwarte ich natürlich, dass aufgeklärt wird, nicht Legenden untermauert werden. Dies alles sind lediglich Beispiele von Inhalten, die mir bekannt sind. Ich möchte nicht wissen (oder eigentlich doch!), was mir hier potentiell noch alles falsch oder ungenau untergejubelt wird. Zumindest wundere ich mich darüber, dass domestizierten indonesischen Affen zum Pflücken bestimmter Kokosnüsse das Wort ">>ripe<< (das englische Wort für >>reif<<)" zugerufen wird. Es wäre zumindest eine Erklärung wert gewesen, warum die Indonesier sich mit ihren Haustieren angeblich auf Englisch unterhalten...
Ansonsten ist zu bemängeln, dass die Bildunterschriften gelegentlich nicht WIRKLICH adäquat das Abgebildete widerspiegeln und dass nicht klar wird, wer die großgedruckten Einführungszitate auf vielen Seiten gesagt hat oder ob das tatsächlich Zitate sein sollen. Immerhin stehen sie in Anführungszeichen und scheinen keine Auszüge aus dem Text zu sein.
Im Vergleich mit dem Nutzen des Buches fallen diese kritischen Kleinigkeiten aber nicht allzu ins Gewicht. Wer also interessiert ist am recht unterschiedlichen Verhältnis von Menschen in verschiedenen Epochen und Geographien mit Hunden, Pferden, Rindern, Rentieren, Kamelen (incl. Lamas), Elefanten, Bären, Affen, Pelikanen, Turteltauben, Adlern, Katzen, Schweinen, Kormoranen, Schlangen, Delphinen, Ottern und einigen anderen kürzer erwähnten Tieren (sowie Fabeltieren), für die und den ist dieser Bildband ein Volltreffer.